Auftragsplus, MĂ€rz

Deutsche Industrie erholt sich: Auftragsplus von fĂŒnf Prozent im MĂ€rz

07.05.2026 - 13:57:40 | boerse-global.de

Die IndustrieauftrĂ€ge steigen im MĂ€rz ĂŒberraschend stark. Trotz Erholung bleibt das erste Quartal hinter den Erwartungen zurĂŒck.

Deutsche Industrie erholt sich: Auftragsplus von fĂŒnf Prozent im MĂ€rz - Bild: ĂŒber boerse-global.de
Deutsche Industrie erholt sich: Auftragsplus von fĂŒnf Prozent im MĂ€rz - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Die deutsche Industrie meldet fĂŒr MĂ€rz 2026 einen ĂŒberraschend starken Auftragszuwachs von 5,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Damit erreicht das Auftragsvolumen – bereinigt um GroßauftrĂ€ge – den höchsten Stand seit Februar 2023. Die positive Entwicklung kommt zur rechten Zeit, denn die Konjunkturprognosen fĂŒr das laufende Jahr wurden zuletzt halbiert. Und wĂ€hrend die Industrie aufatmet, stehen Unternehmen vor tiefgreifenden Neuerungen bei Steuerrecht und Digitalisierung.

Anzeige

Angesichts der komplexen steuerlichen Neuerungen und steigender PrĂŒfungsrisiken ist eine fehlerfreie BuchfĂŒhrung fĂŒr SelbststĂ€ndige wichtiger denn je. Dieser kostenlose Experten-Report zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) rechtssicher ausfĂŒllen und dabei sogar legal Steuern sparen. EÜR-Ratgeber jetzt kostenlos herunterladen

Elektroindustrie und Maschinenbau als Wachstumstreiber

Besonders dynamisch entwickelte sich die Elektroindustrie mit einem satten Plus von 21,5 Prozent. Auch der Maschinenbau legte um 6,9 Prozent zu, und die Hersteller von DatenverarbeitungsgerÀten verbuchten ein Auftragsplus von 14,4 Prozent. Die Nachfrage kommt vor allem aus dem Inland und der Eurozone: Die AuslandsauftrÀge stiegen insgesamt um 5,6 Prozent, aus dem Euroraum sogar um 10,1 Prozent.

Doch der positive MĂ€rz kann nicht ĂŒber die SchwĂ€che zum Jahresbeginn hinwegtĂ€uschen. Im ersten Quartal 2026 lagen die Bestellungen insgesamt 4,1 Prozent unter dem Niveau des Schlussquartals 2025. Die Industrie befindet sich weiterhin in der Erholungsphase.

Die WiderstandsfĂ€higkeit der deutschen Wirtschaft zeigt sich auch in den GeschĂ€ftszahlen großer Konzerne. Die Lufthansa Group steigerte ihren Umsatz im ersten Quartal um acht Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Zwar schreibt der Konzern noch rote Zahlen, doch das operative Ergebnis verbesserte sich deutlich. Die staatliche KfW verzeichnete einen Anstieg der Neuzusagen um 36 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro – die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen legte dabei um 44 Prozent zu.

Neue Regeln fĂŒr Steuer und Buchhaltung

Parallel zur konjunkturellen Erholung mĂŒssen sich Unternehmen auf weitreichende Änderungen im Steuerrecht einstellen. Bereits Ende Januar veröffentlichte das Bundesfinanzministerium ein neues Schreiben zur Abgrenzung von Erhaltungsaufwand und Herstellungskosten. Die Regelung verschĂ€rft die Kriterien fĂŒr „Betriebsbereitschaft" und „FunktionsfĂ€higkeit" und prĂ€zisiert die 15-Prozent-Grenze fĂŒr anschaffungsnahe Herstellungskosten innerhalb von drei Jahren. FĂŒr Unternehmen bedeutet das mehr KomplexitĂ€t und höhere PrĂŒfungsrisiken.

Ein wegweisendes Urteil des Bundesgerichtshofs vom Dezember 2025 verĂ€ndert zudem die Praxis bei Umsatzsteuer-Selbstanzeigen grundlegend. Demnach ist jede unrichtige oder fehlende Umsatzsteuer-Voranmeldung – ob monatlich oder vierteljĂ€hrlich – als eigenstĂ€ndige Tat zu werten. Eine strafbefreiende Selbstanzeige erfordert kĂŒnftig die vollstĂ€ndige Korrektur des jeweiligen Voranmeldungszeitraums. Teilkorrekturen reichen nicht mehr aus.

E-Rechnung wird Pflicht – ViDA-Initiative nimmt Fahrt auf

Das EuropĂ€ische Komitee fĂŒr Normung hat den neuen Standard EN 16931-1:2026 fĂŒr elektronische Rechnungen verabschiedet. Das Datenmodell unterstĂŒtzt Sammelrechnungen und Teillieferungen und ist Teil der europĂ€ischen „VAT in the Digital Age"-Initiative. Zwar beginnt die Pflicht zur Ausstellung von E-Rechnungen fĂŒr viele Unternehmen erst am 1. Januar 2027, doch der Empfang digitaler Rechnungen ist fĂŒr Inlandsunternehmen bereits seit Anfang 2025 verpflichtend.

Steuereinnahmen knacken erstmals die Billionen-Marke

Am heutigen Donnerstag veröffentlichte das Bundesfinanzministerium seine umfassende „Steuerpolitische Datensammlung 2026". Trotz der auf 0,5 Prozent halbierten Wachstumsprognose fĂŒr 2026 sollen die Steuereinnahmen in diesem Jahr erstmals die Milliarden-Marke von einer Billion Euro ĂŒberschreiten. Zum Vergleich: 2024 lagen die Einnahmen bei rund 950 Milliarden Euro.

Die Daten offenbaren eine hohe Konzentration der Steuerlast: Die oberen zehn Prozent der Steuerzahler tragen 57 Prozent des gesamten Lohn- und Einkommensteueraufkommens und 97 Prozent des SolidaritÀtszuschlags.

„MeinElster+": SteuererklĂ€rung per Klick

Die Digitalisierung der Steuerverwaltung schreitet voran. Am 1. Juli 2026 startet die App „MeinElster+" , die eine vorausgefĂŒllte SteuererklĂ€rung per „One-Click" ermöglicht. ZunĂ€chst ist die Nutzung auf kinderlose Alleinstehende und Rentner ohne ZusatzeinkĂŒnfte beschrĂ€nkt. Die App ĂŒbernimmt automatisch Daten von Arbeitgebern und Rentenkassen – doch Experten warnen: Individuelle AbzĂŒge wie Werbungskosten oder Sonderausgaben könnten unberĂŒcksichtigt bleiben, was im Zweifel zu höheren Steuerzahlungen fĂŒhrt.

Anzeige

Die Digitalisierung der Steuerverwaltung durch Portale wie MeinElster bietet große Chancen, Zeit und Kosten zu sparen, erfordert jedoch ein tiefes VerstĂ€ndnis der Funktionen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Steuerfragen schneller erledigen und AntrĂ€ge oder EinsprĂŒche rechtssicher selbst managen. MeinElster E-Book jetzt gratis sichern

Weitere Neuerungen: Seit Januar werden Behindertenmerkmale elektronisch von den VersorgungsĂ€mtern an die FinanzĂ€mter ĂŒbermittelt. Und zum 1. Januar 2027 sollen Steuerbescheide standardmĂ€ĂŸig digital im ELSTER-Postfach zugestellt werden.

Steuerpolitische Debatte: Entlastung oder höhere Spitzensteuer?

Die wirtschaftliche Erholung wird von einer angespannten Haushaltslage ĂŒberschattet. Interne SchĂ€tzungen gehen von LĂŒcken von 20 Milliarden Euro im Jahr 2027 und bis zu 60 Milliarden Euro im Jahr 2030 aus. Die politische Debatte ĂŒber Steuerreformen hat sich daher verschĂ€rft.

Bundeskanzler Merz lehnte Anfang Mai eine Erhöhung der Einkommensteuer fĂŒr Spitzenverdiener ab – das Zusammenwirken von Spitzensteuersatz, SolidaritĂ€tszuschlag und Kirchensteuer liege bereits bei fast 50 Prozent. In den Unionsparteien wird dagegen ĂŒber ein Modell diskutiert, das die Grenze fĂŒr den Spitzensteuersatz von 68.000 auf 85.000 Euro anhebt, gleichzeitig aber den Steuersatz fĂŒr Einkommen ĂŒber 210.000 Euro auf 47,5 Prozent erhöht.

Gerichtsurteil zu verdeckten GewinnausschĂŒttungen

Das Finanzgericht MĂŒnster entschied Mitte Februar in einem Grundsatzurteil zu grenzĂŒberschreitenden verdeckten GewinnausschĂŒttungen. Demnach steht eine Steuerbefreiung nach dem Körperschaftsteuergesetz nicht zwangslĂ€ufig außer Kraft, wenn die AusschĂŒttung im Ausland aufgrund lokaler Steuerbefreiungen nicht zu einer Einkommensminderung gefĂŒhrt hat. Das Gericht betont eine materiell-wirtschaftliche statt einer formalen Betrachtungsweise.

Ausblick: Weniger BĂŒrokratie, mehr Innovation?

Die kommenden Monate werden fĂŒr Unternehmen von der Vorbereitung auf neue Schwellenwerte geprĂ€gt sein. Das Bundesfinanzministerium hat angekĂŒndigt, die Umsatz- und Gewinngrenzen fĂŒr Großbetriebe zum 1. Januar 2027 anzuheben. Im Kfz-Handel etwa steigt die Umsatzschwelle von 14,0 auf 14,7 Millionen Euro.

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens hat zudem GesetzesentwĂŒrfe zum BĂŒrokratieabbau verabschiedet. Demnach sollen zahlreiche Berichts- und Dokumentationspflichten zum 1. Januar 2027 ersatzlos auslaufen, sofern sie nicht ausdrĂŒcklich bestĂ€tigt werden. Diese „Beweislastumkehr" könnte Verwaltungsaufwand spĂŒrbar reduzieren.

Und der Bundestag hat am 6. Mai ein Reallabore-Gesetz verabschiedet. Es erlaubt Experimentierklauseln in Branchen von der Gesundheitswirtschaft bis zur Luftfahrt – neue Technologien und GeschĂ€ftsmodelle können unter erleichterten Auflagen getestet werden. Ein Signal fĂŒr mehr Innovationsfreude in Deutschland.

de | wirtschaft | 69288454 |