ArbeitsunfÀlle, SchulwegunfÀlle

DGUV Statistik 2025: Weniger ArbeitsunfÀlle, mehr tödliche Schul- und WegeunfÀlle

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung meldet fĂŒr 2025 weniger UnfĂ€lle direkt am Arbeitsplatz, aber mehr Schul- und WegeunfĂ€lle mit deutlich mehr Todesopfern. Zugleich steigen die Unfallzahlen an Bildungseinrichtungen und bestimmte Berufskrankheiten bleiben auf hohem Niveau.

170.306 meldepflichtige WegeunfÀlle und 90.663 solche SchulwegunfÀlle gab laut Unfallkasse vergangenes Jahr in Deutschland. (Symbolfoto) - Bild: Federico Gambarini/dpa
170.306 meldepflichtige WegeunfÀlle und 90.663 solche SchulwegunfÀlle gab laut Unfallkasse vergangenes Jahr in Deutschland. (Symbolfoto) - Bild: Federico Gambarini/dpa

In Deutschland ist das Unfallrisiko bei der Arbeit gesunken, gleichzeitig verzeichnet die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung mehr UnfÀlle auf dem Weg zu Schule und Arbeit mit einem Anstieg der TodesfÀlle.

Mehr SchulwegunfÀlle und mehr Tote

SchĂŒlerinnen und SchĂŒler haben im vergangenen Jahr auf dem Weg zur Schule rund 90.000 UnfĂ€lle erlitten. Die Zahl der SchulwegunfĂ€lle stieg um rund 3.300 auf fast 90.700, was einem Plus von 3,8 Prozent entspricht. 25 SchulwegunfĂ€lle endeten tödlich, nachdem im Vorjahr noch 15 Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Schule ihr Leben verloren hatten.

WegeunfÀlle von BeschÀftigten nehmen zu

Auch BeschÀftigte von Betrieben waren hÀufiger von WegeunfÀllen betroffen. Es wurden 170.306 meldepflichtige UnfÀlle auf dem Weg von der Arbeit zum Wohnort oder umgekehrt registriert, ein Zuwachs um 1,0 Prozent. Die Zahl der Todesopfer nach einem Wegeunfall stieg von 214 im Vorjahr auf 231.

Weniger UnfÀlle direkt am Arbeitsplatz

Das Unfallrisiko bei der Arbeit ist 2025 weiter gesunken. Es wurden 689.900 meldepflichtige ArbeitsunfÀlle gezÀhlt, 3,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. 299 Versicherte verloren durch einen Arbeitsunfall ihr Leben, nach 307 im Vorjahr. Die DGUV hat dazu die GeschÀfts- und Rechnungsergebnisse der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen vorgelegt.

Über eine Million UnfĂ€lle in Bildungseinrichtungen

In Schulen stieg die Zahl der UnfĂ€lle um zwei Prozent. Im Schulalltag wurden 1.032.500 UnfĂ€lle erfasst, fĂŒnf davon verliefen tödlich. UnfĂ€lle von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern, Kita-Kindern und Studierenden mĂŒssen gemeldet werden, wenn eine Ă€rztliche Behandlung nötig ist oder ein Mensch durch den Unfall stirbt.

Eltern sehen Gefahren auf dem Schulweg

Bereits im Vorjahr hatten die Unfallkassen von mehr SchulwegunfÀllen berichtet. In einer damaligen Umfrage gab ein Drittel der befragten Eltern an, ihr Kind habe innerhalb von zwölf Monaten mindestens einmal eine gefÀhrliche Situation auf dem Schulweg erlebt. Als typische Gefahrenstellen gelten fehlende Radwege oder schwer einsehbare Kreuzungen.

HĂ€ufige Unfallursachen in Betrieben

In den Betrieben war der Verlust der Kontrolle ĂŒber ein Werkzeug mit 171.638 FĂ€llen die hĂ€ufigste Unfallursache. Danach folgten Stolper-, Rutsch- und SturzunfĂ€lle mit 163.430 VorfĂ€llen. Die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr tödliche ArbeitsunfĂ€lle war der Kontrollverlust ĂŒber ein Transportmittel mit 101 FĂ€llen, gefolgt von AbsturzunfĂ€llen mit 53 Toten. Insgesamt erhielten 12.645 Versicherte im Jahr 2025 erstmals eine Rente nach einem Arbeits- oder Wegeunfall.

BeitrÀge zur Unfallversicherung bleiben stabil

DGUV-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Stephan Fasshauer bezeichnete es als «sehr gute Nachricht», dass das Risiko eines Arbeitsunfalls erneut gesunken sei. Trotz gestiegener Kosten sank der durchschnittliche Beitragssatz zur Berufsgenossenschaft von 1,09 auf 1,08 Euro je 100 Euro Lohnsumme. Die gewerblichen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen finanzieren sich durch die BeitrĂ€ge der Unternehmen und legten 2025 insgesamt 14,7 Milliarden Euro auf die versicherten Unternehmen um.

UnfÀlle und Berufskrankheiten im Ehrenamt

Versichert sind auch Teilnehmende an Rehabilitationsmaßnahmen, Feuerwehrleute, pflegende Angehörige und verschiedene ehrenamtlich TĂ€tige. In dieser Gruppe wurden 40.651 ArbeitsunfĂ€lle sowie 4.836 WegeunfĂ€lle registriert, 35 Versicherte kamen dabei ums Leben. 686 Menschen erhielten erstmals eine Rente aufgrund eines Versicherungsfalls.

Berufskrankheiten: Schwerhörigkeit hÀufig anerkannt

Im Jahr 2025 gingen bei den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen 91.200 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit ein, die Zahl blieb damit insgesamt stabil. HĂ€ufige GrĂŒnde waren Verdachtsanzeigen wegen Hautkrebs und Muskel-Skelett-Erkrankungen. In 24.340 FĂ€llen wurde eine Berufskrankheit anerkannt, mehr als 9.800 Mal und damit am hĂ€ufigsten aufgrund lĂ€rmbedingter Schwerhörigkeit.

Steigende Risiken auf dem Weg – sinkende Gefahren am Arbeitsplatz

Die neuen Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zeigen eine gegenlĂ€ufige Entwicklung: WĂ€hrend das Risiko fĂŒr einen Unfall direkt am Arbeitsplatz weiter sinkt, nehmen die Gefahren auf dem Weg zu Schule und Arbeit zu. Das verweist auf unterschiedliche Sicherheitsniveaus. In Betrieben greifen seit Jahren systematische Arbeitsschutzprogramme, technische Verbesserungen und verpflichtende Unterweisungen. Auf Straßen, Radwegen und Gehwegen hingegen treffen verschiedene Verkehrsteilnehmende mit sehr unterschiedlichem Schutz aufeinander, was die Verletzlichkeit insbesondere von Kindern, Radfahrenden und FußgĂ€ngern erhöht.

Schulweg und Bildungseinrichtungen im Fokus

Besonders deutlich ist die Zunahme der UnfĂ€lle auf dem Schulweg. Die höhere Zahl tödlicher SchulwegunfĂ€lle verdeutlicht, dass Kinder im Straßenverkehr weiterhin zu den besonders gefĂ€hrdeten Gruppen gehören. Die ebenfalls gestiegenen Unfallzahlen in Bildungseinrichtungen selbst zeigen, dass auch dort PrĂ€vention, Aufsicht und sichere Gestaltung von Pausen- und SportflĂ€chen zentrale Themen bleiben. Gleichzeitig machen die Meldepflichten fĂŒr UnfĂ€lle von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern, Kita-Kindern und Studierenden die Dimension sichtbar, die ohne diese Pflicht oft unterschĂ€tzt wĂŒrde.

Strukturelle Ursachen und Bedeutung fĂŒr BeschĂ€ftigte

Bei BeschĂ€ftigten ist der Anstieg der WegeunfĂ€lle mit tödlichem Ausgang ein Hinweis auf anhaltende Risiken im Berufsverkehr, etwa durch dichten Pendlerverkehr, Zeitdruck oder Ablenkungen. Dass das Unfallrisiko bei der Arbeit sinkt, zugleich aber WegeunfĂ€lle und bestimmte Berufskrankheiten wie lĂ€rmbedingte Schwerhörigkeit weiter eine große Rolle spielen, zeigt: PrĂ€vention muss ganzheitlich ansetzen – vom sicheren Betrieb ĂŒber gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen bis hin zur Gestaltung sicherer Schul- und Arbeitswege. FĂŒr Unternehmen und öffentliche Hand bedeutet dies, Verkehrssicherheit und GesundheitsprĂ€vention strategisch mitzudenken, auch weil Unfallfolgen langfristige Rentenleistungen nach sich ziehen.

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