ROUNDUP, Geburtenrate

Geburtenrate sinkt auf 1,35 Kinder je Frau

17.07.2025 - 11:53:56 | dpa.de

Die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau in Deutschland zur Welt bringt, ist erneut gesunken.

Der als Geburtenrate bezeichnete Wert betrug vergangenes Jahr 1,35, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Damit lag er zwei Prozent niedriger als im Vorjahr. Der RĂŒckgang verlangsamte sich allerdings deutlich: In den Jahren 2022 und 2023 war die Geburtenrate noch um acht beziehungsweise um sieben Prozent zurĂŒckgegangen.

Ähnlich niedrige und auch noch niedrigere Werte als vergangenes Jahr gab es in Deutschland sowohl in den 1990er Jahren als auch im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. Dass sie anschließend zwischenzeitlich anstiegen, fĂŒhrt Martin Bujard, Forschungsdirektor beim Bundesinstitut fĂŒr Bevölkerungsforschung, auf hohe Investitionen in die Familienpolitik zurĂŒck, etwa in Elterngeld und die Kinderbetreuung.

Die aktuellen Zahlen seien besorgniserregend. Der RĂŒckgang liege an den multiplen Krisen, mit denen die Menschen konfrontiert seien: der Krieg in der Ukraine und die schlechte wirtschaftliche Entwicklung, aber auch die Klimakrise, Inflation und das Erstarken des Rechtspopulismus.

Experte: Negative Auswirkungen unterschÀtzt

"Wir sehen nach wie vor sehr, sehr niedrige Werte in Deutschland und Europa. Die langfristigen Auswirkungen einer so niedrigen Geburtenrate werden leider vielfach noch unterschĂ€tzt", sagt Bujard. Diese zeigten sich erst nach Jahrzehnten, wenn eine verĂ€nderte Altersstruktur zu FachkrĂ€ftemangel und sinkenden Renten trotz höherer BeitrĂ€ge fĂŒhre. "Das kostet enorm viel Wohlstand", sagt er. So gehe der derzeitige FachkrĂ€ftemangel auf die niedrigen Geburtenraten in den 1980er, 1990er und 2000er Jahren zurĂŒck.

Der Experte plĂ€diert fĂŒr mehr Investitionen in die Kinderbetreuung, die Eltern in den vergangenen Jahren oft als nicht mehr verlĂ€sslich erlebten. Denn tatsĂ€chlich wĂŒnschten sich die Menschen Kinder: bei 1,8 Kindern liege dieser Wert Untersuchungen zufolge bei Frauen und MĂ€nnern. Damit der Kinderwunsch nicht aufgeschoben, sondern umgesetzt werde, brauche es vor allem eine gesellschaftliche AtmosphĂ€re, die Mut mache und ein positives Bild von Familie vermittele.

Niedrigste Rate in Berlin, höchste in Niedersachsen

Die niedrigste Geburtenrate wurde vergangenes Jahr mit 1,21 fĂŒr Berlin, die höchste mit 1,42 fĂŒr Niedersachsen errechnet. In den östlichen FlĂ€chenlĂ€ndern lag die Rate mit 1,27 Kindern je Frau deutlich unter der in den westlichen BundeslĂ€ndern mit 1,38 Kindern je Frau. Der RĂŒckgang wurde in allen BundeslĂ€ndern festgestellt: am stĂ€rksten in ThĂŒringen mit einem Minus von 7 Prozent auf 1,24, am geringsten in Baden-WĂŒrttemberg mit einem Minus von 1 Prozent auf 1,39.

Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit betrug die Geburtenrate 1,23 Kinder - ein Ă€hnlich niedriger Wert wurde den Angaben zufolge zuletzt vor knapp 30 Jahren im Jahr 1996 gemessen, als eine Frau im Schnitt 1,22 Kinder bekam. Doch auch hier habe sich der jĂ€hrliche RĂŒckgang abgeschwĂ€cht, erklĂ€rte das Bundesamt.

Bei Frauen mit auslĂ€ndischer Staatsangehörigkeit lag die Geburtenrate bei 1,84 Kindern, das bedeutet ein Minus von zwei Prozent. "Die GeburtenhĂ€ufigkeit der auslĂ€ndischen Frauen geht seit 2017 fast kontinuierlich zurĂŒck", hieß es dazu.

RĂŒckgang in meisten EU-Staaten

Die bis 2023 vorliegenden Daten zeigten, dass die Rate in den meisten Staaten der EuropĂ€ischen Union (EU) im Vorjahresvergleich weiter gesunken sei, erklĂ€rt das Bundesamt. Sie betrug fĂŒr alle 27 EU-Staaten 2023 durchschnittlich 1,38 Kinder je Frau - zehn Jahre zuvor waren es noch 1,51 Kinder je Frau.

Deutschland lag 2023 im europĂ€ischen Durchschnitt. Am höchsten war die Rate in dem Jahr in Bulgarien mit 1,81 Kindern je Frau, die niedrigsten Raten wurden fĂŒr Malta mit 1,06 und fĂŒr Spanien mit 1,12 Kindern je Frau nachgewiesen.

Der Kinderwunsch wird tendenziell immer weiter aufgeschoben: Das durchschnittliche Alter der MĂŒtter bei der Geburt ihres ersten Kindes betrug 2024 in Deutschland 30,4 Jahre, die VĂ€ter waren im Schnitt 33,3 Jahre alt. Im Jahr 2015 waren MĂŒtter im Durchschnitt 29,7 Jahre und VĂ€ter 32,8 Jahre alt.

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