DGUV Vorschrift 2: Digitale Betreuung ab Juli für Betriebe Pflicht
25.06.2026 - 19:42:42 | boerse-global.de
Der Druck auf Unternehmen, ihre Strukturen im Bereich Gesundheit, Sicherheit und Umwelt (HSE) zu modernisieren, wächst rasant.
DGUV Vorschrift 2: Digitale Betreuung wird möglich
Am 1. Juli 2026 tritt die überarbeitete DGUV Vorschrift 2 in Kraft. Die Neuregelung bringt gleich mehrere Neuerungen: Die sicherheitstechnische Betreuung kann künftig auch digital erfolgen. Zudem erweitert sich der Kreis der zulässigen Präventionsfachkräfte - Arbeitspsychologen und Biologen können nun ebenfalls einbezogen werden. Ein jährlicher Fortbildungsnachweis wird zur Pflicht.
Doch das ist nicht die einzige Verschärfung. Ab dem 20. Januar 2027 ersetzt die neue EU-Maschinenverordnung 2023/1230 die bisherige Maschinenrichtlinie. Besonders betroffen: kraftbetätigte Fenster und Türen. Sie erfordern künftig umfassendere Risikobeurteilungen und zusätzliche Sicherungseinrichtungen wie Fangvorrichtungen.
Fachkräftemangel: Tausende Stellen unbesetzt
Der Bedarf an qualifiziertem Personal in Arbeitssicherheit und Brandschutz bleibt hoch. Allein in München waren im Juni 2026 über 13.000 Stellen ausgeschrieben. Portale für Köln weisen spezialisierte Vakanzen für Gefahrgutbeauftragte und HSE-Koordinatoren aus. Firmen wie die Helios HSE GmbH suchen händeringend nach Fachkräften.
Die steigenden Anforderungen an den Arbeitsschutz verlangen von Unternehmen eine rechtssichere Dokumentation, insbesondere bei der Gefährdungsbeurteilung. Dieser kostenlose Report liefert bewährte Vorlagen und Checklisten, die Sifas und Arbeitgebern helfen, behördenkonforme GBUs schnell und sicher zu erstellen. Gefährdungsbeurteilung: Jetzt kostenlose Vorlagen und Checklisten sichern
Die TÜV-Weiterbildungsstudie 2026 zeigt eine erhebliche Hürde: Rund 56 Prozent der befragten Unternehmen sehen großen Nachholbedarf bei digitalen Anwendungskompetenzen - etwa bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Bei Firmen mit über 250 Mitarbeitern steigt der Wort auf 74 Prozent. Besonders kritisch ist die Lage im Handel und in der öffentlichen Verwaltung.
Auch die Cybersicherheit leidet unter Personalmangel. Die Cybersecurity Workforce Study 2025 belegt: 36 Prozent der Unternehmen benötigen Cloud-Sicherheitskompetenzen, aber nur etwa ein Drittel der Fachkräfte verfügt über fundierte Kenntnisse.
Software-Lösungen als Rettungsanker?
Um den steigenden Dokumentationspflichten gerecht zu werden, setzen Unternehmen verstärkt auf spezialisierte IT-Lösungen. Veeva Systems kündigte am 25. Juni 2026 eine neue Anwendung für Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsmanagement an. Sie soll ab August ersten Anwendern zur Verfügung stehen und eine proaktive Risikoerkennung sowie Integration in bestehende Qualitätsmanagementsysteme ermöglichen.
Neben der klassischen Arbeitssicherheit stellt die neue EU-KI-Verordnung Unternehmen vor zusätzliche Dokumentationspflichten. Erhalten Sie einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Fristen und Risikoklassen, um Ihre Compliance-Prozesse rechtzeitig anzupassen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act herunterladen
Doch die Technologie-Übersicht vieler Firmen ist mangelhaft. Der Flexera State of ITAM Report 2026 zeigt: Nur 31 Prozent der IT-Management-Teams haben vollen Einblick in die genutzte KI-Software. Die Folge: Sicherheitsrisiken und unnötige Ausgaben, über die 59 Prozent der Befragten berichten.
NIS2 und CSRD: Doppelter Druck auf KMU
Besonders kleine und mittlere Unternehmen stehen vor massiven regulatorischen Herausforderungen. Experten warnen: Viele Betriebe in Regionen wie Nordthüringen erfüllen die Anforderungen der NIS2-Richtlinie noch nicht. Sie gilt für Unternehmen ab 50 Mitarbeitern oder einem Jahresumsatz von 10 Millionen Euro in kritischen Sektoren. Gefordert sind striktes Risikomanagement und Incident Reporting innerhalb von 24 Stunden. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 2 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Parallel dazu wächst der Umfang der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Eine Analyse von Kirchhoff Consult zu CSRD-Berichten im Juni 2026 ergab: Der durchschnittliche Berichtsumfang ist auf 134 Seiten gestiegen. Deutsche Unternehmen liegen dabei rund 9 Prozent über dem EU-Schnitt. Wesentlichkeit wird zunehmend zum strukturgebenden Prinzip der Berichterstattung.
