Deutschland verstĂ€rkt Aufbauhilfe fĂŒr Ukraine - Zeichen gegen Putin
25.02.2024 - 15:21:37Der russische PrĂ€sident Wladimir "Putin will dieses Land zermĂŒrben. Und genau das lassen wir nicht zu. Weder militĂ€risch noch wirtschaftlich noch humanitĂ€r", sagte AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) am Sonntag beim Besuch der Stadt Mykolajiw im SĂŒden des Landes. Deswegen stocke die Bundesregierung die humanitĂ€re Hilfe um weitere 100 Millionen Euro auf etwa eine Milliarde Euro auf. Mit dem Geld wĂŒrden die Menschen in der Ukraine dabei unterstĂŒtzt, Wasserversorgung, KrankenhĂ€user und WohnhĂ€user wieder aufzubauen.
"Putins Terror geht hier jeden Tag weiter", sagte die BundesauĂenministerin. "Aber die Menschen hier in der Ukraine machen deutlich: Kein Tag, kein Angriff wird ihren Ăberlebenskampf zerstören können." Daher sei es wichtig, "dass wir nicht nur unsere militĂ€rische Hilfe zur Selbstverteidigung, zur Befreiung von Dörfern fortsetzen". Im Juni plant die Bundesregierung in Berlin eine internationale Wiederaufbaukonferenz.
Zweiter Jahrestag des Angriffs: Berlin, BrĂŒssel und G7 solidarisch
Deutschland, die EuropĂ€ische Union und die G7-Runde fĂŒhrender demokratischer Wirtschaftsnationen versicherten der Ukraine zum zweiten Jahrestag der russischen Invasion ihre SolidaritĂ€t und riefen Moskau zum sofortigen Ende des Kriegs auf. Neben EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen war zum Jahrestag auch die italienische MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni als G7-Vorsitzende nach Kiew gereist.
Die G7 bekrĂ€ftigten in einer Videokonferenz mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj ihre weitere UnterstĂŒtzung. In einer AbschlusserklĂ€rung forderte die Runde Moskau auf, alle Truppen aus den besetzten Gebieten der Ukraine umgehend "vollstĂ€ndig und bedingungslos" abzuziehen. Der G7 gehören neben Deutschland und den USA auch Italien, Frankreich, Kanada, Japan und GroĂbritannien an.
Russische AufklÀrungsdrohne: Baerbock muss Besuch bei Wasserwerk abbrechen
Wegen einer russischen AufklĂ€rungsdrohne musste Baerbock am Sonntag den Besuch eines Wasserwerks der sĂŒdukrainischen Stadt Mykolajiw vorzeitig abbrechen, wie ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amts am Rande der Reise mitteilte. Die Delegationsmitglieder waren aufgefordert worden, rasch in die gepanzerten Fahrzeuge der Kolonne zurĂŒckzukehren. Es war eine russische AufklĂ€rungsdrohne gesichtet worden, die den Bereich des Wasserwerks ĂŒberflog. Auf solche Drohnen folge in der Regel ein direkter Luftangriff, hieĂ es.
Die Drohne folgte der Kolonne Baerbocks demnach zunĂ€chst, drehte dann aber ab. In Bewegung bleiben sei in dieser Situation die sicherste Option gewesen, hieĂ es weiter. Kurze Zeit nach der Abfahrt der Kolonne Baerbocks gab es tatsĂ€chlich Luftalarm in der Region Mykolajiw. Nach einer guten Viertelstunde wurde der Alarm wieder aufgehoben. Gut 20 Minuten spĂ€ter wurde erneut Luftalarm ausgelöst. FĂŒr die Menschen in Mykolajiw sind solche Warnungen Alltag: Allein am Samstag hatte es elfmal Luftalarm gegeben.
Deutsches Unternehmen hilft bei Meerwasserentsalzung
In dem von Baerbock besichtigten und von einem Berliner Unternehmen in Mykolajiw gebauten und solar betriebenen Wasserwerk wird Meerwasser entsalzt. Durch die Installation von fĂŒnf solcher Anlagen werden tĂ€glich 1000 Kubikmeter Wasser produziert und 200 000 Menschen versorgt - etwa die HĂ€lfte der Bevölkerung. Durch den Einsatz von Solarenergie soll das mit deutschen Entwicklungsgeldern mitfinanzierte Projekt nach Angaben des AuswĂ€rtigen Amts im Vergleich zur Stromerzeugung per Dieselgenerator mehr als 1500 Liter Diesel und vier Tonnen CO2 pro Tag einsparen.
Ministerin nach Luftalarm im Schutzraum
Schon am Samstagabend musste Baerbock in der Hafenstadt Odessa nach einem Luftalarm einen Schutzraum aufsuchen. Der Alarm wurde um 21.48 Uhr (Ortszeit) ausgelöst. Im Stadtgebiet waren Luftschutzsirenen zu hören. Etwa 20 Minuten spĂ€ter wurde der Alarm wieder aufgehoben. Baerbock hielt sich wĂ€hrenddessen gemeinsam mit Mitgliedern ihrer Delegation und anderen GĂ€sten im Schutzraum ihres Hotels auf. Aus Delegationskreisen verlautete, es habe sich um Raketenalarm gehandelt. In der Region Odessa sei anschlieĂend eine Explosion zu hören gewesen. Bei zwei russischen Drohnenangriffen hatte es kurz vor Baerbocks Besuch vier Tote sowie mehrere Verletzte in der Hafenstadt gegeben.
"Symbol fĂŒr unerschĂŒtterlichen Widersand der Ukrainer"
Die BundesauĂenministerin nannte die Gebietshauptstadt Mykolajiw ein "Symbol fĂŒr den unerschĂŒtterlichen Widerstand der Ukrainer". Sie lieĂ sich vom Gouverneur der Region, Witalij Kim, und BĂŒrgermeister Olexander Sjenkewytsch den ehemaligen Sitz der Regionalverwaltung zeigen. Ende MĂ€rz 2022 hatte eine russische Rakete das GebĂ€ude getroffen, 37 Menschen getötet und mehr als 30 Menschen verletzt. Die Ruine des frĂŒheren Sitzes der Regionalverwaltung dient bis heute als Mahnmal.
Baerbock zu Kuleba: UnterstĂŒtzen Euch jeden weiteren Tag
Die BundesauĂenministerin hatte ihrem ukrainischen Kollegen Dmytro Kuleba bei einem gemeinsamen Besuch in Odessa am Samstag anhaltende UnterstĂŒtzung mit Waffen und auf dem Weg in die EU zugesichert. Es war Baerbocks sechste Reise in die Ukraine seit Kriegsbeginn.
Kuleba: Westen hat wegen Zögern Mitschuld am Krieg
Der ukrainische AuĂenminister warf Deutschland und dem Westen eine Mitschuld am Krieg durch Zögern vor. "Wenn Deutschland und der Westen nicht vom Beginn der ukrainischen UnabhĂ€ngigkeit auf die Ukraine ĂŒber das Prisma Russlands geschaut und uns in die EU und die Nato aufgenommen hĂ€tten, dann hĂ€tte es diesen Krieg nie gegeben." Frieden sei nur ĂŒber höhere RĂŒstungslieferungen erreichbar. "Nur indem man Russland auf dem Schlachtfeld schlĂ€gt, können wir es zu einem dauerhaften und gerechten Frieden zwingen." Er drĂ€ngte auf einen baldigen Nato-Beitritt. Die Ukraine sei keine Last, sondern eine StĂ€rkung des MilitĂ€rbĂŒndnisses. Kuleba hob bei den Waffenlieferungen drei Positionen hervor: "Granaten, Flugabwehr und weitreichende Raketen."

