9.10. FachkrÀftemangel und Umsatzflaute belasten Gastgewerbe
09.10.2024 - 06:30:36Einige Gastronomie-Betriebe in Deutschland machen es schon. Sie setzen Roboter ein, zum Beispiel in der KĂŒche - fĂŒr einzelne Zubereitungsschritte bis zum Zusammenstellen von Gerichten wie Pasta-Speisen oder Currys. Das gab der Branchenverband Dehoga kĂŒrzlich bekannt. Kochroboter hĂ€tten kĂŒnftig sicher mehr Potenzial, hieĂ es. Auch McDonalds will kĂŒnstliche Intelligenz stĂ€rker in ihre ArbeitsablĂ€ufe integrieren. An mehr als 100 Standorten in den USA will die Schnellrestaurantkette testweise Sprach-Bestellungen von KI annehmen lassen.Â
Not macht erfinderisch. Um zu sehen, wie groĂ der Bedarf ist, muss man in Deutschland nicht lange suchen. «Personal gesucht» - bundesweit zieren AushĂ€nge TĂŒren und Fenster von Restaurants und CafĂ©s. Laut einer Studie des Kompetenzzentrums FachkrĂ€ftesicherung des Instituts der deutschen Wirtschaft hat sich die FachkrĂ€ftelĂŒcke in Hotel- und GaststĂ€ttenberufen zwischen Juni 2023 und Juni 2024 fast halbiert. Das heiĂt aber nicht, dass es genug Personal gibt. Ganz im Gegenteil. Die Betriebe suchen weiterhin, nur eben weniger FachkrĂ€fte.
Die Personalsituation sei «prekÀr», sagt der Referatsleiter Gastgewerbe der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststÀtten (NGG), Mark Baumeister. Bedingt durch Zeitdruck, niedrige Einkommen und massive Mehrarbeit falle es der Branche schwer, FachkrÀfte oder Auszubildende zu gewinnen,
Anteil ungelernter Mitarbeiter deutlich gestiegen
Weil viele Hotels, Restaurants und CafĂ©s keine qualifizierten BeschĂ€ftigten finden und die wirtschaftliche Lage schlecht ist, werden Stellen vielfach nicht mehr ausgeschrieben. Betriebe passen Leistung und Ăffnungszeiten an und setzen stĂ€rker auf Ungelernte als auf FachkrĂ€fte. FĂŒr Kunden kann sich das spĂŒrbar auswirken. Ob Weinempfehlungen oder die korrekte Bedienung am Tisch - so etwas finde bei angelernten KrĂ€ften kaum statt, sagt Baumeister. In der KĂŒche steige der Einsatz von Fertiggerichten, das Angebot werde eingeschrĂ€nkt, Saisonkarten fielen weg. Im Hotel entfalle die fachgerechte Beratung der GĂ€ste, es gebe weniger Begleitung und UnterstĂŒtzung im Bankett- und Tagungsbereich.
Die GrĂŒnde fĂŒr die Entwicklung liegen auch in der Coronazeit. Das Gastgewerbe war einer der Wirtschaftszweige, die am stĂ€rksten von der Pandemie betroffen war. Viele FachkrĂ€fte orientierten sich im Zuge dessen in andere Berufe oder Branchen um. In den Jahren 2020 und 2021 sank die Zahl der BeschĂ€ftigten laut Gewerkschaft um 330.000. Im darauffolgenden Jahr sei sie zwar wider um 224.000 gestiegen. Zwei Drittel davon waren allerdings Minijobber, also Ungelernte.Â
Zwei Jahre nach der Pandemie kommt die Branche nicht auf die Beine. Die Unternehmen kĂ€mpfen nicht nur mit Personalproblemen. Die Kunden sparten zuletzt vielfach auch bei der Nutzung gastronomischer Angebote, wie eine reprĂ€sentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigt. Jeder Dritte gibt an, dabei in den vergangenen Jahren stĂ€rker auf den Preis geachtet zu haben. Das war mehr als in anderen Bereichen wie Tickets fĂŒr Kino oder Konzerte, Möbel und Elektronik.
Laut einer Dehoga-Verbandsumfrage setzten die Hoteliers und Gastronomen im ersten Halbjahr 2024 trotz gestiegener Preise nominal knapp 11 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn brach demnach sogar um 22 Prozent ein. Die FuĂball-EM brachte nicht den erhofften Aufschwung. «Trotz gröĂter Anstrengungen wird es fĂŒr unsere Betriebe immer schwerer, wirtschaftlich zu arbeiten. Wenn sich nichts Ă€ndert, stehen weitere Tausende Betriebe vor dem Aus», sagt Dehoga-PrĂ€sident Guido Zöllick.Â
Viele Betriebe sorgen sich um LiquiditÀt
Laut einer kĂŒrzlich veröffentlichten DIHK-Konjunkturumfrage sorgen sich 29 Prozent der Unternehmen in der Gastronomie um ihre LiquiditĂ€t. Die Zahl der Insolvenzen in der Branche ist im vergangenen Jahr mit 27 Prozent ĂŒberdurchschnittlich gestiegen, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform berichtete. 14.000 haben aufgegeben, etwa jedes zehnte Unternehmen. Wie schwierige die Lage ist, zeigt sich in der Rangliste der risikobehafteten Branchen, die Creditreform fĂŒr das erste Halbjahr erstellt hat. Mit 447 gefĂ€hrdeten Betrieben je 10.000 Unternehmen liegen Restaurants, GaststĂ€tten, Imbissstuben, CafĂ©s und Eissalons auf dem 8. Platz.
Das Gastgewerbe hadert auch nach wie vor mit der Mehrwertsteuererhöhung von 7 auf 19 Prozent zum Jahresanfang. Knapp 90 Prozent der Betriebe sahen sich laut Dehoga-Umfrage dadurch gezwungen, ihre Preise zu erhöhen. Zwei Drittel erlitten sinkende UmsĂ€tze und GĂ€stezahlen. Nach den gröĂten Herausforderungen gefragt, nennen die meisten Unternehmen neben der Anhebung der Steuer auĂerdem die steigenden Kosten fĂŒr Lebensmittel und GetrĂ€nke - und fĂŒr Personal.Â
Dehoga will GeflĂŒchtete einbinden
Um die PersonalengpĂ€sse auszugleichen, will das Gastgewerbe vermehrt auf auslĂ€ndische FachkrĂ€fte setzen und auch GeflĂŒchtete stĂ€rker einbinden. «Es muss mehr getan werden, damit diejenigen Menschen aus dem Ausland, die bereits in Deutschland sind, möglichst mit Erwerbsarbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten», sagt Dehoga-GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Sandra Warden. Hier mĂŒssten gröĂere Anreize geschaffen werden, in Deutschland zu arbeiten.
Ob Kochroboter eines Tages dazu beitragen können, die Branche zu entlasten? Viele GĂ€ste schĂ€tzen der Dehoga zufolge die persönliche Gastfreundschaft. Das Gastgewerbe sei und bleibe geprĂ€gt von Menschen.Â
Der Einsatz von Roboter hat dabei noch einen weiteren Haken: den Preis. Ein Exemplar kostet dem Verband zufolge meistens mehr als 10.000 Euro und ĂŒbernehme letztendlich doch nur einfache «LĂ€ufer-Aufgaben».





