Frauen sehen keine Chancengleichheit in der Arbeitswelt
02.03.2024 - 05:42:46Die Mehrheit der Arbeitnehmerinnen in Deutschland fĂŒhlt sich ungerecht bezahlt - und hat wenig Hoffnung, dass sich das zeitnah Ă€ndert. Wie eine reprĂ€sentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov in Auftrag der Jobbörse Indeed ergab, sind 57 Prozent der Frauen der Meinung, nicht ausreichend entlohnt zu werden. Damit liegt Deutschland nahe am internationalen Durchschnitt: Unter den Befragten aus elf LĂ€ndern waren 56 Prozent der Arbeitnehmerinnen mit ihrer Bezahlung unzufrieden.
Laut dem «Work needs Women Report» blickt jede zweite Frau in Deutschland einer geschlechtergerechten Zukunft pessimistisch entgegen. 53 Prozent schĂ€tzen eine gleichberechtigte Bezahlung von MĂ€nnern und Frauen erst in 50 Jahren als realistisch ein. FĂŒr den Report wurden ĂŒber 14.000 arbeitstĂ€tige Frauen in elf LĂ€ndern, darunter Deutschland, USA, Frankreich, Indien und Japan befragt.
Frauen fordern selten eine Gehaltserhöhung
Dem Statistischen Bundesamt zufolge lag der sogenannte Gender Pay Gap, also die EinkommenslĂŒcke zwischen MĂ€nnern und Frauen, 2023 in Deutschland pro Stunde unbereinigt bei 18 Prozent. Dennoch haben hierzulande laut Umfrage 45 Prozent der befragten Frauen noch nie eine Lohnsteigerung gefordert. Viele (29 Prozent) gaben demnach an, sich schlicht und einfach nicht zu trauen. Auch bei der Bitte um Beförderung fĂŒhlen sich wenige Frauen in Deutschland (23 Prozent) wohl.
WĂ€hrend bei Ă€lteren Arbeitnehmerinnen nur 31 Prozent eine Gender Pay Gap wahrnehmen, sind es laut der Befragung bei jĂŒngeren Generationen wie Gen Z und jĂŒngeren Millennials (25-34 Jahre) fast die HĂ€lfte (49 Prozent). «Wir beobachten eine Generation junger Frauen, die mit dem Bewusstsein einer geschlechterungerechten Bezahlung aufgewachsen ist», sagte Ute Neher, Arbeitsmarktexpertin bei Indeed in einer Mitteilung.
Um die Gender Pay Gap zu schlieĂen, benötige es zum einen strukturelle VerĂ€nderungen in Unternehmen und Politik. «Wir brauchen mehr Transparenz bei GehĂ€ltern und eine konsequente Umsetzung von Gesetzen zur Entgeltgleichheit», sagte Neher. «Zum anderen liegt es an jeder einzelnen Frau, sich fĂŒr eine gerechte Bezahlung einzusetzen.»
Kinderbetreuung und Sexismus als Karrierehindernis
Dem Report zufolge denkt fast jede zweite Frau hierzulande (49 Prozent), dass MĂ€nner bessere Karrierechancen haben. Demnach benennen 47 Prozent davon Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen als gröĂte Karrierehindernisse. 40 Prozent sehen Sexismus und Vorurteile als Problem. Zudem gibt etwa jede vierte Frau (24 Prozent) an, schon einmal am Arbeitsplatz belĂ€stigt worden zu sein.
Auch psychische Belastungen sind laut der Umfrage ein Hindernis fĂŒr Frauen in der Arbeitswelt. Knapp die HĂ€lfte der befragten Arbeitnehmerinnen in Deutschland (46 Prozent) war oder ist psychisch belastet. 54 Prozent fĂŒhlen sich unwohl Vorgesetzten davon zu berichten. Im internationalen Vergleich sind es 43 Prozent.


