Deutschland, Integration

Deutschland bei Integration von Ukrainern im Mittelfeld

17.07.2024 - 11:46:01

Deutschland liegt bei der Integration von Ukraine-FlĂŒchtlingen in den Arbeitsmarkt im europĂ€ischen Vergleich im Mittelfeld.

Das geht aus einer Studie des Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in NĂŒrnberg hervor. Deutschland erreichte demnach Anfang 2024 eine Integrationsquote von 27 Prozent. Europaweit fĂŒhrt Litauen mit 57 Prozent, gefolgt von DĂ€nemark (53 Prozent) und Polen (48 Prozent). LĂ€nder wie Finnland, Norwegen, RumĂ€nien und Spanien verzeichnen mit weniger als 20 Prozent die niedrigsten Quoten.

"LÀnder mit hoher Nachfrage nach gering qualifizierten ArbeitskrÀften verzeichnen höhere BeschÀftigungsquoten", sagt IAB-Bereichsleiterin Yuliya Kosyakova, die selbst aus der Ukraine stammt. Diese Jobs erforderten weniger sprachliche und andere Voraussetzungen und könnten schneller besetzt werden.

Hohe Arbeitslosigkeit erschwert Integration

In LĂ€ndern mit steigenden Arbeitslosenzahlen sei die Konkurrenz um ArbeitsplĂ€tze grĂ¶ĂŸer, was die Integration erschwere. Kaum Einfluss hĂ€tten Transferleistungen der öffentlichen Hand, etwa das BĂŒrgergeld in Deutschland. Die Analyse zeigte nur einen geringen und statistisch nicht signifikanten Zusammenhang.

Wichtiger seien Faktoren wie soziale Netzwerke: LÀnder mit einem höheren Anteil ukrainischer Staatsangehöriger, auch vor dem Krieg, weisen höhere BeschÀftigungsquoten auf. "Auch ausgeprÀgte Englischkenntnisse in der Bevölkerung beeinflussen die Quoten positiv, da sie die Integration erleichtern", sagt IAB-Forscherin Kseniia Gatskova.

Gute Kinderbetreuung hilft

LÀnder mit besser ausgebauter Kinderbetreuung, wie DÀnemark und die Niederlande, verzeichnen ebenfalls höhere BeschÀftigungsquoten. Ein umfassender Zugang zu Gesundheitsleistungen erhöht ebenfalls die Quoten.

Langfrist-Strategie

Deutschland verfolge das Prinzip "Sprache zuerst" - also einen eher langfristigen Integrationsansatz. Dies senke kurzfristig die BeschĂ€ftigungsquoten. "Erfahrungen in Deutschland mit GeflĂŒchteten zwischen 2013 und 2019 zeigen, dass Investitionen in Bildung mittel- und langfristig die BeschĂ€ftigungswahrscheinlichkeit und Nachhaltigkeit der Integration erhöhen", sagt IAB-Forscherin Theresa Koch.

Seit Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine sind nach Angaben der Bundesregierung mehr als eine Million Menschen aus dem Land nach Deutschland geflohen - hÀufig Frauen mit ihren Kindern. Im April waren laut Bundesregierung 135.000 von ihnen in Deutschland erwerbstÀtig. 112.000 waren im Juni noch in einem Integrationskurs, der vor allem auf den Erwerb der deutschen Sprache abzielt.

@ dpa.de