Sachsens, MinisterprÀsident

Sachsens MinisterprÀsident: Neue Bundesregierung muss Wachstumsbremse lösen

02.01.2025 - 10:02:01

Deutschland kann nach Ansicht von Sachsens MinisterprÀsident Michael Kretschmer (CDU) nur mit einer fundamental anderen Wirtschaftspolitik aus der Krise herausfinden.

"Es gibt in Deutschland dramatische Defizite in den Haushalten. Und ĂŒberall herrscht die gleiche Situation, Einsparungen vornehmen und PrioritĂ€ten setzen zu mĂŒssen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Kretschmer hĂ€lt bisherige Wirtschaftspolitik fĂŒr verfehlt

"Der Grund ist eine absolut verfehlte Wirtschaftspolitik", betonte Kretschmer. Dazu gehöre die Verteuerung der Energie, BĂŒrokratie und Technologiefeindlichkeit. "Wenn wir die Chance haben, mit einer neuen Regierung die Wachstumsbremse zu lösen, dann haben wir eine Chance, dass sich das Blatt wendet. Es geht darum, zwei oder drei Jahre zu ĂŒberbrĂŒcken."

Er sei froh, dass Friedrich Merz als Kanzlerkandidat der Union die Wirtschaftspolitik ins Zentrum seines Wahlkampfes stelle und mit Partnern aus anderen europĂ€ischen LĂ€ndern fĂŒr eine andere Politik eintrete. Kretschmer erinnerte an ein Übermaß an Dokumentationspflichten in der EU. "Es ist eine völlig ĂŒberzogene Regelungsdichte entstanden. Das muss aufhören, ansonsten werden wir gegenĂŒber China und den USA nicht wettbewerbsfĂ€hig sein."

"Man muss nur die ideologischen Scheuklappen ablegen."

Die Sorgen betrĂ€fen nicht nur die Automobilindustrie, sondern auch Branchen wie Chemie, Stahl und Bau. "Man muss nur die ideologischen Scheuklappen ablegen und Bauen nach bisherigen Standards wieder ermöglichen. Dann kommen wir auch aus der Falle heraus, dass Wohnen immer teurer wird. Wir gehen den völlig verkehrten Weg. Wir managen die Mangelsituation etwa durch die Mietpreisbremse, anstatt den kostengĂŒnstigen Bau neuer Wohnungen zu ermöglichen."

Kretschmer sprach sich auch dafĂŒr aus, die Atomenergie nicht gĂ€nzlich abzuschreiben. "Fast alle Nachbarn Deutschlands setzen auf Atomenergie - zumindest in Teilen ihrer Energieversorgung. Es spricht viel dafĂŒr, dass die nicht alle falsch liegen können." Diese LĂ€nder hĂ€tten einen Wettbewerbsvorteil - kostengĂŒnstigen Atomstrom als Grundlast. Ökologie und Ökonomie seien gleichberechtigt zu behandeln.

Kretschmer fordert Neuausrichtung der Energiewende

Nach den Worten von Kretschmer muss die Energiewende neu aufgesetzt und von einer Expertenkommission begleitet werden. "Ein Land, das sich selbst wirtschaftlich schwĂ€cht, wird nicht in der Lage sein, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Es kann auch kein Vorbild fĂŒr andere sein, denen die Energiewende noch bevorsteht."

"Die Politik hat die Aufgabe, Vertrauen zu geben. Vertrauen entsteht nur durch verlĂ€ssliches Handeln ĂŒber eine lange Zeit. Nicht dauernd rein in die Kartoffeln und wieder raus aus den Kartoffeln", erklĂ€rte Kretschmer. Deutschland habe es leider versĂ€umt, ausreichend in die Infrastruktur zu investieren. "Die große StĂ€rke Deutschlands, eine verlĂ€ssliche Infrastruktur zu haben, gibt es so nicht mehr."

Deutschland muss durch Abbau von Vorschriften Tempo aufnehmen

Deswegen mĂŒsse man nun schnell handeln und durch Abbau von Vorschriften Tempo aufnehmen. "Gebaut ist jedes Mal schnell. Es hĂ€ngt aber an den Genehmigungsvorschriften. Eine bestehende BrĂŒcke zu ersetzen, braucht weder eine neue Planfeststellung noch eine neue Umweltbewertung. Sie ließe sich in 12 Monaten wiedererrichten. "Wenn wir es wollen, schaffen wir es. Das Baurecht darf kein Verhinderungsrecht sein, es muss ein Ermöglichungsrecht sein."

"Es ist an der Zeit, der Deutschen Bahn und anderen Akteuren VerlĂ€sslichkeit zu geben, um die Infrastruktur auf einen erstklassigen Stand zu bringen. Dazu braucht man finanzielle Sicherheit ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum und nicht den Jahreshorizont eines Bundeshaushaltes", sagte Kretschmer. Nötig sei ein Sondervermögen, was den Bau von Straßen, BrĂŒcken und Schienenwegen ĂŒber die nĂ€chsten zehn Jahre ermöglicht.

Kretschmer will Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur und Kommunen

"Ich werbe sehr fĂŒr ein solches Sondervermögen, dass Deutschland wieder auf die Beine kommt. Anders als kreditfinanziert wird es nicht gehen", erklĂ€rte Kretschmer und bezifferte ein solches Vermögen fĂŒr Infrastruktur und ein weiteres fĂŒr Investitionen in den Kommunen auf jeweils 100 Milliarden Euro. "Das wĂ€re VerlĂ€sslichkeit."

"Eine CDU-gefĂŒhrte Bundesregierung muss VerlĂ€sslichkeit geben und die Dinge wieder vom Kopf auf die Beine stellen. Sie muss den Menschen etwas zutrauen. Der Staat ist nicht dazu da, die BĂŒrger zu erziehen. Er muss Wegbereiter fĂŒr ein sicheres Leben und Entfaltungsmöglichkeiten sein, sagte Kretschmer. Der Staat dĂŒrfe den Leuten nicht stĂ€ndig im Weg stehen: "Das ist die wichtigste Maxime."

@ dpa.de