Woidke sieht Energiewende wegen Stromkosten in Gefahr
27.12.2025 - 06:00:05Brandenburgs MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke hat die Bundesregierung zu einer stĂ€rkeren Entlastung der Industrie bei den Stromkosten aufgerufen. «Besonders in den energieintensiven Branchen, die von der Transformation betroffen sind â wie die Stahlindustrie, die chemische Industrie und die Pharmaindustrie - haben wir momentan die gröĂten Probleme», sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. «Die zentrale Herausforderung fĂŒr die Bundesregierung ist deswegen, die Strompreise zu senken.» Dann gebe es Sicherheit fĂŒr Investitionen.
Der Regierungschef warnte: «Bekommen wir die Strompreissenkung nicht hin, droht die Transformation in Deutschland zu scheitern.» Damit ist der Ăbergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft gemeint, bei der unter dem Strich die AtmosphĂ€re nicht mehr durch klimaschĂ€dliche Gase belastet wird - also der Umbau von Kohle und Gas hin zu Ăko-Energien.
Die EU-Kommission hatte am Dienstag mehr staatliche Beihilfen fĂŒr energieintensive Industrien erlaubt. Auch die Stahl- und Chemieindustrie, die schon unterstĂŒtzt werden, können mehr staatliche Mittel bekommen. Konkret werden Firmen indirekt von Kosten des CO2-Emissionshandels entlastet. Woidke hatte das als Schritt in die richtige Richtung gewertet.
Geringere Strompreise ohne Subventionen
Der Regierungschef hĂ€lt die bisherigen MaĂnahmen der Bundesregierung zur Entlastung fĂŒr richtig, aber nicht ausreichend. «Die Bundesregierung hat die richtigen Entscheidungen getroffen, beispielsweise mit dem Industriestrompreis und der Senkung der Netzentgelte», sagte Woidke. «Aber es braucht weitere Schritte.» Nötig seien wettbewerbsfĂ€hige Strompreise auch ohne Subventionen. Windenergieanlagen sollten nur noch da gebaut werden, wo der Strom genutzt werden kann. Und der Strom mĂŒsse regional genutzt werden können.
«Die Menschen in Brandenburg haben es verdient, dass sie auch vom Ausbau der erneuerbaren Energien profitieren», sagte Woidke. Das sei ĂŒber gĂŒnstige Strompreise in der Region und fĂŒr Wirtschaft und Industrie möglich. Der Regierungschef sieht darin nicht nur einen Vorteil fĂŒr sein eigenes Land: «Das wĂ€re ein Vorteil fĂŒr Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen», sagte Woidke. «Es gibt aber noch rechtliche Regelungen, die dem in Teilen entgegenstehen.»
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte angekĂŒndigt, dass voraussichtlich zum 1. Januar 2026 ein staatlich subventionierter, niedrigerer Industriestrompreis eingefĂŒhrt wird. Die Netzentgelte fĂŒr private Haushalte und Unternehmen, die Teil des Strompreises sind, sollen zudem sinken. Sie sind in Regionen mit viel erneuerbaren Energien wie im Norden oft höher als im SĂŒden. Woidke hatte im Juli in einem Brief an Bayerns MinisterprĂ€sidenten Markus Söder (CSU) davor gewarnt, dass wegen hoher Strompreise ein Verlust wichtiger Teile der Industrie in Deutschland drohe.
Woidke: Bundesregierung besser als ihr Ruf
Der SPD-Politiker nahm die schwarz-rote Koalition im Bund gegen Kritik in Schutz. «Die Bundesregierung arbeitet deutlich besser, als ihr Ruf ist», sagte Woidke. Welche Aufgabe ist aus seiner Sicht fĂŒr seine Partei besonders wichtig? «FĂŒr die SPD ist ein entscheidender Punkt, dafĂŒr zu sorgen, dass unser Land wieder ein Wirtschaftswachstum bekommt und dass IndustriearbeitsplĂ€tze wieder sichere ArbeitsplĂ€tze werden.»


