WestbalkanlÀnder rasch in die EU
05.12.2023 - 15:27:25"Es ist unser gemeinsames Ziel, den EU-Beitritt der LĂ€nder des Westbalkans voranzubringen", sagte BundesauĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) am Dienstag in der Hauptstadt Ljubljana bei einem Treffen mit ihrer slowenischen Kollegin Tanja Fajon. Beide betonten, Russlands Angriffskrieg habe diese Erweiterung zu einer geopolitischen Notwendigkeit gemacht habe.
Die Ministerinnen unterstrichen ihren Willen zu einer intensiven Zusammenarbeit im Kampf gegen die Klimakrise genauso wie fĂŒr Frieden in der Ukraine und in Nahost. Slowenien wird von Januar an fĂŒr zwei Jahre nicht-stĂ€ndiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York sein. Baerbock kĂŒndigte an, Deutschland werde die Arbeit Sloweniens im UN-Sicherheitsrat unterstĂŒtzen. Gerade im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sei die Mitgliedschaft Sloweniens zentral.
Sechs Balkan-LĂ€nder in unterschiedlichen Phasen
Zu den sogenannten Westbalkan-LĂ€ndern gehören Albanien, Bosnien-Herzegowina, das Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien. Alle LĂ€nder streben den EU-Beitritt an, befinden sich aber in unterschiedlichen Phasen. Mit Serbien, Nordmazedonien, Montenegro und Albanien verhandelt die EU schon ĂŒber einen Beitritt. Bosnien-Herzegowina gilt als Beitrittskandidat, das Kosovo als potenzieller Beitrittskandidat. Baerbock sagte mit Blick auf den EU-Beitrittsprozess: "Die EU kann sich angesichts Russlands Imperialismus mitten in Europa keine Grauzonen leisten."
Wachsende Sorgen vor Wahl in Serbien
Angesichts wachsender nationalistischer Propaganda schaue Berlin in der Region vor allem auf die am 17. Dezember bevorstehende Neuwahl des Parlaments in Serbien, sagte Baerbock. Sorge bereite "insbesondere der in der Vergangenheit nicht gewÀhrleistete gleiche Medienzugang aller politischen Kandidaten".
Baerbock an Orban: Keine Zeit fĂŒr Spielchen
Die BundesauĂenministerin kritisierte die Blockadehaltung des rechtspopulistischen ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor Orban gegen EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine. "Wir haben aber auch als EuropĂ€ische Union immer wieder deutlich gemacht, dass wir in diesem Moment keine Zeit fĂŒr Spielchen haben", sagte sie. Orban hatte mehrfach betont, dass er EU-Beitrittsverhandlungen - die von allen EU-Staaten einstimmig gebilligt werden mĂŒssen - mit der Ukraine derzeit fĂŒr verfehlt hĂ€lt.
Nach Flut Katastrophenschutz Thema
Baerbock informierte sich vor dem Hintergrund der Klimakrise nach der Flutkatastrophe in Slowenien im Sommer in einem Logistikzentrum ĂŒber den zivilen Katastrophenschutz. Anfang August hatte die Flut zwei Drittel Sloweniens betroffen. Die SchĂ€den wurden auf eine halbe Milliarde Euro geschĂ€tzt. Der "Kampf gegen die Klimakrise, die gröĂte Sicherheitsgefahr fĂŒr die Menschheit", sei Dreh- und Angelpunkt bei der Umsetzung des deutsch-slowenischen Aktionsplans, mit dem Zukunftsthemen vorangebracht werden sollten.
Baerbock: Israel muss humanitÀres Völkerrecht einhalten
Angesichts der dramatischen humanitĂ€ren Lage im Gazastreifen rief Baerbock Israel zur Einhaltung des Völkerrechts auf. "Israel hat das Recht, seine Bevölkerung im Rahmen des Völkerrechts zu schĂŒtzen. Entscheidend ist aber, wie Israel in dieser neuen Phase vorgeht", sagte sie. Israel habe die Verantwortung, ziviles Leid zu lindern und die zivile Bevölkerung zu schĂŒtzen. Derzeit arbeite man an einer erneuten Feuerpause. Es brauche in diesem Zusammenhang auch "das Eintreten von arabischen LĂ€ndern, dass die andauernde Sicherheitsgefahr auf Israel durch Hamas so nicht weitergehen kann".
Baerbock und Fajon plĂ€dierten fĂŒr eine Zweistaaten-Lösung zwischen Israelis und PalĂ€stinensern. Fajon sagte zur Lage im Gazastreifen: "Das ist wirklich ein AusmaĂ an Katastrophe, wo ich sagen kann, dass die Welt bei dieser PrĂŒfung der HumanitĂ€t wirklich durchgefallen ist." Mit Blick auf Israel ergĂ€nzte sie, Slowenien sei sehr besorgt "wegen der humanitĂ€ren VerstöĂe gegen das Völkerrecht und gegen die Menschenrechte in Gaza".

