Energie, Umweltschutz

Netzagentur ermittelt wegen FristverstĂ¶ĂŸen bei Smart-Meter-Rollout

23.04.2026 - 17:56:45 | dts-nachrichtenagentur.de

Die Bundesnetzagentur hat im MÀrz Ermittlungsverfahren gegen 77 Netzbetreiber eingeleitet, die bisher keinen einzigen intelligenten StromzÀhler (Smart Meter) verbaut haben sollen.

Moderne StromzÀhler (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Moderne StromzÀhler (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
"Es geht nicht um Netzbetreiber, die trödeln, sondern um Netzbetreiber, die glasklare gesetzliche Fristen gerissen haben", sagte der PrĂ€sident der Bundesnetzagentur, Klaus MĂŒller, dem Podcast "Klima-Labor" von ntv. "Wenn wir keinen Fortschritt sehen, zielen unsere weiteren Maßnahmen klar auf ein Zwangsgeld ab."

MĂŒller zufolge hat seine Behörde den Ausbaustand im vergangenen Jahr quartalsweise abgefragt. "Es gab also mindestens vier Haltelinien, um den Ausbau hochzurechnen und zu beschleunigen", erklĂ€rte er. Dennoch hĂ€tten Dutzende Unternehmen nicht mit dem Rollout begonnen.

"Mehrere Netzbetreiber haben sich bei uns gemeldet und gesagt: Das ist alles irgendwie dumm gelaufen", beschreibt MĂŒller die Reaktionen auf die Ermittlungsverfahren. "Aber das wollen wir nicht mehr hören. Wir wollen wissen, wann die 77 Unternehmen ihre Pflicht erfĂŒllt haben."

MĂŒller rĂ€umt ein, dass speziell kleinere Netzbetreiber die Einbaufristen reißen. Das seien Unternehmen, in denen der Rollout hĂ€ufig von Kollegen nebenbei betreut werde. Der Chef der Netzagentur möchte die personelle Ausstattung jedoch nicht als Entschuldigung gelten lassen. "Die hĂ€tten einen Dienstleister beauftragen können", sagte er.

Zudem gebe es auch unter kleineren Netzbetreibern positive Beispiel wie die Stadtwerke LĂŒbz: Diese haben 2024 als erste Messstellenbetreiber Deutschlands die 100-prozentige Pflichtabdeckung erreicht.

Deutschland hat sich beim Einbau von intelligenten StromzĂ€hlern anders als viele europĂ€ische Nachbarn fĂŒr einen selektiven Rollout entscheiden. Zuerst mĂŒssen die 813 grundzustĂ€ndigen Messstellenbetreiber alle privaten und gewerblichen Anwender mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden ausstatten. Auch Anwender, die mehr als 7 Kilowatt Strom erzeugen können, sind betroffen. Dasselbe gilt fĂŒr Haushalte, die ein steuerbares GerĂ€t wie WĂ€rmepumpe oder Batteriespeicher besitzen.

Die Zielmarke fĂŒr den Pflichteinbau liegt bei 90 Prozent bis Ende 2032. Die Vorgabe fĂŒr Ende 2025 waren 20 Prozent. Diese wurde deutschlandweit betrachtet ĂŒbertroffen: Laut Bundesnetzagentur sind bisher 23,3 Prozent der PflichtfĂ€lle mit einem Smart Meter ausgestattet. Betrachtet man alle Messstellen in allen Haushalten und gewerbliche Einrichten liegt die Einbauquote bei 5,5 Prozent.

Deutschland gehört damit beim Smart-Meter-Rollout zu den europÀischen Schlusslichtern. In DÀnemark und Schweden sind bereits seit 2021 alle Haushalte mit einem intelligenten StromzÀhler ausgestattet. Estland, Finnland, Italien, Luxemburg, Norwegen und Spanien standen damals bei bereits 98 Prozent; Frankreich, Lettland, Litauen, Malta, die Niederlande und Slowenien bei mehr als 80 Prozent.

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