Deutsche ImmobilienmÀrkte: Preise stabil, Stimmung am Boden
15.05.2026 - 21:08:44 | boerse-global.deWĂ€hrend die Angebotspreise in Metropolen wie Berlin-Mitte auf hohem Niveau verharren und in FlĂ€chenlĂ€ndern wie ThĂŒringen sogar zulegen, bricht die Stimmung in der Bauwirtschaft massiv ein.
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Aktuelle Daten der LBS NordWest und von Engel & Völkers belegen eine Stabilisierung der Kaufpreise im ersten Quartal 2026. Das Ifo-GeschĂ€ftsklima fĂŒr den Wohnungsbau markiert zeitgleich einen historischen Tiefstand. Steigende Finanzierungskosten und geopolitische Spannungen verschĂ€rfen diese Kluft zwischen Marktwerten und Branchenstimmung.
Berlin: Stabile Lagen, punktuelle Korrekturen
In der Hauptstadt bleibt das Preisniveau fĂŒr Wohneigentum stabil, zeigt aber je nach Bezirk Unterschiede. Der mittlere Angebotspreis fĂŒr gebrauchte Eigentumswohnungen liegt bei 5.512 Euro pro Quadratmeter â ein Plus von einem Prozent zum Vorjahr. Berlin-Mitte bleibt mit durchschnittlich 6.538 Euro die teuerste Lage.
Engel & Völkers beziffert den Median-Kaufpreis fĂŒr Wohnungen in Berlin-Mitte auf 6.373 Euro pro Quadratmeter â ein leichter RĂŒckgang gegenĂŒber 6.419 Euro im Vorjahr. Bei HĂ€usern zeigt sich eine gegenlĂ€ufige Tendenz: Hier stieg der Medianpreis von 4.333 auf 4.757 Euro. Im Stadtteil Mitte kletterten die Preise sogar auf 8.148 Euro pro Quadratmeter.
Am unteren Ende rangieren Spandau mit 3.945 Euro und Marzahn-Hellersdorf mit 4.047 Euro. In Charlottenburg-Wilmersdorf sanken die Preise um ein Prozent, in Lichtenberg um drei Prozent. Trotz dieser Korrekturen bleibt das GesamtgefĂŒge angespannt.
ThĂŒringen: Deutliches Wachstum bei Eigentumswohnungen
Ein bemerkenswerter Kontrast zeigt sich in ThĂŒringen. Das absolute Preisniveau liegt deutlich niedriger, die Dynamik ist aber ausgeprĂ€gter. Eigentumswohnungen kosten durchschnittlich 2.472 Euro pro Quadratmeter â ein signifikanter Anstieg gegenĂŒber 2.275 Euro im Vorjahr.
Bei HĂ€usern fĂ€llt der Zuwachs moderater aus: von 1.898 auf 1.915 Euro pro Quadratmeter. Die Nachfrage nach urbanem Wohnraum in thĂŒringischen Zentren ist ungebrochen, wĂ€hrend lĂ€ndliche EinfamilienhĂ€user eine seitwĂ€rts gerichtete Tendenz zeigen.
Zum Vergleich: In Gauting bei MĂŒnchen werden fĂŒr HĂ€user durchschnittlich 9.333 Euro pro Quadratmeter erzielt, Eigentumswohnungen liegen bei rund 6.300 Euro. Die Spreizung zwischen Metropolen, FlĂ€chenlĂ€ndern und SpeckgĂŒrteln bleibt enorm.
Ifo-GeschÀftsklima: Historischer Tiefstand
WĂ€hrend die Preise stabil bleiben, schlĂ€gt der Bauwirtschaft eine eisige Brise entgegen. Das Ifo-GeschĂ€ftsklima fĂŒr den Wohnungsbau brach im April auf -28,4 Punkte ein â der stĂ€rkste RĂŒckgang seit April 2022.
43,8 Prozent der befragten Unternehmen klagen ĂŒber fehlende AuftrĂ€ge, die Stornierungsquote liegt bei 10,8 Prozent. Infolge des Iran-Krieges melden 9,2 Prozent der Firmen akute MaterialengpĂ€sse. Die Unsicherheit ĂŒber Energie- und Rohstoffpreise fĂŒhrt dazu, dass viele Projekte auf Eis liegen.
Dennoch gibt es regionale Lichtblicke. In Cottbus realisiert Wayss & Freytag fĂŒr die Deutsche Bahn das gröĂte Instandhaltungswerk des Konzerns mit einem Zielpreis von rund einer Milliarde Euro. In Stuttgart investiert Nexspace ĂŒber 30 Millionen Euro in ein Edge-Rechenzentrum. Covestro plant in Dormagen einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag fĂŒr einen neuen Dampfkompressor.
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Reformen im Schatten des Wohnungsmangels
Die Politik versucht der Krise mit regulatorischen MaĂnahmen zu begegnen. Mitte Mai stimmte der Bundesrat einer Reform des Vergaberechts zu. Ausnahmen vom Losgrundsatz sind fĂŒr Infrastrukturprojekte ĂŒber 11 Millionen Euro vorgesehen, die aus dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen finanziert werden.
Die Anhebung der Grenze fĂŒr Direktvergaben auf 50.000 Euro tritt zum 1. Juli in Kraft. Das Handwerk begrĂŒĂt die Neuerung, VerbĂ€nde wie der ZIA und der GdW kritisieren sie. Sie bemĂ€ngeln, dass die neuen Regeln den seriellen Wohnungsbau eher behindern als fördern.
Ăkonomen wie Matthias GĂŒnther kritisieren, dass die aktuellen Impulse nicht ausreichen. Der âBau-Turboâ werde erst in drei bis vier Jahren sichtbare Ergebnisse liefern. In Köln wurden 2024 lediglich 1.819 Wohnungen fertiggestellt â bei einem geschĂ€tzten Bedarf von jĂ€hrlich 6.000 Einheiten.
Ausblick: Preise steigen, Neubau stockt
Die Dr. Klein Privatkunden AG prognostiziert fĂŒr 2026 bundesweite Preissteigerungen von rund drei Prozent, in Metropolen sogar vier bis fĂŒnf Prozent. Die Bauzinsen dĂŒrften sich zwischen 3,1 und 3,7 Prozent einpendeln.
Angesichts des geringen Neubauangebots und stabiler Nachfrage ist eine Entspannung bei Kaufpreisen in gefragten Lagen nicht in Sicht. Energetisch effiziente GebÀude erzielen zunehmend PreisaufschlÀge. In Wiesbaden und Fulda werden Neubauprojekte mit modernen WÀrmepumpen und hohen KfW-Standards bereits weit vor Fertigstellung vermarktet.
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