Sondervermögen und Kauflaune: Deutsche Talfahrt bald vorbei?
03.06.2025 - 10:06:47 | dpa.deWĂ€hrend schwelende Zollkonflikte Unternehmen am Investieren hindern, greifen Verbraucher nach den Jahren der Inflation wieder tiefer in die Tasche. Und kurbeln so bald die Wirtschaft an.
Das sind die Ergebnisse des neuen wirtschaftlichen Ausblicks, den die Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris vorlegte. Steht der deutschen Wirtschaft damit die Trendwende bevor?
Maues Wachstum: Kaum ein Land steht schlechter da
Handelskonflikte, teure Energie und weitere Strapazen lassen der deutschen Wirtschaft vorerst kaum Luft zum Atmen. Die OECD belĂ€sst ihre Prognose beim Mini-Wachstum von 0,4 Prozent. Unter den 54 untersuchten WirtschaftsrĂ€umen schneiden lediglich Ăsterreich und Norwegen schlechter ab.
In den vergangenen Monaten hĂ€tten Handelsbarrieren und einhergehende Unsicherheiten drastisch zugenommen, so OECD-Chefökonom Ălvaro Pereira. "Die schwĂ€cheren Wirtschaftsaussichten werden fast ausnahmslos in der ganzen Welt zu spĂŒren sein."
Besonders frappierend: Die OECD-Prognose fĂ€llt noch vergleichsweise rosig aus. Sowohl die EU-Kommission als auch die deutschen "Wirtschaftsweisen" strichen jĂŒngst ihre Aussichten auf Wachstum zusammen. Sie erwarten fĂŒr dieses Jahr nur noch eine Stagnation der Wirtschaftskraft.
Das Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung prognostizierte im MĂ€rz gar das dritte Rezessionsjahr infolge. Es wĂ€re ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik.
Kauflaune der Verbraucher kurbelt die Wirtschaft an
Anders sieht es fĂŒrs kommende Jahr aus: Hier erwarten die Fachleute der OECD statt 1,1 Prozent nun 1,2 Prozent Wachstum - damit trauen sie der deutschen Wirtschaft Ă€hnlich viel zu wie "Wirtschaftsweise" und EU-Kommission. Der Anstieg geht dabei unter anderem auf die geplanten Milliarden-Investitionen der Bundesregierung zurĂŒck. Sie waren in der vergangenen OECD-Prognose noch nicht voll berĂŒcksichtigt.
FĂŒr wichtige Impulse sorgen laut OECD die Verbraucherinnen und Verbraucher selbst, deren Konsumlaune nach den Jahren der Inflation wieder anziehen dĂŒrfte. Deutschland leidet seit Jahren unter einem schwachen Konsum. Verbraucher halten ihr Geld zusammen, weil die Preise infolge des Ukraine-Krieges deutlich anzogen. Doch obwohl sich die Teuerung wieder normalisierte und die Löhne stiegen, kam der private Konsum zuletzt nicht in Schwung - das wird sich laut OECD Ă€ndern.
Gefahr fĂŒr Verbraucher - springt die Inflation wieder an?
UnterstĂŒtzt wird der private Konsum durch höhere staatliche Ausgaben, vor allem wegen der neuen Schuldenregeln. Vor diesem Hintergrund warnen die OECD-Fachleute allerdings vor einer wieder erstarkenden Inflation: Im Zusammenspiel mit dem FachkrĂ€ftemangel könnte die steigende Nachfrage die Preise befeuern. Das Anwerben qualifizierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Ausland mĂŒsse deshalb PrioritĂ€t haben.
Gerade die exportstarke deutsche Wirtschaft bleibe zudem besonders verwundbar fĂŒr Eskalationen im Zollstreit, so die OECD. Demnach gehen rund 10 Prozent der ausgefĂŒhrten GĂŒter in die Vereinigten Staaten. Aus diesem Grund ist das Zahlenwerk der OECD auch mit Vorsicht zu genieĂen. Je nach Ausgang der Verhandlungen könnte das Wachstum deutlich schlechter oder besser ausfallen.
Ist die Trendwende in Sicht?
Bessere Aussichten im kommenden Jahr setzten hÀufig voraus, dass die Handelskonflikte in diesem Jahr weitestgehend beigelegt werden und sich die Lage dann normalisiere, sagt Michael Grömling, Konjunktur-Chef am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). "Das ist schon eine gewaltige Annahme, wenn man sich die erratische Politik des US-PrÀsidenten anschaut."
Auch die geplanten Investitionen der Bundesregierung könnten das Problem nicht allein lösen. "Die Frage ist, ob die öffentlichen Investitionen auch Investitionen von Unternehmen auslösen - oder die sich weiter zurĂŒckhalten."
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