Daimler-Truck-Chefin: Existenz der Branche in Europa bedroht
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 04:00 Uhr, dpa.deFĂŒr die Chefin von Daimler Truck, Karin RĂ„dström, ist die Existenz der Nutzfahrzeugindustrie in Europa in Gefahr. «Wenn die CO2-Regulierung unverĂ€ndert bleibt, setzt Europa die WettbewerbsfĂ€higkeit seiner Nutzfahrzeugindustrie aufs Spiel», sagte RĂ„dström im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Sie glaube nicht, dass die Politik die Dringlichkeit verstanden habe. RĂ„dström ist derzeit auch Vorsitzende des Nutzfahrzeug-Ausschusses des Verbands europĂ€ischer Automobilhersteller (Acea).Â
Um die Klimaziele der EU zu erreichen, gibt es Vorgaben fĂŒr neue schwere Nutzfahrzeuge. So mĂŒssen deren CO2-Emissionen zum Beispiel bis 2030 um 43 Prozent im Vergleich zu 2019 sinken. Schwere Nutzfahrzeuge sind nach Angaben der EU-Kommission fĂŒr mehr als 25Â Prozent der Treibhausgasemissionen des StraĂenverkehrs in der EU verantwortlich und machen mehr als 6Â Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen aus.Â
Daimler-Truck-CEO: «GroĂe Herausforderung»Â
Um 43 Prozent an Einsparungen zu erzielen, mĂŒssten RĂ„dströms Rechnung zufolge etwa 35 Prozent aller neu zugelassenen Lkw in Europa 2030 batterieelektrisch oder mit Wasserstoff betrieben werden. Die Herausforderung sei, dass 2025 gerade einmal zwei Prozent aller schweren Lkw in Europa elektrisch waren. Von zwei Prozent im Jahr 2025 auf 35 Prozent im Jahr 2030 zu gelangen, sei «eine wirklich groĂe Herausforderung».Â
FĂŒr jeden verfehlten Prozentpunkt mĂŒsse Daimler Truck etwa 120 Millionen Euro zahlen. «FĂŒr die europĂ€ische Nutzfahrzeugindustrie hĂ€tte das also existenzielle Folgen», sagte RĂ„dström. «Wenn wir die Ziele zum Beispiel um zehn Prozentpunkte verfehlen, verdienen wir mit dem Segment Mercedes-Benz Trucks praktisch kein Geld mehr.»Â
Zum Vergleich: 2025 erzielte das Segment ein operatives Ergebnis (Ebit) von 698 Millionen Euro. 2024 hatte Mercedes-Benz Trucks noch ein Ebit von 922 Millionen Euro erzielt. Bei UmsĂ€tzen von grob 20 Milliarden Euro in beiden Jahren. Mercedes-Benz Trucks ist Firmenangaben zufolge unter der Marke Mercedes-Benz in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika aktiv.Â
Woran die E-MobilitĂ€t bei Lkw laut RĂ„dström haktÂ
«Das gröĂte Problem bleibt die Infrastruktur und das Laden», sagte RĂ„dström. Selbst diejenigen, die auf E-MobilitĂ€t umstellen wollten, seien sich nicht sicher, ob sie ihr Fahrzeug dann kĂŒnftig entlang der Strecke laden können, berichtete die Chefin des Dax-Konzerns aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart.Â
Eine weitere Herausforderung sei es, KostenparitĂ€t zu erreichen, um den E-Lkw wettbewerbsfĂ€hig im Vergleich zum Verbrenner zu machen. Das hĂ€nge an den Strom- und Dieselpreisen. «Diesel ist vergleichsweise keine teure Energiequelle», sagte RĂ„dström. Ihre Kunden fĂŒhrten ihre GeschĂ€fte mit sehr geringen Gewinnspannen. «Sie können sich keine teuren Experimente leisten», sagte die in Schweden geborene Managerin. In den meisten FĂ€llen mache fĂŒr die Kunden noch immer der Diesel Sinn.Â
Was Daimler Truck fordertÂ
«Wir fordern eine ĂberprĂŒfung der CO2-Regulierung. Das muss ein RealitĂ€tscheck sein», sagte RĂ„dström. Die Regulierung mĂŒsse unter anderem an den Hochlauf der Infrastruktur geknĂŒpft sein. AuĂerdem mĂŒsse die Infrastruktur schneller ausgebaut werden.Â
«Es ist noch zu frĂŒh zu sagen, dass wir die Ziele Ă€ndern mĂŒssen», sagte RĂ„dström. Aber angesichts des schleichenden Aufbaus der Infrastruktur und des mangelnden Willens wichtiger EU-Mitgliedsstaaten, eine CO2-Differenzierung bei der Lkw-Maut zu implementieren, sei deutlich absehbar, dass die Branche mehr Zeit brauche, um die fĂŒr 2030 vorgesehenen Ziele zu erreichen.
