DHL: Deutschlandgeschäft drückt Ebit um 29,8 Prozent
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 10:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDHL nennt Gründe für den Ergebnisrückgang
- Das Betriebsergebnis im deutschen Brief- und Paketgeschäft sank im dritten Quartal um 29,8 Prozent auf 150 Millionen Euro.
- Pro Arbeitstag stellte die Post durchschnittlich 30 Millionen Briefe zu, halb so viele wie im dritten Quartal 2016.
- Der Standardbrief soll zum Jahreswechsel von 95 Cent auf 1,15 Euro steigen.
DHL Deutschlandgeschäft verliert deutlich an Gewinn
Das Deutschlandgeschäft wird für DHL zunehmend zur Wachstumsbremse: Im dritten Quartal blieb der Umsatz mit Briefen und Paketen nahezu stabil, während das Betriebsergebnis um 29,8 Prozent auf 150 Millionen Euro sank. Konzernweit legten Umsatz und Betriebsergebnis im Sommerquartal 2026 dagegen deutlich zu.
Umsatz bleibt fast stabil
Der Umsatz im deutschen Brief- und Paketgeschäft stieg um 0,3 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Das Ebit fiel zugleich um 64 Millionen Euro auf 150 Millionen Euro.
Im ersten Halbjahr hatte das Umsatzplus noch 1,7 Prozent betragen, im dritten Quartal 2025 sogar 4,7 Prozent. In den global ausgerichteten Bereichen mit Lieferketten-Dienstleistungen, Fracht und Express wuchsen die Umsätze dagegen zwischen neun und 17,5 Prozent.
Weniger Briefe und Asien-Pakete
Finanzvorständin Melanie Kreis führte den Rückgang unter anderem auf den Wegfall der Zollfreiheit für kleine Pakete mit günstigem Inhalt zurück. Seit Juli werde auch für diese Sendungen Zoll fällig, wodurch die Zahl der Pakete aus Asien zurückgegangen sei.
Zudem sinke die Briefmenge deutlich. Im dritten Quartal stellte die Post nach Angaben von Kreis durchschnittlich 30 Millionen Briefe je Arbeitstag zu. Im dritten Quartal 2016 seien es noch 60 Millionen gewesen.
Porto soll auf 1,15 Euro steigen
Gleichzeitig erhöhten sich die Entgelte der Beschäftigten sowie die Kosten für Energie und Materialien. Kreis bezeichnete eine angemessene Portoerhöhung als notwendig und verwies auf den Plan der Bundesnetzagentur, der Post zum Jahreswechsel eine Anhebung um gut 20 Prozent zu erlauben.
Der Preis für einen Inlandsbrief soll dadurch von 95 Cent auf 1,15 Euro steigen. Kreis nannte den Plan eine gute Grundlage, warnte aber zugleich, höhere Preise könnten den Rückgang der Briefmengen weiter beschleunigen.
Monopolkommission widerspricht
Die Monopolkommission hatte die geplante Erhöhung als zu hoch kritisiert. Aus ihrer Sicht dürften bestimmte Kostenblöcke nicht oder nur schwächer berücksichtigt werden.
Kreis verwies dagegen auf die Pflicht der Post, bundesweit eine postalische Infrastruktur mit Filialen, Briefkästen und weiteren Anlagen vorzuhalten. Wettbewerber seien zu dieser flächendeckenden Versorgung nicht in gleicher Weise verpflichtet.
Konzern wächst außerhalb Deutschlands
Über alle Geschäftsbereiche hinweg steigerte DHL den Umsatz um 12,6 Prozent auf 22,7 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis erhöhte sich um 16,2 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.
Das Deutschlandgeschäft von DHL steht für einen strukturellen Wandel im Postmarkt. Briefe verlieren durch E-Mail, Messenger und digitale Behördendienste an Bedeutung. Sinkende Mengen treffen dabei auf ein Netz aus Filialen, Briefkästen, Zustellstützpunkten und Beschäftigten, das nicht im gleichen Maß schrumpfen kann.
Die Zahlen aus dem dritten Quartal zeigen deshalb einen Kostendruck, der über eine vorübergehende Nachfrageschwäche hinausgeht: Bei nahezu stabilem Umsatz fällt das Betriebsergebnis deutlich. Weniger Sendungen verteilen Personal-, Energie- und Infrastrukturkosten auf ein kleineres Volumen. Gleichzeitig belastet der Rückgang kleiner Auslandspakete das Paketgeschäft im Inland.
Porto zwischen Finanzierung und Nachfrage
Die geplante Erhöhung des Standardbrief-Portos von 95 Cent auf 1,15 Euro soll die wirtschaftliche Grundlage der postalischen Versorgung stabilisieren. Für private Haushalte, Vereine und kleine Unternehmen verteuert sie regelmäßige Briefpost; besonders relevant ist das für Empfänger und Absender, die nicht vollständig auf digitale Kommunikation umsteigen können.
Die Debatte über die zulässigen Kosten macht den Zielkonflikt sichtbar. Die Post muss Infrastruktur bundesweit vorhalten, während die Monopolkommission vor einer zu großzügigen Anerkennung dieser Lasten warnt. Eine höhere Portoobergrenze kann kurzfristig Einnahmen sichern, zugleich aber die Briefmenge weiter drücken. Die endgültige Regulierung entscheidet damit nicht nur über einen einzelnen Preis, sondern auch über die Finanzierung des Universaldienstes in den kommenden Jahren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
stern: „Briefversand wird teurer: Monopolkommission übt scharfe Kritik an Briefporto-Anhebung“ (03.11.2026)
Der Artikel habe die Kritik der Monopolkommission an der geplanten Portoerhöhung in den Mittelpunkt gestellt. Er habe zusätzlich erläutert, dass sinkende Briefmengen und steigende Kosten die Stückkosten erhöhten; offen bleibe die endgültige Entscheidung der Bundesnetzagentur.
Deutschlandfunk: „Briefversand - Monopolkommission kritisiert Portoerhöhung der Deutschen Post“ (03.11.2026)
Der Bericht habe die Einordnung der Monopolkommission aufgegriffen, wonach der Anstieg unverhältnismäßig sein könne und andere Geschäftsbereiche belastet werden könnten. Anders als der stern-Beitrag habe er die geplanten Preise und die Begründung durch sinkende Briefmengen sowie höhere Energie- und Personalkosten knapp zusammengefasst.
Beide Beiträge hätten die Kritik am vorgesehenen Preisniveau und die strukturell sinkenden Briefmengen hervorgehoben. Die unterschiedliche Gewichtung liege vor allem zwischen wettbewerbspolitischer Kritik und der Darstellung der Kostenargumente; die abschließende Portoentscheidung bleibe offen.
