Inflation auch im April bei 2,2 Prozent - Anstieg erwartet
14.05.2024 - 09:59:47Nachdem der RĂŒckgang der Inflation im April bei einer Rate von 2,2 Prozent ins Stocken geraten ist, rechnen Volkswirte fĂŒr die nĂ€chsten Monate mit höherem Preisdruck. Viele Unternehmen wollen die Preise anzuheben, etwa in der Gastronomie oder in Drogerien.
Dazu kommen weitere Faktoren, wie Commerzbank DE000CBK1001-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer erlĂ€utert: "Wegen der stark steigenden Löhne dĂŒrften die Verbraucherpreise in den kommenden Monaten weiter schneller steigen als mit dem EZB-Ziel von zwei Prozent vereinbar. FĂŒr eine Entwarnung an der Inflationsfront ist es zu frĂŒh."
Seit Jahresbeginn bis einschlieĂlich MĂ€rz hatte die Inflation hierzulande stetig an Tempo verloren. Am Dienstag bestĂ€tigte das Statistische Bundesamt seine vorlĂ€ufigen Berechnungen, wonach die Teuerungsrate im April wie im MĂ€rz bei 2,2 Prozent lag. Von MĂ€rz auf April 2024 erhöhten sich die Verbraucherpreise hierzulande um 0,5 Prozent. Auch hier bestĂ€tigten die Wiesbadener Statistiker ihre Ende April veröffentlichten vorlĂ€ufigen Ergebnisse.
Preisbremsen bei Energie ausgelaufen
In den nĂ€chsten Monaten könnten die Energiepreise zulegen. Denn seit 1. April gilt fĂŒr Erdgas und FernwĂ€rme wieder der regulĂ€re Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Vom 1. Oktober 2022 bis zum 31. MĂ€rz 2024 war der ermĂ€Ăigte Satz von 7 Prozent fĂ€llig. So wollte die Politik fĂŒr Entlastung sorgen, nachdem der russische Krieg gegen die Ukraine Energie drastisch verteuert hatte.
Im April verbilligte sich Haushaltsenergie nach Angaben des Bundesamtes mit durchschnittlich 1,2 Prozent schon nicht mehr so stark wie im MĂ€rz mit minus 2,7 Prozent. Insbesondere FernwĂ€rme verteuerte sich im April deutlich mit plus 27,4 Prozent im Jahresvergleich. GĂŒnstiger wurden hingegen etwa Strom (minus 7,8 Prozent) und Erdgas (minus 5,4 Prozent).
Nahrungsmittelpreise ziehen wieder an
FĂŒr Nahrungsmittel mussten Verbraucherinnen und Verbraucher nach Angaben des Bundesamtes in diesem April 0,5 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor, im MĂ€rz waren die Lebensmittelpreise im Jahresvergleich noch um 0,7 Prozent gesunken.
WĂ€hrend frisches GemĂŒse (minus 8,8 Prozent) und Molkereiprodukte (minus 5,4 Prozent) im April gĂŒnstiger zu haben waren als vor Jahresfrist, zogen die Preise beispielsweise fĂŒr SĂŒĂwaren (plus 8,3 Prozent), Speiseöle (plus 7,4 Prozent), Obst (plus 4,4 Prozent), Fleisch (plus 2,2 Prozent) sowie Brot (plus 2,1 Prozent) an. Zudem mussten die Menschen beim Besuch von GaststĂ€tten tiefer in die Tasche greifen als im Vorjahresmonat (plus 7,0 Prozent).
Inflationsrate ohne Nahrungsmittel und Energie etwas abgeschwÀcht
Immerhin: Die extrem hohen Inflationsraten der vergangenen beiden Jahre sind Geschichte. Rechnet man die schwankungsanfĂ€lligen Preise fĂŒr Energie und Nahrungsmittel heraus, ergibt sich fĂŒr April den Berechnungen des Bundesamtes zufolge eine Kerninflation von 3,0 Prozent nach 3,3 Prozent im MĂ€rz 2024 sowie 3,4 Prozent im Januar und Februar.
Die weitere Beruhigung bei der Kernrate in Europas gröĂter Volkswirtschaft Deutschland dĂŒrfte nach EinschĂ€tzung von Ăkonomen die WĂ€hrungshĂŒter der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) darin bestĂ€rken, im Juni eine Zinssenkung zu beschlieĂen. Die EZB strebt fĂŒr den Euroraum mittelfristig PreisstabilitĂ€t bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent an. Angesichts der schwĂ€chelnden Konjunktur hatten sich in den vergangenen Monaten Forderungen gemehrt, die Zinsen nach der beispiellosen Serie von Erhöhungen im Kampf gegen die zeitweise extrem hohe Inflation wieder zu senken.
FĂŒr Deutschland erwarten fĂŒhrende Wirtschaftsforschungsinstitute im Jahresschnitt 2024 eine deutliche AbschwĂ€chung der Inflation auf 2,3 Prozent nach 5,9 Prozent im vergangenen Jahr. Das könnte auch den privaten Konsum als wichtige StĂŒtze der Konjunktur ankurbeln. Denn höhere Teuerungsrate schwĂ€chen die Kaufkraft der Menschen.

