Baywa muss kleiner werden und streicht 1300 Stellen
04.12.2024 - 14:14:50Der in einer tiefen Krise steckende MĂŒnchner Mischkonzern Baywa will im Zuge seiner Sanierung 1300 Stellen abbauen. Das soll hauptsĂ€chlich die zentrale Verwaltung treffen, die damit rund 40 Prozent ihrer Stellen verlieren soll, wie das Unternehmen mitteilte. Von den gut 400 Standorten sollen 26 geschlossen, das AuslandsgeschĂ€ft durch VerkĂ€ufe «wesentlicher internationaler Beteiligungen» geschrumpft werden. Das Sanierungsgutachten hat die Unternehmensberatung Roland Berger ausgearbeitet. Zieldatum fĂŒr den Abschluss der Sanierung ist Ende 2027. Die Gewerkschaft Verdi will den Stellenabbau nicht kampflos hinnehmen.
Sechzehn Prozent der Belegschaft getroffen
Die Baywa ist unter anderem der gröĂte deutsche AgrarhĂ€ndler, der Konzern spielt eine bedeutende Rolle fĂŒr Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung im SĂŒden und Osten Deutschlands. Auf dem Konzern lasten Schulden in Milliardenhöhe, Erblast einer rapiden Expansion auf Pump im vergangenen Jahrzehnt. Von den 8000 Vollzeitstellen in der Muttergesellschaft Baywa AG sollen 6700 erhalten bleiben. Rechnerisch bedeutet dies, dass das Unternehmen ĂŒber 16 Prozent der Belegschaft abbauen will. Die GesprĂ€che mit dem Gesamtbetriebsrat haben laut Unternehmen begonnen, der Vorstand hofft auf eine Einigung bis Ende MĂ€rz 2025.Â
Verdi fordert Verzicht auf groĂen Stellenabbau
Die Gewerkschaft Verdi forderte den Verzicht auf einen Kahlschlag beim Personal. Die Sanierung solle «vollstĂ€ndig auf dem RĂŒcken der BeschĂ€ftigten» ausgetragen werden, kritisierte Thomas GĂŒrlebeck, Vizebereichsleiter fĂŒr den Handel bei Verdi Bayern. Die Gewerkschaft werde gemeinsam mit der Belegschaft um jeden Arbeitsplatz kĂ€mpfen. «Der gröĂenwahnsinnige Expansionskurs der BayWa-Manager und der damit verbundene zu hohe Verschuldungsgrad ist allein verantwortlich fĂŒr die Finanzkrise der BayWa AG.»Â
 Auch international wird die Baywa schrumpfen
Weltweit beschĂ€ftigte der Baywa-Konzern inklusive seiner Tochtergesellschaften Ende 2023 gut 23.000 Menschen. Die internationale Belegschaft wird wegen der geplanten VerkĂ€ufe von Konzernteilen ebenfalls schrumpfen. Welche «wesentlichen» Beteiligungen zum Verkauf stehen, teilte der Vorstand nicht mit. Die wichtigsten Beteiligungen sind die auf Planung und Bau von Ăkostromkraftwerken spezialisierte Baywa r.e., der neuseelĂ€ndische Apfelproduzent Turners & Growers, die niederlĂ€ndische Agrarhandelsgesellschaft Cefetra sowie ein Anteil an der österreichischen Raiffeisen Ware Austria. Insgesamt hat die heute in knapp 60 LĂ€ndern vertretene Baywa mehrere hundert Tochtergesellschaften und Beteiligungen, wie dem GeschĂ€ftsbericht zu entnehmen.Â
Erbe des frĂŒheren KonzernchefsÂ
Faktisch lĂ€uft das Sanierungsprogramm darauf hinaus, dass die aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangene Baywa die kreditfinanzierte Expansion weitgehend rĂŒckabwickeln wird, die der langjĂ€hrige Vorstandschef Klaus Josef Lutz im vergangenen Jahrzehnt orchestrierte. Der heutige PrĂ€sident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) setzte gegen betrĂ€chtliche WiderstĂ€nde in dem konservativen Unternehmen den Einstieg in das GeschĂ€ft mit erneuerbaren Energien durch. Auf den Erwerb der Beteiligungen an Cefetra und Turners & Growers war Lutz immer stolz.
Schuldenberg
Lutz lenkte die Baywa von 2008 bis 2023. Die kurz- und langfristigen Finanzschulden summierten sich schlieĂlich auf ĂŒber 5 Milliarden Euro, davon etwa die HĂ€lfte kurzfristig - also innerhalb eines Jahres fĂ€llig. Der von Lutz und seinen Vorstandskollegen offenkundig nicht einkalkulierte rapide Anstieg der Kreditzinsen in den vergangenen beiden Jahren brachte die Baywa in Schieflage: Die Zinszahlungen an die Banken verdreifachten sich von 2021 bis 2023 auf 362 Millionen Euro, deswegen schrieb der Konzern im vergangenen Jahr erstmals Verlust.Â
Die schlechte Weltkonjunktur traf die Baywa zusĂ€tzlich, allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres vervielfachte sich der Nettoverlust auf gut 640 Millionen Euro. Die geplanten VerkĂ€ufe sollen den Schuldenberg verkleinern und den finanziellen Spielraum im tĂ€glichen GeschĂ€ft wieder vergröĂern.


