ROUNDUP, Scholz

Scholz vertraut auf Biden - Nato-Gipfel startet

09.07.2024 - 17:48:36

Die Debatte ĂŒber den Gesundheitszustand von US-PrĂ€sident Joe Biden hĂ€lt sich hartnĂ€ckig, doch Bundeskanzler Olaf Scholz steht beim Nato-Gipfel fest an der Seite seines VerbĂŒndeten.

Vor dem JubilĂ€umstreffen der Staats- und Regierungschefs in Washington wischte Scholz BefĂŒrchtungen einer Überforderung des Gastgebers weg. "Nein, diese Sorge habe ich nicht", sagte der Kanzler vor der Abreise.

Biden wollte mit dem scheidenden Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg den Gipfel zum 75. Geburtstag des BĂŒndnisses feierlich eröffnen - sein erster Auftritt im Rampenlicht des dreitĂ€gigen Treffens.

Er wisse aus vielen GesprÀchen mit Biden, dass dieser den Gipfel gut und prÀzise vorbereitet habe. "Viele der Entscheidungen, die jetzt dort getroffen werden und vorbereitet sind, sind ja im engsten Einvernehmen zwischen Deutschland und den USA entwickelt worden", sagte Scholz. "Insofern wird das auch ein sehr erfolgreicher Gipfel sein."

Die Nato feiert bei dem dreitĂ€gigen Treffen ihren 75. Geburtstag. Dabei steht das auf 32 Alliierte gewachsene BĂŒndnis vor ernsten Herausforderungen. Vor allem braucht es Garantien fĂŒr eine stetige militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine, auch wenn Donald Trump, der republikanische Kontrahent Bidens, bei der PrĂ€sidentenwahl im November gewinnen sollte.

Fitness des Gastgebers Biden dominiert Schlagzeilen in den USA

Der 81-jĂ€hrige Biden kĂ€mpft um seine PrĂ€sidentschaftskandidatur. Er will fĂŒr die Demokraten wieder ins Weiße Haus einziehen - auch nach dem verpatzten TV-Duell gegen Trump. Selbst in der eigenen Partei stellen viele Biden infrage.

Kurz vor dem Gipfel ging der Demokrat nochmals in die Offensive und schlug konfrontative Töne gegenĂŒber Parteikollegen an. Biden wandte sich mit einem deutlichen Brief an die Demokraten im Kongress und rief - in einem fĂŒr ihn ungewöhnlichen Schritt - bei einer Live-Sendung im US-FrĂŒhstĂŒcksfernsehen an.

Nach offenen Fragen zu Besuchen eines Spezialisten fĂŒr die Parkinson-Krankheit im Weißen Haus veröffentlichte sein Arzt einen Brief, um den PrĂ€sidenten zu entlasten.

Scholz versteht Ärger um Verteidigungsausgaben nicht

Die Ampel-Regierung von Scholz hatte noch vor dem Gipfel einen Haushalt fĂŒr 2025 auf die Beine gestellt. Der Posten fĂŒr die Bundeswehr wĂ€chst um gut 1,2 statt der von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) angemeldeten 6,7 Milliarden Euro. Pistorius nannte das auf seinem Weg nach Washington Ă€rgerlich.

Scholz machte nun noch einmal deutlich, dass er in dem Haushaltskompromiss der Ampel-Spitze eine ausreichende Finanzierungsgrundlage sieht. Zugleich richtete er den Blick ĂŒber die Amtszeit der Koalition hinaus und bekrĂ€ftigte die Zusage langfristig höherer Verteidigungsausgaben.

"Die Bundeswehr kann davon ausgehen, dass Deutschland eine Nato-Quote von zwei Prozent in den nĂ€chsten Jahren immer einhalten wird und deshalb kann sie auch in den ganzen 20er Jahren und in den beginnenden 30er Jahren Bestellungen wirksam werden lassen, die fĂŒr die Sicherheit des Landes wichtig sind", sagte Scholz. Der Verteidigungshaushalt soll nach seinen Vorstellungen von 2028 an - wenn das sogenannte Sondervermögen fĂŒr die Bundeswehr verbraucht ist - auf 80 Milliarden Euro steigen.

Scholz: Ukraine so lange beistehen wie erforderlich

Scholz sicherte der Ukraine langfristige UnterstĂŒtzung gegen den russischen Angriffskrieg zu. "Und es ist gut, dass wir das in den letzten Tagen noch einmal verstĂ€rkt haben mit einer ganz klaren Botschaft: Wir werden der Ukraine so lange beistehen, wie das erforderlich ist", sagte Scholz und verwies auf Waffenlieferungen und die gemeinsame Initiative der wichtigsten Industriestaaten.

Die G7-Staaten hatten sich bei ihrem Gipfel in Italien darauf verstÀndigt, mithilfe von Zinsen aus eingefrorenem russischen Staatsvermögen ein Kreditpaket im Umfang von etwa 50 Milliarden US-Dollar (etwa 47 Mrd. Euro) zu finanzieren.

Scholz sagte, dies sei auch eine Botschaft an den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin. Dieser könne nicht darauf setzen, "dass er diesen Krieg gewissermaßen aussitzt und wartet, bis die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine nachlĂ€sst".

Neulinge und Querulanten beim Gipfel

Schlagzeilen machte vor dem Gipfel Nato-Mitglied Ungarn. Der ungarische Regierungschef Viktor Orban besuchte Putin in Moskau - und wurde dafĂŒr aus der EU scharf kritisiert. In einem Brief an seine Amtskollegen gab er nun Einblick in dessen Sicht auf den Angriffskrieg gegen die Ukraine. In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur in BrĂŒssel vorliegt, legt er die Sichtweise Putins auf den Krieg gegen die Ukraine dar.

Zum ersten Mal nach dem Beitritt nimmt Schweden an einem Nato-Gipfel teil. Unter dem Eindruck des am 24. Februar 2022 begonnenen Angriffskrieges Russlands hatten Schweden und auch Finnland ihre NeutralitÀt aufgegeben.

FĂŒr Nato-GeneralsekretĂ€r Stoltenberg wird es der letzte regulĂ€re Gipfel vor dem Abschied sein. Er ĂŒbergibt sein Amt zum 1. Oktober nach zehn Jahren an den frĂŒheren niederlĂ€ndischen Regierungschef Mark Rutte./trö/DP/men

@ dpa.de