Deutsche Bahn, Homeoffice

Deutsche Bahn reduziert Homeoffice und prĂŒft Drei-Tage-PrĂ€senz

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 18:05 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Deutsche Bahn will die Arbeit im Homeoffice deutlich einschrĂ€nken und setzt in Teilen des Konzerns wieder stĂ€rker auf BĂŒroprĂ€senz. Unter betroffenen BeschĂ€ftigten stĂ¶ĂŸt die AnkĂŒndigung auf deutlichen Widerstand.

Deutsche Bahn will Homeoffice einschrÀnken
Deutsche Bahn (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Deutsche Bahn will die Möglichkeiten fĂŒr Arbeit im Homeoffice deutlich einschrĂ€nken und die PrĂ€senz im BĂŒro wieder ausweiten. Ein Konzernsprecher bestĂ€tigte entsprechende Überlegungen des Vorstands und verwies auf das Ziel, die gemeinsame Arbeit vor Ort zu stĂ€rken.

Bahn-Vorstand setzt auf mehr PrĂ€senz im BĂŒro

Der Vorstand hat sich nach Angaben des Sprechers mit einer stĂ€rkeren BĂŒroprĂ€senz befasst und dieses Ziel bekrĂ€ftigt. Mehr Anwesenheit in den BĂŒros solle die Zusammenarbeit verbessern, den Austausch erleichtern und dazu beitragen, Entscheidungen schneller zu treffen. Zugleich will der Konzern seine BĂŒroflĂ€chen besser auslasten und dauerhaft nicht benötigte FlĂ€chen reduzieren.

Drei Tage PrÀsenz in Berlin diskutiert

In der Zentrale in Berlin sollen kĂŒnftig offenbar wieder drei Tage Anwesenheitspflicht pro Woche gelten. Eine Ă€hnliche Vorgabe gilt bei der Regionaltochter DB Regio bereits. Konzernweit ist bislang lediglich ein Tag pro Woche vorgegeben, an dem sich die Teams persönlich treffen sollen.

Entscheidung fĂŒr Gesamtkonzern steht noch aus

FĂŒr den Gesamtkonzern liegt nach Aussage des Sprechers noch keine abschließende Entscheidung vor. Der Vorstand wolle zunĂ€chst den Austausch mit den einzelnen Konzerngesellschaften vertiefen, um das weitere Vorgehen festzulegen. Die geplanten Regelungen betreffen laut Bahn nur eine Minderheit der BeschĂ€ftigten.

Mehrheit der Belegschaft arbeitet ohnehin vor Ort

Nach Angaben des Unternehmens stellen sich fĂŒr zwei von drei DB-Mitarbeitenden Fragen zur Homeoffice-Regelung gar nicht, weil sie seit jeher vor Ort im Eisenbahnbetrieb arbeiten. Sie halten dort tĂ€glich den Verkehr fĂŒr die Kundinnen und Kunden am Laufen und können ihre Aufgaben nicht ins Homeoffice verlagern.

Unmut bei potenziell Betroffenen

Unter den potenziell von neuen PrĂ€senzpflichten betroffenen BeschĂ€ftigten sorgt die AnkĂŒndigung fĂŒr erheblichen Unmut. Viele waren davon ausgegangen, dass die in der Coronakrise stark ausgeweiteten Möglichkeiten fĂŒr Arbeit aus dem Homeoffice dauerhaft fortbestehen. Ein Arbeitnehmervertreter kritisierte, man habe nach Corona versĂ€umt klarzustellen, dass diese Phase beendet sei.

Verdacht auf unattraktiver gemachte Stellen

Der Arbeitnehmervertreter Ă€ußerte zudem den Verdacht, die Deutsche Bahn könnte im Zuge ihres Sanierungskurses bestimmte Stellen bewusst unattraktiver machen. Wenn ohnehin ein Abbau von Stellen geplant sei, könne eine strengere PrĂ€senzpflicht ein geeignetes Mittel sein, um Personalabbau zu erleichtern. Die Diskussion ĂŒber die kĂŒnftige Homeoffice-Praxis dĂŒrfte damit im Konzern weiter anhalten.

Die geplante EinschrĂ€nkung von Homeoffice bei der Deutschen Bahn trifft auf ein Unternehmen, in dem ein Großteil der BeschĂ€ftigten ohnehin nicht mobil arbeitet, sondern im operativen Betrieb eingesetzt ist. Betroffen ist vor allem die Verwaltung und Konzernzentrale, wo seit der Coronapandemie verstĂ€rkt von zu Hause gearbeitet wurde. Die Bahn orientierte sich damit an einem allgemeinen Trend in Deutschland, bei dem viele Unternehmen hybride Modelle eingefĂŒhrt hatten.

Arbeitsmarkt und Wettbewerb um FachkrÀfte

In einem angespannten Arbeitsmarkt mit FachkrĂ€ftemangel setzen viele Arbeitgeber weiter auf flexible Arbeitsmodelle als Vorteil im Wettbewerb um qualifizierte BeschĂ€ftigte. Eine Reduzierung von Homeoffice-Tagen kann fĂŒr Teile der Belegschaft als RĂŒckschritt empfunden werden und die Bindung an das Unternehmen schwĂ€chen. Gleichzeitig argumentieren Unternehmen wie die Deutsche Bahn mit besserer Zusammenarbeit, schnelleren Entscheidungen und stĂ€rkerer Identifikation, wenn Teams regelmĂ€ĂŸig vor Ort zusammenarbeiten.

Konfliktlinie zwischen Effizienz und Arbeitszufriedenheit

Die Bahn begrĂŒndet den Schritt zusĂ€tzlich mit einer besseren Auslastung der BĂŒroflĂ€chen und der Möglichkeit, dauerhaft nicht benötigte FlĂ€chen abzubauen. Das passt zu einem breiteren Kostendruck im Konzern, der seit lĂ€ngerem an Effizienzsteigerungen und Sparmaßnahmen arbeitet. Arbeitnehmervertreter sehen darin hingegen die Gefahr, dass ArbeitsplĂ€tze bewusst unattraktiver gemacht werden, wenn ohnehin Stellen abgebaut werden sollen. FĂŒr BeschĂ€ftigte in verwaltungsnahen Bereichen entsteht damit eine Konfliktlinie zwischen betriebswirtschaftlichen Motiven und dem Wunsch nach planbarer FlexibilitĂ€t im Arbeitsalltag.

Signalwirkung fĂŒr andere Unternehmen

Die Entscheidung der Deutschen Bahn könnte auch eine Signalwirkung fĂŒr andere große Arbeitgeber haben, die ihre Homeoffice-Regeln derzeit ĂŒberprĂŒfen. Ob sich ein breiter Trend zu mehr BĂŒroprĂ€senz durchsetzt oder flexible Modelle dauerhaft Standard bleiben, hĂ€ngt maßgeblich davon ab, wie Belegschaften und BetriebsrĂ€te auf solche Schritte reagieren und welche Auswirkungen sie auf Fluktuation, ProduktivitĂ€t und Zufriedenheit haben.

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