Britische Notenbank senkt Leitzins wie erwartet - Knappe Entscheidung
07.08.2025 - 14:07:28Er werde um 0,25 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent reduziert, teilte die Bank of England (BoE) am Donnerstag nach ihrer geldpolitischen Sitzung in London mit. Bankvolkswirte hatten dies ĂŒberwiegend erwartet. Die Entscheidung fiel allerdings mit 5 zu 4 Stimmen im geldpolitischen Ausschuss knapp aus.
"Dieses Abstimmungsverhalten unterfĂŒttert unsere Prognose, dass die nĂ€chste BoE-Leitzinssenkung frĂŒhestens Anfang November erfolgen wird", kommentierte Dirk Chlench, Volkswirt bei der LBBW. Es musste sogar zweimal abgestimmt werden. ZunĂ€chst hatten sich vier Mitglieder fĂŒr eine Senkung um 0,25 Punkte ausgesprochen und vier Mitglieder fĂŒr einen unverĂ€nderten Leitzins und ein Mitglied fĂŒr eine Senkung um 0,50 Punkte. Erstmals seitdem die Notenbank vor 28 Jahren ihre UnabhĂ€ngigkeit erhalten hatte, waren zwei Abstimmungsrunden notwendig.
"Es war eine sorgfĂ€ltig abgewogene Entscheidung", erklĂ€rte Gouverneur Andrew Bailey in einer schriftlichen Stellungnahme. "Die ZinssĂ€tze befinden sich weiterhin in einem AbwĂ€rtstrend, aber kĂŒnftige Zinssenkungen mĂŒssen schrittweise und vorsichtig vorgenommen werden."
Die britische Notenbank sieht sich einer schwierigen Ausgangssituation gegenĂŒber. So ist die Inflation hartnĂ€ckig hoch. Im Juni war die Inflationsrate auf 3,6 Prozent gestiegen, wĂ€hrend die Notenbank eine Rate von zwei Prozent anstrebt. Die hohe Inflation spricht gegen weitere Zinssenkungen. Die gleichzeitig schwĂ€chelnde Realwirtschaft spricht hingegen dafĂŒr.
Die Notenbank geht jetzt davon aus, dass die Inflationsrate im September mit 4,0 Prozent den Höhepunkt erreichen dĂŒrfte. "Insgesamt ist der geldpolitische Ausschuss der Ansicht, dass die AufwĂ€rtsrisiken hinsichtlich des mittelfristigen Inflationsdrucks seit Mai leicht gestiegen sind."
"Wir bleiben bei unserer EinschÀtzung, dass die BoE weiterhin ihre Leitzinsen nur auf jeder zweiten Sitzung senkt", kommentierte Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. "Die nÀchste Senkung steht damit wohl im November an."
Im August 2024 hatte die Notenbank erstmals seit der groĂen Inflationswelle die Zinsen nach unten gesetzt. Seitdem wurden sie um insgesamt 1,25 Punkte reduziert.
Die FinanzmÀrkte gehen von sehr vorsichtigen Zinssenkungen aus. Das britische Pfund legte nach der Entscheidung zu allen wichtigen WÀhrung zu. Die Renditen von britischen Staatsanleihen stiegen an. Der britische Aktienmarkt gab gegen den Trend in Europa nach.

