Scaler, Firmen

Deutsche Scaler: Nur 10,5% wachstumsstarke Firmen vs. EU-Schnitt 15%

28.05.2026 - 23:23:24 | boerse-global.de

Nur 10,5% der deutschen Unternehmen zählen zu den Scalern, weit unter dem EU-Durchschnitt von 15%. Konjunkturprognosen wurden gesenkt.

Deutsche Scaler: Nur 10,5% wachstumsstarke Firmen vs. EU-Schnitt 15% - Foto: über boerse-global.de
Deutsche Scaler: Nur 10,5% wachstumsstarke Firmen vs. EU-Schnitt 15% - Foto: über boerse-global.de

Nur 10,5 Prozent der deutschen Firmen zählen zu den sogenannten „Scalern" – Unternehmen mit rasantem Expansionstempo. Das liegt deutlich unter dem EU-Schnitt von 15 Prozent, wie aktuelle Daten des European Scaleup Monitor zeigen.

Die am 22. und 23. Mai auf einer Konferenz präsentierten Ergebnisse der WHU – Otto Beisheim School of Management belegen ein anhaltendes Strukturproblem. Zwischen 2020 und 2024 lag Deutschland durchgehend unter dem EU-Durchschnitt. Zum Vergleich: Irland führt die Rangliste mit 23,1 Prozent an, gefolgt von Spanien (20,7 Prozent) und Italien (17,7 Prozent). Für die WHU-Analysten ist die Lage eindeutig: Die deutsche Wirtschaft leidet unter einem strukturellen Wachstumsdefizit.

Anzeige

Warum scheitern so viele junge Unternehmen in Deutschland an der Skalierung – und wie machen Sie es besser? Diese kostenlosen Vorlagen zeigen Ihnen die häufigsten Fehler bei der Konzepterstellung und wie Sie Investoren erfolgreich überzeugen. Kostenlose Businessplan-Vorlage jetzt herunterladen

Konjunkturprognosen eingetrübt

Die schwache Entwicklung bei den Wachstumsunternehmen fällt mit einer Reihe von Konjunkturkorrekturen zusammen. Der Sachverständigenrat senkte in seinem am 27. Mai veröffentlichten Frühjahrsgutachten die BIP-Prognose für 2026 auf 0,5 Prozent – im Herbst lag die Schätzung noch bei 0,9 Prozent. Für 2027 erwarten die Experten ein Plus von 0,8 Prozent.

Auch andere Institutionen zeigen sich zurückhaltend. Die KfW senkte ihre Wachstumsprognose für 2026 ebenfalls am 27. Mai auf 0,7 Prozent. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) korrigierte seine Erwartungen sogar auf 0,3 Prozent nach unten. Als Hauptrisiken nennen die Organisationen hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie geopolitische Spannungen, die die globalen Handelswege belasten.

Unis lassen Potenzial liegen

Eine gemeinsame Studie von AlpMomentum, Redstone, der Technischen Universität München und der Universität Trier zeigt verpasste Chancen im akademischen Bereich. Demnach bringen deutsche Hochschulen nur 9,7 Startups pro 100 Millionen Euro Budget hervor – das bedeutet Platz im unteren Mittelfeld von 36 untersuchten Nationen.

Könnte Deutschland das Niveau der besten zehn Prozent erreichen, wären in den nächsten zehn Jahren zusätzlich 445.000 Unternehmensgründungen und 13 Millionen Arbeitsplätze möglich, so die Studienautoren. Das größte Hindernis: fehlendes Wachstumskapital. Besonders in der Biotechnologie führt das dazu, dass Gründer ihre Firmen in die USA verlagern.

Anzeige

Um in einem schwierigen Umfeld zu bestehen, müssen Gründer staatliche Zuschüsse und Fördermittel konsequent nutzen. Sichern Sie sich diesen gratis Muster-Aufbau inklusive Förderungs-Schnellcheck, um keine finanziellen Mittel für Ihr Wachstum zu verschenken. Jetzt kostenlose Vorlage für Gründer sichern

Bürokratie und Risikoscheu bremsen Gründer

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt einen dramatischen Rückgang. Eine Analyse der Bundeszentrale für politische Bildung vom März 2026 belegt: Die Gründungsrate hat sich in den letzten 30 Jahren halbiert. Die Ursachen sind vielfältig:

  • Demografischer Wandel: Eine alternde Gesellschaft verkleinert den Pool potenzieller Gründer.
  • Bürokratie: Komplexe Verwaltungsprozesse erschweren Neugründungen.
  • Risikoaversion: Kulturelle Vorbehalte gegenüber dem Scheitern von Unternehmensgründungen.
  • Kapitalmangel: Begrenzter Zugang zu Finanzmitteln für das Wachstum.

Die Bundesregierung plant dagegen eine Modernisierungsoffensive. Ab 2026 soll ein digitaler Anlaufpunkt und ein einheitliches Gründungsportal schrittweise eingeführt werden. Die vollständige Umsetzung ist bis Ende 2027 vorgesehen.

Arbeitsmarkt und Sozialsysteme unter Druck

Die wirtschaftliche Stagnation hinterlässt auch auf dem Arbeitsmarkt ihre Spuren. Im ersten Quartal 2026 waren 127.300 Industriearbeitsplätze weniger besetzt als im Vorjahreszeitraum. Der Sachverständigenrat warnt zudem vor explodierenden Sozialabgaben: Ohne grundlegende Reformen könnten sie von 42,3 Prozent im Jahr 2026 auf fast 50 Prozent im Jahr 2040 steigen.

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) fordert daher eine grundlegende politische Kurskorrektur. Nötig seien sinkende Energie- und Arbeitskosten, weniger Bürokratie und eine stärkere Ausrichtung auf Hochtechnologie und Gesundheitswirtschaft. Sonst drohe Deutschland den Anschluss an die globale Wirtschaftsspitze zu verlieren.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69436545 |