Unternehmensberatung, Wettbewerb

Die Chemie muss sich neu aufstellen

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 11:20 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS
Willich - Die deutsche Chemieindustrie steht vor einem grundlegenden Transformationsbedarf: Hohe Energie- und Arbeitskosten, regulatorische Anforderungen und strukturelle Veränderungen der globalen Märkte gefährden die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland. Dr. Juan Rigall und Dr. Hermann Schiegg, Partner der Unternehmensberatung Santiago Advisors, fordern ein entschlossenes Umsteuern – sowohl auf Unternehmensebene als auch durch die Politik.
Die Chemie muss sich neu aufstellen - Bild: presseportal.de

Zentrale Handlungsfelder sind dabei die Neuausrichtung globaler Standortstrategien, die Beschleunigung von Innovationsprozessen sowie der gezielte Einsatz digitaler Technologien. Besonders die starke Position Chinas im globalen Chemiegeschäft und die zunehmenden Abschottungstendenzen auf dem US-Markt verändern die Wettbewerbsbedingungen spürbar. Hinzu kommt die Transformation hin zu nachhaltigeren Rohstoffen und Produkten, bei der Kunden bislang nur begrenzt bereit sind, die damit verbundenen Mehrkosten zu tragen.

„Deutschland wird nie der günstigste Chemiestandort sein. Deshalb müssen wir innovativer sein und entlang der gesamten Innovationskette bessere Bedingungen schaffen. Wir brauchen eine Industriepolitik mit klaren Schwerpunkten und längerem Atem", erklärt Dr. Hermann Schiegg.

Als Vorbild für strategisches Denken verweist Schiegg auf China, das durch langfristig angelegte Prioritäten systematisch Wettbewerbsvorteile aufgebaut habe. Europa müsse wichtige Wertschöpfungsketten gezielt stärken und Investitionen durch einfachere, schnellere und berechenbarere Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren erleichtern. Eine wichtige Rolle könnten dabei gemeinsame Innovationscampus von Industrie und Forschung sowie öffentlich geförderte Pilotanlagen spielen, um neue Entwicklungen schneller in die industrielle Anwendung zu bringen.

Neben verbesserten politischen Rahmenbedingungen sehen die Santiago-Advisors-Partner auch die Unternehmen selbst in der Pflicht. Standort-, Portfolio- und Investitionsentscheidungen mĂĽssen kĂĽnftig enger miteinander verzahnt werden.

„Unternehmen, die ihre Stärken konsequent ausspielen, haben die besten Chancen, sich zu behaupten. Dafür müssen sie sich ein Stück weit davon lösen, deutsch zu denken. Die entscheidenden Fragen lauten heute: Wo produzieren wir künftig? Wo investieren und innovieren wir? Und welche Rolle spielen einzelne Standorte im globalen Netzwerk?" betont Dr. Juan Rigall.

Effizientere Produktionsabläufe, optimierte Beschaffung und Logistik sowie schlankere Organisationsstrukturen könnten zusätzlich dazu beitragen, Kosten zu senken und die Reaktionsfähigkeit zu erhöhen. Langfristig sehen die Berater jedoch vor allem in der Innovationsfähigkeit den größten strategischen Hebel: Europäische Chemieunternehmen verfügen über eine starke Forschungsbasis, müssen diese aber schneller in wirtschaftlichen Erfolg übersetzen.

Einen wesentlichen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit können auch digitale Technologien und künstliche Intelligenz leisten. Santiago Advisors hat gemeinsam mit einem Kunden einen digitalen Zwilling entwickelt, der Materialflüsse, Produktionskapazitäten, Bestände und Nachfrage miteinander verknüpft. Auf dieser Grundlage können Tausende unterschiedliche Szenarien simuliert und mögliche Handlungsoptionen automatisiert bewertet werden.

„Mit einem digitalen Zwilling lassen sich Veränderungen in komplexen Produktions- und Liefernetzwerken schneller erkennen und ihre Auswirkungen systematisch bewerten. Risiken und Alternativen werden transparenter, während sich der manuelle Planungsaufwand deutlich reduzieren lässt. Gerade in volatilen globalen Netzwerken ermöglicht das schnellere und belastbarere Entscheidungen", erläutert Schiegg.

Auch im Bereich der Materialentwicklung eröffnen moderne computergestützte Methoden – sogenannte Computational Innovation – neue Möglichkeiten: Entwicklungszeiten lassen sich deutlich verkürzen und die Vorhersagegenauigkeit von Materialeigenschaften verbessern.

„Unternehmen können selbst viel bewirken. Sie können ihr Portfolio und Standortnetzwerk neu ausrichten, Kostenstrukturen verbessern, Innovation beschleunigen und Organisationen effizienter machen. Europa verfügt über exzellente Forschung, hoch qualifizierte Fachkräfte und eine starke industrielle Basis. Wenn wir diese Stärken konsequent nutzen und weiterentwickeln, kann die Chemie auch künftig eine Schlüsselrolle für den Industriestandort Deutschland und die Transformation Europas spielen", so Rigall. Er betont: „Das verlangt Mut zur Veränderung – und zum Risiko, und das auf allen Seiten."

Wie Unternehmen diese Herausforderungen bewerten und welche Rolle entschlossenes Handeln unter unsicheren Rahmenbedingungen spielt, untersucht die aktuelle CHEMonitor-Studie „Mut zum Risiko – offensiv entscheiden unter Unsicherheit". Die Ergebnisse sollen im November 2026 unter www.chemonitor.com veröffentlicht werden.

Santiago Advisors ist eine auf die Chemie- und Spezialchemiebranche fokussierte Unternehmensberatung. Die Partner Dr. Juan Rigall und Dr. Hermann Schiegg beraten internationale Unternehmen bei strategischen Fragen rund um Wachstum, Transformation und operative Exzellenz.


N: Eva Henseler
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