Zollstreit, Firmen

Wie der Zollstreit deutsche Firmen in China belastet

07.05.2025 - 09:54:18

Deutsche Unternehmen in China blicken wegen des Handelskonflikts zwischen Peking und Washington zunehmend pessimistischer in die Zukunft.

Eine Umfrage der deutschen Handelskammer (AHK) in China ergab, dass 56 Prozent der befragten Mitgliedsfirmen eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage im kommenden halben Jahr erwarten. Ein Jahr zuvor sagten das noch 16 Prozent und damit deutlich weniger.

"Insgesamt schadet es allen", sagte Oliver Oehms, geschĂ€ftsfĂŒhrendes Vorstandsmitglied der AHK in Nordchina, mit Blick auf die Zölle. Die Mitglieder sagten klar, dass die Wirtschaft in China voraussichtlich Schaden nehmen werde. "Wenn nicht direkt, werden unsere Mitgliedsunternehmen von der sich eintrĂŒbenden oder verschlechternden Wirtschaftslage in China betroffen sein.", erklĂ€rte Oehms.

Die Lage im Zollkrieg

Seit der Eskalation im Zollstreit Anfang April liegt der Handel zwischen den USA und China quasi brach. Donald Trump verhÀngte auf Waren aus China AufschlÀge in Höhe von 145 Prozent. Peking wehrte sich mit 125 Prozent Zölle auf Importe aus den USA. Am kommenden Wochenende wollen US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vize-MinisterprÀsident He Lifeng in der Schweiz zu den Zöllen sprechen.

Ersten Daten zufolge spĂŒren beide LĂ€nder bereits die Auswirkungen des Zollstreits. In China sank der Einkaufsmanagerindex, was auf trĂŒbe GeschĂ€ftsaussichten von Firmen etwa im produzierenden Gewerbe oder dem Bereich Dienstleistungen hindeutet.

Wie deutsche Firmen die Zölle spĂŒren

Der AHK-Umfrage von Mitte April zufolge, an der sich 143 Mitgliedsfirmen ĂŒberwiegend aus den Branchen Maschinenbau und Automotive beteiligten, haben Zölle neben anderen HandelszwĂ€ngen wie ExportbeschrĂ€nkungen die deutlichsten Auswirkungen auf die Firmen.

Bemerkbar macht sich das auch bei den GeschÀftsaussichten. Nur etwas mehr als ein Viertel erwartet bis Ende des Jahres einen Umsatzanstieg. Zudem rechnen nur noch 18 Prozent mit Gewinn.

So steuern die Unternehmen gegen

38 Prozent deutscher Firmen in China versuchen, mit einer schnelleren Lokalisierung vor Ort die Auswirkungen abzufedern. Der Trend kursiert seit lĂ€ngerem. Die Firmen erhoffen sich dadurch mehr WettbewerbsfĂ€higkeit in China oder wollen damit ihr Risiko mindern, chinesischen Vorgaben nicht zu entsprechen oder abhĂ€ngig von internationalen Lieferketten zu sein. Ein Viertel erklĂ€rte, alternativ neben den USA andere MĂ€rkte fĂŒr ihre Beschaffung in den Blick zu nehmen.

Was die Firmen von Berlin erwarten

Hilfe erhoffen sich deutsche Firmen zudem aus Berlin. Im Wahlkampf war Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gegenĂŒber China kritisch aufgetreten. Rund zwei Drittel und damit die meisten befragten Unternehmen forderten von der Bundesregierung in der AHK-Umfrage, eine aktivere Zusammenarbeit mit China. Die AHK hoffe, dass die neue Bundesregierung China als Partner und nicht nur als systemischen Rivalen sehen werde, sagte Oehms.

Zudem hielt rund die HĂ€lfte eine Verbesserung des China-Bildes in Deutschland fĂŒr wichtig, um ihrem GeschĂ€ft in China zu helfen. VorwĂŒrfen von Menschenrechtsverletzungen, aber auch unfairen Wettbewerbsbedingungen fĂŒr auslĂ€ndische Firmen in China hatten das Image der Volksrepublik in den vergangenen Jahren leiden lassen.

@ dpa.de