Ampel, Kirchenzahlungen

Ampel will Kirchenzahlungen trotz LĂ€nder-Widerstands beenden

23.08.2024 - 14:50:00

Die Ampel-Koalition will noch im Herbst einen Gesetzentwurf zur langfristigen Abschaffung von Staatsleistungen an die Kirchen vorlegen, obwohl die BundeslÀnder das Projekt ablehnen.

Die Reform solle so gestaltet werden, dass der Bundesrat nicht zustimmen mĂŒsse, sagte die FDP-Abgeordnete Sandra Bubendorfer-Licht der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ĂŒber das Vorhaben berichtet.

Das Grundgesetz schreibe in diesem Fall keine Zustimmung des Bundesrates vor, sagte Bubendorfer-Licht. "Die Blockadehaltung der LÀnder zwingt die Koalition leider dazu, diesen Weg zu gehen." Es sei falsch, mit der Ablösung der Staatsleistungen weitere Jahrzehnte oder Jahrhunderte zu warten.

Die Kirchen in Deutschland bekommen die Staatsleistungen fĂŒr die Enteignung deutscher Kirchen und Klöster Anfang des 19. Jahrhunderts im Rahmen der SĂ€kularisierung. Außer Hamburg und Bremen zahlen deshalb alle BundeslĂ€nder eine jĂ€hrliche Summe an die katholische und die evangelische Kirche. Zuletzt waren es bundesweit insgesamt rund 550 Millionen Euro pro Jahr.

Dadurch zahlen auch diejenigen Steuerzahler fĂŒr Glaubensgemeinschaften, die damit gar nichts zu tun haben - und das werden Jahr fĂŒr Jahr mehr. Im vergangenen Jahr traten allein aus der katholischen Kirche rund 400.000 Menschen aus, im Jahr davor mehr als eine halbe Million. Die Ampel-Regierung will die Kirchen deshalb nun auszahlen und Kirche und Staat so entflechten. Aufbringen mĂŒssten die Ablösesumme aber wohl die LĂ€nder - und hier gibt es klaren Widerstand.

"Die Kirchen zeigen sich hier deutlich kooperativer und gesprĂ€chsbereiter als manche Vertreter der LĂ€nder", erklĂ€rten die drei zustĂ€ndigen Abgeordneten in den Ampel-Fraktionen, Lars Castellucci (SPD), Konstantin von Notz (GrĂŒne) und Bubendorfer-Licht (FDP). Es seien große SpielrĂ€ume und jahrzehntelange Übergangsfristen fĂŒr die LĂ€nder vorgesehen.

Niedersachsens MinisterprĂ€sident Stephan Weil (SPD) betonte, die LĂ€nder seien sich in ihrer Ablehnung "sehr einig". "Ich kann nur dazu raten, diese PlĂ€ne nicht weiterzuverfolgen", sagte er der "Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung". Die Haushaltslage in vielen BundeslĂ€ndern sei so angespannt, dass Ablösezahlungen an die Kirchen in absehbarer Zeit schlichtweg nicht möglich seien.

@ dpa.de