Deutschland, Finanzen

Finanzierung deutscher Start-ups geht erneut deutlich zurück

17.07.2023 - 05:56:49 | dpa.de

Die deutsche Start-up-Szene hat zuletzt goldene Zeiten erlebt. Doch bereits 2022 hielten sich die Geldgeber zurück - die Investitionen brachen ein. Nun zeichnet sich der nächste Dämpfer ab.

Personen arbeiten in einem Coworking-Space. - Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Investments in deutschen Start-ups sind weiter eingebrochen. Von Januar bis Juni 2023 warben Wachstumsfirmen rund 3,1 Milliarden Euro ein - 49 Prozent weniger als im ersten Halbjahr des Vorjahres. Das geht aus einer neuen Analyse der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft EY hervor. Die Zahl der Finanzierungsrunden reduzierte sich demnach auf 447, nach 549 im Vorjahreszeitraum.

Start-ups sind auf finanziellen Rückenwind von Investoren angewiesen, da sie anfangs keine Gewinne schreiben. In der Corona-Pandemie hatten sie einen Boom erlebt. Im Rekordjahr 2021 hatten Investoren laut EY 17,4 Milliarden Euro in aufstrebende Unternehmen gepumpt - rund 7,6 Milliarden davon in den ersten sechs Monaten des Jahres. Start-ups hatten unter anderem davon profitiert, dass Geld billig war und die Digitalisierung in Corona-Zeiten einen Schub bekam - zum Beispiel bei Finanzgeschäften, Online-Shopping oder Essenslieferungen.

Rückgang setzt sich fort

Angesichts steigender Zinsen sowie der Unsicherheit um Ukraine-Krieg und Konjunktur saß das Geld aber bereits 2022 nicht mehr so locker:  Die Gesamtsumme brach um 43 Prozent auf rund 9,9 Milliarden Euro ein, davon entfielen rund 6 Milliarden auf das erste Halbjahr.

Nun setzt sich der Rückgang mit großen Schritten fort. Der erneute Einbruch liegt laut EY vor allem daran, dass es weniger große Deals gab. Bis einschließlich Juni gab es nur fünf Abschlüsse, die einen Wert von mehr als 100 Millionen Euro hatten. 2022 waren es noch 15.

Das Finanzierungsumfeld für Start-ups ist nach Ansicht von EY-Partner Thomas Prüver derzeit schwierig. Dies habe mehrere Gründe wie die großen geopolitischen Risiken, den hohen Inflationsdruck, das hohe Zinsniveau und die schwache Konjunkturentwicklung. Jungunternehmen müssten nun den Weg zur Profitabilität aufzeigen. «Das ist der klare Fokus, den Investoren sehen wollen», sagte er.

Gründermetropole spürt Krise

Die Gründermetropole Berlin bekam die anhaltende Krise ebenfalls zu spüren. Mit mehr als 1,4 Milliarden Euro sammelten Start-ups aus der Hauptstadt im ersten Halbjahr zwar erneut das meiste Geld ein. Ein Jahr zuvor waren es aber noch 3,4 Milliarden - mehr als doppelt so viel. Es folgten Wachstumsfirmen aus Bayern, wo das eingeworbene Risikokapital um 27 Prozent auf 851 Millionen Euro zurückging. Mit deutlichem Abstand folgten Hamburg und Nordrhein-Westfalen.

Von den zehn größten Finanzierungsrunden entfielen fünf auf Berlin. Bundesweit das meiste Geld floss mit jeweils 215 Millionen Euro an das Berliner Solar-Start-up Enpal und das Energiewende-Unternehmen 1Komma5Grad aus Hamburg.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
wirtschaft | 63855473 |

Weitere Meldungen

Klingbeil drängt Brüssel zu Übergewinnsteuer für Ölkonzerne. Wer vom Krieg profitiere, solle einen Beitrag leisten, heißt es darin. Gemeinsam mit Österreich, Italien, Portugal und Spanien wendet sich der Bundesfinanzminister in einem Brief an die EU-Kommission. (Wirtschaft, 04.04.2026 - 11:16) weiterlesen...

Kampf um Sparer: Trade Republic wird vom Jäger zum Gejagten. Neue Apps und hohe Zinsen von Digitalbanken sowie etablierten Häusern setzen selbst Platzhirsch Trade Republic unter Druck. Was das für Sparer heißt. Um Bankkunden ist ein harter Wettbewerb entbrannt. (Wissenschaft, 03.04.2026 - 05:00) weiterlesen...

Klingbeil macht in Regierung Druck für Energie-Entlastungen. Langes Warten könne sich die Regierung jetzt nicht mehr leisten, meint der Vizekanzler: Ein Entlastungsplan soll her. Die Spritpreise steigen, die Inflation zieht an. (Politik, 02.04.2026 - 14:39) weiterlesen...

Gesundheitsausgaben lagen 2025 weit über 500 Milliarden Euro. Eine detaillierte Statistik zum Jahr 2024 zeigt, wo die Kosten am meisten stiegen. In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Ausgaben im Gesundheitswesen mehr als verdreifacht. (Politik, 02.04.2026 - 09:53) weiterlesen...

Kritik an Sparvorschlägen – Warken: «Alle ins Boot». Die Koalition will nun darüber beraten, was sie umsetzt – und bekommt schon Gegenwind. Empfehlungen für eine Reform gegen höhere Krankenkassenbeiträge liegen auf dem Tisch. (Politik, 31.03.2026 - 14:50) weiterlesen...

Viel Kritik an Sparvorschlägen fürs Gesundheitswesen. Die Koalition will jetzt beraten, welche Maßnahmen sie ergreift - und bekommt schon Gegenwind. Empfehlungen für eine Reform, die höhere Krankenkassenbeiträge abwenden soll, liegen auf dem Tisch. (Politik, 31.03.2026 - 08:11) weiterlesen...