DGB-Protest, Beschäftigte

DGB-Protest: Mehr als 175.000 Beschäftigte demonstrieren gegen Sozialreformen

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gewerkschaften wenden sich gegen Sozial- und Arbeitsrechtspläne; der DGB fordert Investitionen und den Erhalt sozialer Leistungen.

DGB-Proteste: Mehr als 175.000 demonstrieren gegen geplante Einschnitte
Ein verwaister öffentlicher Platz in einer deutschen Stadt nach einer Großdemonstration mit vereinzelten Papierresten auf dem Boden. Illustration mit AI erstellt.

Bei einem bundesweiten Aktionstag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und seiner Mitgliedsgewerkschaften haben nach Gewerkschaftsangaben mehr als 175.000 Beschäftigte gegen geplante Einschnitte im Sozialbereich sowie Verschärfungen im Arbeitsrecht demonstriert.

Laut Berichten vom 26. September 2026 versammelten sich die Demonstrierenden unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente“ zu Kundgebungen in 15 Großstädten, darunter Berlin, Essen, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, Magdeburg, Nürnberg, Stuttgart, Bremen, Hannover, Rostock und Erfurt.

Hohe Beteiligung in Frankfurt, Nürnberg und Essen

Die größten Versammlungen verzeichneten die Gewerkschaften in Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen. In Frankfurt zählte der DGB rund 30.000 Protestierende, die sich am Vormittag auf dem Willy-Brandt-Platz versammelten und anschließend durch die Innenstadt zogen.

Michael Rudolph, DGB-Bezirksvorsitzender für Hessen-Thüringen, unterstrich dort, dass der Sozialstaat keine freiwillige Leistung darstelle, sondern das Resultat der Arbeit von Millionen Beschäftigten sei. In Nürnberg nahmen nach Gewerkschaftsangaben 25.000 Menschen teil. Dort forderte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner ein Ende von Faulheits-Vorwürfen sowie von gesetzlichen Abbauplänen.

Auf dem Essener Burgplatz am Dom sprachen die Veranstalter von 18.000 Teilnehmenden, während die Polizei die Zahl auf 12.000 schätzte. DGB-Bundesvorsitzende Yasmin Fahimi erklärte vor Ort, die Beschäftigten ließen sich die über viele Jahre aufgebauten sozialen Standards nicht nehmen. Sie seien nicht für Fehlentscheidungen der Politik und Wirtschaft der vergangenen Jahre verantwortlich.

Anzeige

Wer sich mit den aktuellen gesetzlichen Vorgaben und Schutzrechten im Betrieb befasst, sollte seine Handlungsspielräume genau kennen. Dieser kostenlose Ratgeber erklärt das Herzstück der Mitbestimmung und wie Arbeitnehmervertreter ihre Rechte rechtssicher durchsetzen. Alle Mitbestimmungsrechte von Arbeitszeit bis Lohngestaltung jetzt nachlesen

In Hannover meldete die Polizei 13.000 Demonstrierende; dort betonte DGB-Niedersachsen-Chef Ernesto Harder, Schutzrechte seien keine Almosen, sondern erkämpfte Rechte. In Bremen beteiligten sich rund 7.000 Personen. Christian Wechselbaum, Regionsgeschäftsführer des DGB Bremen, warnte davor, dass eine Schwächung des Sozialstaates auch die Demokratie schwäche.

Breiter Protest gegen Reformpaket

Der Unmut der Gewerkschaften richtet sich gegen ein umfassendes Gesetzespaket der Bundesregierung. Zu den Kritikpunkten des DGB zählen Vorhaben zur Aufweichung des Acht-Stunden-Tages, die Verpflichtung zur Vorlage einer Krankmeldung bereits ab dem ersten Arbeitstag, die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren sowie die Ausweitung sachgrundloser Befristungen.

Ebenso kritisiert die Arbeitnehmervertretung steigende Zuzahlungen für Versicherte, verschlechterte Rahmenbedingungen für die Altersteilzeit und das schrittweise Anheben des Renteneintrittsalters. Thorben Albrecht, DGB-Landeschef in Nordrhein-Westfalen, warf der Bundesregierung vor, Kürzungen auf dem Rücken der Arbeitnehmer vorzunehmen, anstatt Reformen zur wirtschaftlichen Belebung anzustoßen.

Anzeige

Im Zuge von Umstrukturierungen und rechtlichen Änderungen stehen Arbeitnehmervertreter oft vor schwierigen Verhandlungen über soziale Absicherungen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie Mitbestimmungsrechte beim Sozialplan aktiv nutzen und faire Bedingungen für die Belegschaft erzielen. Kostenlosen Ratgeber für gerechte Sozialpläne herunterladen

Flankiert wurde der Aktionstag auch von Betriebsratsspitzen und weiteren Gewerkschaftsführern. Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IGBCE, forderte einen Neustart der Reformpolitik und verwies darauf, dass die Industrie gegenwärtig monatlich 15.000 Arbeitsplätze verliere.

Daniela Cavallo, Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen, forderte mehr Wertschätzung, Respekt und angemessene Entgelte ein. Auch die Partei Die Linke schloss sich den Kundgebungen mit eigenen Redebeiträgen und Demoblöcken an.

Reaktionen aus Politik und Wirtschaft

Der DGB fordert stattdessen verstärkte Investitionen in die Infrastruktur, eine Festschreibung des gesetzlichen Rentenniveaus bei mindestens 50 Prozent, eine effizientere Mittelverwendung im Gesundheitssystem und eine stärkere Besteuerung hoher Vermögen sowie Erbschaften. DGB und Sozialverbände warnen vor erheblichen Einschnitten, unter anderem beim Wohngeld, bei dem rund 400.000 Haushalte ihren Anspruch verlieren könnten.

Aus der Wirtschaft kommt hingegen scharfer Widerspruch. Thomas Pöttering, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände NRW, warf dem DGB Realitätsverweigerung vor und verlangte die vollständige Umsetzung der geplanten Reformmaßnahmen.

Aus den Reihen der SPD forderte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies in einem Interview unterdessen eine soziale Abfederung des Reformpakets, den Erhalt der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren sowie Entlastungen bei den Energiepreisen.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70186706 |