Autoindustrie, VDA

Deutsche Autoindustrie: VDA warnt vor 225.000 verlorenen Jobs bis 2035

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 07:19 Uhr, Redaktion boerse-global.de

ZF bricht Betriebsversammlung ab, VW plant bis zu 50.000 weitere Stellenstreichungen und Mercedes baut in Ungarn aus.

Autoindustrie in der Krise: ZF-Eklat, VW-Stellenabbau und Mercedes-Ausbau
Nahaufnahme der Hände eines Fabrikarbeiters, die auf einem Bauplan ruhen, mit verschwommenen Maschinen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Betriebsversammlung bei ZF Friedrichshafen abgebrochen, Volkswagen plant weiteren Stellenabbau – die deutsche Autoindustrie steckt in ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten.

Eklat bei ZF: Personalvorständin von 5.000 Mitarbeitern ausgebuht

Die Stimmung in der deutschen Zulieferindustrie kocht über. Bei einer Betriebsversammlung am Dienstag bei ZF Friedrichshafen wurde die Personalvorständin Corzilius niedergebrüllt. Rund 5.000 Beschäftigte sorgten für den Abbruch der Veranstaltung, als die Managerin ihre Sparpläne erläutern wollte.

Im Kern geht es um die sogenannte Zeppelin-Prämie. Diese übertarifliche Zulage von etwa zehn Prozent des Bruttolohns will der Vorstand für 7.500 Mitarbeiter am Standort Friedrichshafen Mitte 2027 streichen. Zusätzlich steht die Umwandlung einer festen Leistungszulage in eine variable Prämie im Raum. Für die Betroffenen bedeute das monatliche Einbußen zwischen 300 und 500 Euro.

Der Hintergrund: ZF steckt tief in den roten Zahlen. Für 2025 verbuchte der Konzern einen Nettoverlust von 2,147 Milliarden Euro – eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Die Streichung der Zulagen soll einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag einsparen. Der Betriebsrat kündigte bereits entschiedenen Widerstand an.

Volkswagen konkretisiert Stellenabbau-Pläne

Auch beim Branchenprimus Volkswagen verschärft sich der Ton. Konzernchef Oliver Blume bezifferte am Montag erstmals das mögliche Ausmaß eines weiteren Personalabbaus. Ohne signifikante Anpassungen der Arbeitskosten könnten weltweit rund 50.000 Stellen zusätzlich zu den bereits geplanten 50.000 Jobs wegfallen.

Das Ziel: Die Gemeinkosten in Verwaltung und anderen Bereichen um rund 20 Prozent senken – das entspricht einer Einsparsumme von elf Milliarden Euro. Laut Unternehmensleitung liegen die Verwaltungskosten deutlich über dem Branchendurchschnitt.

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Besonders brisant: Die Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm gelten für die Zeit nach 2030 als nicht wettbewerbsfähig. Blume betonte zwar, dass intelligente Lösungen vor Werkschließungen kämen. Für Osnabrück laufen bereits Gespräche über Kooperationen mit Rüstungsunternehmen.

Branchenexperten warnen vor Dominoeffekten. Ein Wegfall von 50.000 Stellen bei einem Hersteller könnte den Verlust von bis zu 200.000 weiteren Arbeitsplätzen bei Zulieferern nach sich ziehen.

Mercedes baut Ungarn zur größten Fabrik Europas aus

Der Druck auf den Standort Deutschland wächst auch durch internationale Expansion. Mercedes eröffnete am Montag eine Werkserweiterung im ungarischen Kecskemét. Rund eine Milliarde Euro investiert der Hersteller – die Fabrik soll zur größten in Europa werden, mit einer Kapazität von bis zu 400.000 Fahrzeugen jährlich.

Die Produktionskosten liegen dort laut Unternehmensangaben rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau. Mercedes will den Anteil der Produktion in Niedriglohnländern von 15 auf 30 Prozent verdoppeln.

Hinzu kommt der Markteintritt chinesischer Wettbewerber. BYD plant, Ende 2026 die Produktion in Ungarn aufzunehmen. Branchenkenner verweisen auf Wettbewerbsvorteile durch längere Arbeitszeiten und niedrigere Lohnkosten ohne vergleichbare Arbeitnehmervertretungen.

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VDA warnt vor 225.000 verlorenen Jobs bis 2035

VDA-Präsidentin Hildegard Müller prognostizierte am Dienstag düstere Aussichten: Bis 2035 könnten rund 225.000 Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie verloren gehen – sofern die Standortbedingungen bei Energiepreisen, Bürokratie und Steuern nicht verbessert würden. Sie forderte zudem eine Bdabatte über längere Arbeitszeiten.

IG-Metall-Küste-Chef Daniel Friedrich konterte am Mittwoch: Der Standort Deutschland sei durch Qualität und Produktivität weiterhin wettbewerbsfähig. Höhere Lohnkosten könnten dadurch ausgeglichen werden. Strukturelle Neuausrichtungen seien zielführender als reine Sparprogramme.

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