Deutschland, International

Deutsche Exporte steigen - aber neue Zolldrohungen von Trump

08.05.2026 - 11:11:38 | dpa.de

Deutsche Wirtschaft zwischen Hoffen und Bangen: Zwar wachsen die Exporte im MĂ€rz ĂŒberraschend, doch die Industrieproduktion schrumpft - auch wegen des Iran-Kriegs. Und Trump sorgt fĂŒr neuen Ärger.

  • Die deutschen Exporteure stehen unter Druck - gerade auf dem US-Markt. (Archivbild) - Foto: Daniel Reinhardt/dpa
    Die deutschen Exporteure stehen unter Druck - gerade auf dem US-Markt. (Archivbild) - Foto: Daniel Reinhardt/dpa
  • Die Industrieproduktion in Deutschland schrumpft - Foto: Jens BĂŒttner/dpa
    Die Industrieproduktion in Deutschland schrumpft - Foto: Jens BĂŒttner/dpa
  • Mit neuen Zolldrohungen von Trump wĂ€chst die Sorge um den transatlantischen Handel - Foto: Matt Slocum/AP/dpa
    Mit neuen Zolldrohungen von Trump wÀchst die Sorge um den transatlantischen Handel - Foto: Matt Slocum/AP/dpa
Die deutschen Exporteure stehen unter Druck - gerade auf dem US-Markt. (Archivbild) - Foto: Daniel Reinhardt/dpa Die Industrieproduktion in Deutschland schrumpft - Foto: Jens BĂŒttner/dpa Mit neuen Zolldrohungen von Trump wĂ€chst die Sorge um den transatlantischen Handel - Foto: Matt Slocum/AP/dpa

Lichtblick fĂŒr Deutschlands Exporteure inmitten neuer Zolldrohungen aus den USA: Im MĂ€rz wuchsen die Ausfuhren «Made in Germany» in alle Welt ĂŒberraschend - trotz des Nahostkriegs. Von Aufatmen kann aber keine Rede sein. Mit einem Ultimatum von US-PrĂ€sident Donald Trump an die EU droht der Handelsstreit zwischen Europa und den USA wieder aufzuflammen. Zudem sank die Produktion der deutschen Industrie unerwartet, sie leidet unter dem Iran-Konflikt.

Im MÀrz legten die Exporte um 0,5 Prozent zum Februar auf 135,8 Milliarden Euro zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Zum Vorjahresmonat stand ein Plus von 1,9 Prozent. Analysten hatten nach einem starken Februar mit einem Minus gerechnet. Zugleich schrumpfte aber die Produktion im verarbeitenden Gewerbe um 0,7 Prozent - vor allem im Maschinenbau und der Energieerzeugung, wÀhrend Bau und Autobranche zulegten. 

«Die Aussichten auf eine moderate Erholung der Industrie trĂŒben sich angesichts des Nahostkonflikts und der von US-PrĂ€sident Donald Trump angedrohten Zölle zunehmend ein», schrieb Nils Jannsen, Leiter Konjunktur Deutschland am Kiel Institut fĂŒr Weltwirtschaft (IfW). 

Teure Energie mit Iran-Krieg dÀmpft die Stimmung

«Die Industrie befindet sich nach einem Zwischenhoch wieder auf dem absteigenden Ast», meinte der Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-WĂŒrttemberg. Offenkundig habe der Anstieg der Energiepreise wegen des Iran-Kriegs fĂŒr einen DĂ€mpfer gesorgt. «FĂŒr eine Stimmungsverbesserung braucht es zuallererst eine Öffnung der Straße von Hormus.»

Ein Ende des Kriegs und der Lieferkettenprobleme durch die Sperrung der Meerenge sei aber nicht in Sicht, meint DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. «Das leichte Exportplus reicht nicht fĂŒr eine Entwarnung. Die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs im Nahen Osten sind noch nichtÂ ĂŒberall absehbar, das konjunkturell dickere Ende kommt noch nach.»

GeschÀft mit USA unter Druck - und Trump droht weiter

Im MĂ€rz blieben die USA wichtigster Auslandsmarkt fĂŒr deutsche Exporteure, Ausfuhren im Wert von 11,2 Milliarden Euro bedeuteten allerdings einen RĂŒckgang um 7,9 Prozent um Vormonat. Verglichen mit MĂ€rz 2025 schrumpften die Exporte sogar um gut ein FĂŒnftel (21,4 Prozent). «Die Zollpolitik des US-PrĂ€sidenten Donald Trump hinterlĂ€sst demnach deutliche Bremsspuren», sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.

Und Trump treibt seinen aggressiven Kurs unbeirrt voran, auch wenn ein US-Gericht von ihm verhĂ€ngte temporĂ€re Importzölle von zehn Prozent fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rte. Er setzt der EU eine Frist: Sollte sie nicht bis zum Geburtstag der USA am 4. Juli ihren Teil des transatlantischen Handelsabkommens erfĂŒllen, wĂŒrden die Zölle «leider sofort auf ein viel höheres Niveau steigen», drohte er auf seiner Plattform Truth Social.

Im Sommer 2025 hatten sich die EU und die USA auf eine Zollobergrenze von 15 Prozent auf die meisten EU-Warenimporte in die USA geeinigt. Im Gegenzug verpflichtete sich die EU, Zölle auf US-IndustriegĂŒter zu streichen und den Marktzugang fĂŒr US-Agrarprodukte zu erleichtern. Unter anderem Zolldrohungen von Trump im Grönland-Konflikt bremsten aber die Umsetzung des Deals.

Auch aus China kommt kein RĂŒckenwind fĂŒr die deutschen Exporteure: Die Ausfuhren dorthin sanken im MĂ€rz um 1,8 Prozent gegenĂŒber Februar. Dagegen wuchs das GeschĂ€ft der deutschen Exporteure mit der EU um 3,4 Prozent auf 78,4 Milliarden Euro und erwies sich erneut als StĂŒtze.

Wachstumsprognosen gekappt

Die Exporteure, einst eine SĂ€ule der deutschen Wirtschaft, stehen mit Trumps Zollpolitik und Konkurrenz aus China schon lĂ€nger unter Druck. Zuletzt hatte der Iran-Krieg fĂŒr Unsicherheit gesorgt und die Hoffnung auf einen spĂŒrbaren Aufschwung zunichtegemacht. Die gestiegenen Ölpreise belasten Verbraucher an den Tankstellen, dĂ€mpfen den Konsum und verteuern den Transport von Waren - das trifft die Exportnation Deutschland besonders. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose fĂŒr dieses Jahr auf 0,5 Prozentpunkte halbiert.

Iran-Krieg belastet Unternehmen

Den deutschen Exporten von knapp 136 Milliarden Euro im MĂ€rz standen krĂ€ftig wachsende Importe von gut 121 Milliarden Euro gegenĂŒber. Unterm Strich stand ein AußenhandelsĂŒberschuss von 14,3 Milliarden Euro, deutlich weniger als im Februar (19,6 Mrd Euro) - aus Sicht des Handelsverbands BGA ein Warnsignal. Unternehmen spĂŒrten zunehmend die Folgen des Iran-Kriegs in Form steigender Speditionspreise und teurerer Vorprodukte, schrieb PrĂ€sident Dirk Jandura.

Noch 2025 hatten die deutschen Exporte erstmals seit zwei Jahren wieder zugelegt - trotz des Zollstreits mit Trump. FĂŒr 2026 rechnet die Deutsche Industrie- und Handelskammer wegen des Iran-Kriegs mit einer Stagnation der Exporte statt einem Plus von 1,0 Prozent, wie zuvor erwartet.

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