Konjunktur, Politik/Regierungen

Habeck plĂ€diert fĂŒr mehr RĂŒstung

20.03.2024 - 19:41:40

Deutschland und Europa mĂŒssen nach EinschĂ€tzung von Vizekanzler Robert Habeck angesichts der verĂ€nderten Weltlage aufrĂŒsten.

"Europa muss seine eigenen Hausaufgaben in der Wehrhaftigkeit machen. Wir haben nach 1990 abgerĂŒstet. Wir waren eines der hochgerĂŒstetsten LĂ€nder Europas", sagte der GrĂŒnen-Politiker am Mittwochabend bei der Konferenz "Europe 2024" in Berlin. Eine Armee habe man damals nur fĂŒr "militĂ€rische PolizeieinsĂ€tze" im Ausland fĂŒr nötig gehalten. "Aber dass jetzt auf einmal wieder der Landkrieg zurĂŒckgekommen ist, darauf sind wir nicht vorbereitet. Und das mĂŒssen wir tun." Man könne sich nicht mehr darauf verlassen, dass die Vereinigten Staaten die Zeche zahlten oder MilitĂ€rmaterial zur VerfĂŒgung stellten.

Habeck sprach sich fĂŒr ein Hochfahren der RĂŒstungsproduktion aus, auch Einsatzszenarien zur Landesverteidigung mĂŒssten reaktiviert werden. Das gelte unabhĂ€ngig davon, ob Donald Trump die nĂ€chsten amerikanischen PrĂ€sidentenwahlen gewinne. "Im Zweifelsfall riskieren wir nichts, wenn wir es tun", sagte Habeck. Aber: "Wir riskieren enorm viel, wenn wir uns darauf ausruhen, dass wir es nicht tun."

Auf die Frage, ob mehr RĂŒstung bedeute, dass die Bundesregierung an anderer Stelle sparen mĂŒsse, sagte Habeck: "Das heißt es erstmal nicht unbedingt." So seien viele technische Innovationen des Alltags aus der militĂ€rischen Forschung hervorgegangen. Auch militĂ€rische Produktion wirke sich auf die Wirtschaftsleistung aus. "Aber wenn sie dann gebaut sind, dann stehen sie dann da, die Panzer oder die Raketen oder die Cyber-Security-Sachen." Es sei zu hoffen, dass militĂ€rische GĂŒter nur zum Training verwendet wĂŒrden. "Und trotzdem brauchen wir sie. Und das wird einen Preis haben. DarĂŒber mĂŒssen wir uns klar sein."

Der Wirtschaftsminister rĂ€umte aber ein, in Zeiten knapper Finanzen und mangelnder ArbeitskrĂ€fte könne es zu "Konkurrenzsituationen" kommen. So sei der Kapitalstock bei europĂ€ischen Banken kleiner als bei amerikanischen GeldhĂ€usern, die deshalb auch grĂ¶ĂŸere Projekte finanzierten. Zudem gebe es eine gewisse Risikoscheu in Europa. Mit einer alternden Bevölkerung nehme auch die verfĂŒgbare Arbeitskraft ab.

Habeck sprach sich außerdem fĂŒr eine etwas höhere Staatsverschuldung aus. "FĂŒr die Kapitalaufnahme der öffentlichen Hand macht es jetzt keinen Unterschied, ob wir 64 oder 63 Prozent haben." Deutschland als großes Land mit einer starken Wirtschaftsleistung brauche gar nicht so viel Geld, um die Produktion wieder anzuschieben und zum Beispiel die Ukraine zu unterstĂŒtzen. "Das muss doch möglich sein, da irgendwie vielleicht in eine gewisse Dynamik reinzukommen." Zugleich wandte sich Habeck gegen Steuererhöhungen. Jetzt sei es nötig, dass die Menschen Geld ausgeben. "Denn wir mĂŒssen ja die Menschen eher dazu bringen, wieder zu investieren, zu konsumieren, Vertrauen in die Zukunft zu haben und dann entsprechend weniger zu sparen und mehr auszugeben."

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