IWH: Abschwung im Osten milder als in Gesamtdeutschland
28.09.2023 - 11:06:25 | dts-nachrichtenagentur.deLaut Prognose des Leibniz-Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung Halle (IWH) dĂŒrfte das ostdeutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2023 um 0,5 Prozent zulegen, wĂ€hrend die Produktion in Deutschland insgesamt um 0,6 Prozent sinkt. Im nĂ€chsten Jahr werden in Ost und West Expansionsraten von 1,3 Prozent erwartet, und fĂŒr 2025 wird prognostiziert, dass das ostdeutsche Bruttoinlandsprodukt mit 1,2 Prozent etwas langsamer zulegt als in Deutschland insgesamt (1,5 Prozent).
Die Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose konstatiert in ihrem Herbstgutachten, dass sich die deutsche Wirtschaft seit ĂŒber einem Jahr in einem Abschwung befindet, der erst zum Jahresende abklingen dĂŒrfte. Allerdings war die Konjunktur in Ostdeutschland in den vergangenen vier Quartalen etwas krĂ€ftiger: Nach Angaben des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der LĂ€nder war das ostdeutsche Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr 2023 um 0,2 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wĂ€hrend es fĂŒr Deutschland insgesamt um 0,3 Prozent niedriger ausfiel. Dabei war die Konjunktur im Verarbeitenden Gewerbe regional stark differenziert: Dass das Bruttoinlandsprodukt in Sachsen-Anhalt um 3,2 Prozent zurĂŒckging, ist wohl auf die Probleme der in dem Bundesland wichtigen Chemieindustrie mit den extremen Energiepreisanstiegen zurĂŒckzufĂŒhren. Dagegen war Brandenburgs Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr 2023 um 6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. DafĂŒr war ausschlaggebend, dass die groĂe Elektroauto-Fabrik in GrĂŒnheide ab MĂ€rz 2022 ihre Produktion hochgefahren hat. "Auch UmsĂ€tze und AuftragseingĂ€nge im ersten Halbjahr 2023 sprechen fĂŒr eine in Ostdeutschland etwas höhere Dynamik im Verarbeitenden Gewerbe", sagte Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und VizeprĂ€sident am IWH. "Zudem entwickeln sich die verfĂŒgbaren Einkommen in Ostdeutschland schon seit einigen Jahren gĂŒnstiger als im Westen." So lagen die ostdeutschen realen Bruttolöhne und -gehĂ€lter im Jahr 2022 um 19,5 Prozent ĂŒber ihrem Niveau von 2015, die westdeutschen nur um 16,1 Prozent. Im Jahr 2023 werden die Einkommen durch die Erhöhung des im Osten besonders hĂ€ufig gezahlten Mindestlohns (auf zwölf Euro je Stunde ab Oktober 2022) gestĂŒtzt. Zudem wird die gesetzliche Rente um 5,9 Prozent und damit um 1,5 Prozentpunkte stĂ€rker erhöht als im Westen. "In den kommenden Jahren wird das ostdeutsche Bruttoinlandsprodukt wohl kaum noch stĂ€rker als das in Gesamtdeutschland expandieren, denn die Zahl der Personen im erwerbsfĂ€higen Alter geht in den ostdeutschen FlĂ€chenlĂ€ndern aus demographischen GrĂŒnden zurĂŒck", sagte Holtemöller. So hat die sozialversicherungspflichtige BeschĂ€ftigung in Ostdeutschland zuletzt kaum noch zugenommen, im Juni um 0,3 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresmonat (Deutschland insgesamt: 0,7 Prozent). Zudem gibt es ab 2024 keine höheren Rentensteigerungen, denn die Angleichung des Rentenwerts zwischen Ost und West wird schon im laufenden Jahr erreicht. Alles in allem dĂŒrfte das ostdeutsche Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2023 um 0,5 Prozent zulegen, wĂ€hrend die Produktion in Deutschland insgesamt um 0,6 Prozent sinkt. Im nĂ€chsten Jahr werden beide Expansionsraten wohl bei 1,3 Prozent liegen, und fĂŒr das Jahr 2025 wird prognostiziert, dass die ostdeutsche Produktion mit 1,2 Prozent etwas langsamer zulegt als in Deutschland insgesamt (1,5 Prozent). Damit wird das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in Ostdeutschland weiterhin bei etwa 80 Prozent des westdeutschen Niveaus bleiben. Die ostdeutsche Arbeitslosenquote nach der Definition der Bundesagentur fĂŒr Arbeit liegt im Jahr 2023 und 2024 jeweils bei 7,0 Prozent, um im Jahr 2025 auf 6,7 Prozent zu sinken.
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH
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