Studie: Bundesregierung verfehlt E-Auto-Ziele deutlich
22.08.2023 - 17:45:48Deutschland wird das Ziel der Bundesregierung von 15 Millionen Elektrofahrzeugen bis 2030 nach EinschĂ€tzung des Branchenexperten Stefan Bratzel «bei weitem» verfehlen. Es sei ein «RealitĂ€ts-Check notwendig», sagte der Leiter des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach am Dienstag. Die politischen Ziele mĂŒssten mit den erforderlichen MaĂnahmen in Einklang gebracht werden.
Der Bund fördert den Kauf eines E-Autos im Moment noch mit bis zu 4500 Euro. Ab 1. September bekommen gewerbliche KÀufer keinen Zuschuss mehr. Sie machen zwei Drittel der Neuzulassungen aus. Ab kommenden Januar senkt der Bund den Zuschuss auf maximal 3000 Euro.
Höhere Zinsen bremsen das Leasing der E-Autos
Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte, der Marktanteil der Batterieautos (BEV) bei den Neuzulassungen dĂŒrfte ab September auf 12 Prozent abrutschen. «Grund hierfĂŒr ist die chaotische Subventionspolitik des Bundeswirtschaftsministeriums.» Damit dĂŒrften dieses Jahr nur noch 440.000 Elektroautos zugelassen werden, 31.000 weniger als im Vorjahr. ZusĂ€tzlich bremsten die höheren Zinsen, weil Elektroauto stĂ€rker im Leasing genutzt werden. Die Zinsen machten derzeit 25 Prozent der Leasingraten aus, sagte der Leiter des CAR-Center Automotive Research.
Es sei zwar zu erwarten, dass Elektroautos in den Listenpreisen gĂŒnstiger werden. «Aber damit ist in Deutschland noch kein neuer Hochlauf der Elektroautos verbunden», so Dudenhöffer. Denn «der Kunde bezahlt den Listenpreis abzĂŒglich UmweltprĂ€mie, und die wird nach den bisherigen PlĂ€nen von Minister Habeck nĂ€chstes Jahr weiter gekĂŒrzt und 2025 auf null gesetzt».
Der Bestand an Batterieautos (BEV) in Deutschland ist im ersten Halbjahr auf knapp 1,2 Millionen gestiegen - das entspricht bei einem Bestand von gut 49 Millionen Autos einem Anteil von 2,4 Prozent. Im ersten Halbjahr wurden laut Kraftfahrtbundesamt 220 000 BEVs neu zugelassen. FĂŒr den angestrebten schnellen Hochlauf wĂ€ren laut Bratzel in diesem Jahr 750 000 neue BEVs erforderlich. Realistisch seien aber nur 450 000 Neuzulassungen. Auf dem jetzigen Wachstumspfad sei bis 2030 mit einem Bestand von 7 bis 8 Millionen Stromern zu rechnen - halb so viel wie von der Regierung geplant.
Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller forderte eine VerlĂ€ngerung der Subventionen. «Der Markt fĂŒr E-Pkw erreicht 2023 bis dato nur in etwa das Vorjahresniveau», sagte VDIK-PrĂ€sident Reinhard Zirpel. «ElektromobilitĂ€t ist noch kein SelbstlĂ€ufer.»
Die meisten BEVs auf den deutschen StraĂen sind laut Bratzel von VW (207 000), mit einigem Abstand gefolgt von Tesla (146 000) und Renault (113 000). Im Mittelfeld folgten Hyundai, Smart, BMW, Opel, Audi, Mercedes und Fiat. Derzeit wenig sichtbar sind chinesische Marken wie MG (17 000), Volvo (9500), BYD (1448), Nio (844) und Great Wall (640). Der Anteil der SUVs und GelĂ€ndewagen an den reinen E-Autos wuchs laut CAM seit Mitte des vergangenen Jahres von knapp 26 auf ĂŒber 35 Prozent.
Die chinesischen Autobauer hĂ€tten aber beim Fahrzeugvolumen deutliche Vorteile gegenĂŒber allen anderen wesentlichen Autobauern, sagte Dudenhöffer. Wie Tesla seien sie sehr schnell unterwegs und dĂŒrften Autofabriken in Europa aufbauen, sobald kritische GröĂen erreicht seien: «Nach den Batteriefabriken der Chinesen kommen die Autowerke. Es ist eine Frage der Zeit.»


