Studie, FachkrÀfte

Studie: FachkrĂ€fte fĂŒr die Energiewende dringend gesucht

22.11.2023 - 15:42:16

Die Energiewende gilt als Jobmotor. TatsĂ€chlich sucht die Solar- und Windenergiebranche immer mehr FachkrĂ€fte, wie eine Studie zeigt. Der Bedarf ist so groß, dass Experten fĂŒrchten, EngpĂ€sse könnten den Umbau ausbremsen.

Dachdecker und Techniker fĂŒr die Montage von Solaranlagen, Spezialisten fĂŒr die Planung von Windparks: FĂŒr den Ausbau der Sonnen- und Windenergie in Deutschland ist die Nachfrage nach FachkrĂ€ften einer Studie zufolge rasant gestiegen. So nahm die Zahl der entsprechenden Online-Stellenanzeigen von 2019 bis 2022 um 91 Prozent zu, wie aus der am Mittwoch vorgelegten Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. Vor allem in der Solarbranche ist der Bedarf nach ArbeitskrĂ€ften in die Höhe geschnellt.

Die Experten fĂŒrchten, eine ungedeckte Nachfrage könne die Energiewende bremsen. Branchenvertreter hingegen geben sich gelassen und verweisen auf eigene Qualifizierungsanstrengungen und das Versprechen zukunftsfester Jobs.

Solarbranche sucht viele Mitarbeiter

Laut Analyse lag die Zahl der Online-Stellenanzeigen fĂŒr Berufe in der Solarbranche 2022 bei 52.000. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden bereits 36.000 Jobanzeigen fĂŒr den Solarbereich geschaltet, was auf ein Rekordjahr hindeutet. Auch die Zahl der Jobangebote aus der Windenergie-Branche ist gestiegen - allerdings deutlich weniger dynamisch und auf ein geringeres Niveau. 2022 wurden knapp 15.000 Stellenanzeigen fĂŒr entsprechende Berufe registriert. 2019 waren es knapp 14.000.

Den Unterschied fĂŒhren die Experten auf die Zahl der Anlagen zurĂŒck. Im Moment gibt es laut IW mehr als drei Millionen Photovoltaik-Anlagen sowie 30 000 Windkraftanlagen an Land und auf See. Allerdings seien Planung und Aufbau bei WindrĂ€dern komplexer.

HĂ€nderingend gesucht: Dachdecker und Techniker

Analog zur Ausbaugeschwindigkeit und Bedeutung der Windkraft in den Regionen finden sich die meisten Stellenausschreibungen pro BeschĂ€ftigtem in Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein. Bei den Solarunternehmen konzentriert sich die Nachfrage auf den SĂŒden und Osten. 2022 gab es die meisten Stellenangebote pro BeschĂ€ftigtem in Sachsen, Brandenburg, Berlin und Bayern.

Besonders gefragt sind SanitĂ€r-, Heizungs- und Klimatechniker sowie Bauelektriker. Immer hĂ€ufiger werden fĂŒr die Montage von Solaranlagen Dachdecker gesucht. WĂ€hrend in der Sonnenenergiebranche eher FachkrĂ€fte mit einer Berufsausbildung gesucht werden, suchen Unternehmen, die neben Solarkraft auch Windenergie im Portfolio haben, verstĂ€rkt Spezialisten und Spezialistinnen mit Hochschulstudium.

Dringender Qualifizierungsbedarf

«Wenn wir jetzt den Moment verpassen, konsequent auf Qualifizierung zu setzen, kann ein ungedeckter FachkrĂ€ftebedarf zum Bremsklotz fĂŒr die Energiewende werden», warnt Jana Fingerhut, Arbeitsmarkt-Expertin der Bertelsmann-Stiftung. Schon jetzt sei die Konkurrenz zu anderen Engpass-Berufen, etwa in Handwerk und Industrie, groß.

Es sei zwar zu beobachten, dass gerade bei jungen Menschen, die auf der Suche nach sinnstiftenden TĂ€tigkeiten seien, eine Karriere im Bereich der Energiewende attraktiv sei, sagt die Politikwissenschaftlerin. Doch es brauche BemĂŒhungen, weitere Potenziale zu heben, etwa durch Teilqualifizierungen von Ungelernten und Quereinsteigern. Exemplarisch und niedrigschwellig gelinge das etwa durch die Brancheninitiative «Ohne HĂ€nde keine Wende», die sich bemĂŒht, ĂŒber Schulungsmodule Menschen fĂŒr die Installation von Solaranlagen und WĂ€rmepumpen auszubilden und zum Abschluss zu bringen.

VerbĂ€nde halten FachkrĂ€ftebedarf fĂŒr bewĂ€ltigbar

Noch sei es gelungen, dass Wachstum und FachkrĂ€ftegewinnung Schritt hĂ€tten Schritt halten können, heißt es beim Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) - auch weil viele Betriebe aus dem konventionellen Elektrohandwerk in die Solarbranche eingestiegen seien. Allerdings: Manchmal dauere es bis zu einem halben Jahr, Stellen zu besetzen - manchmal mĂŒssten AuftrĂ€ge dann verschoben werden. Um auch kĂŒnftig die Zubauziele zu erreichen, brauche es neben der Qualifizierung weitere ArbeitskrĂ€fte aus dem In- und Ausland, erklĂ€rt BSW-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Carsten König. FĂŒr die Anwerbung aus LĂ€ndern außerhalb der EU sei es beispielsweise wichtig, AbschlĂŒsse und Qualifikationen schneller anzuerkennen und ankommende Menschen bei der Wohnungssuche zu unterstĂŒtzen.

Der Wettbewerb um FachkrĂ€fte sei hart, aber man sehe sich gut aufgestellt, heißt es auch beim Bundesverband WindEnergie. Das Aufkommen der Bewerber sei hoch. Stellen zu besetzen, dauere rund drei Monate. Zudem setze man zunehmend auf Seiteneinsteiger. Mit mehreren Brancheninitiativen wirke man daraufhin, die Jobpotenziale sichtbar zu machen.

«Das Thema FachkrĂ€fte ist eine Herausforderung, aber auch durch die BemĂŒhungen der Branche lösbar», zeigt sich die PrĂ€sidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energien, Simone Peter, ĂŒberzeugt. Sie verweist vor allem darauf, dass dank des wieder an Fahrt gewinnenden Ausbaus die Jobs auch in den kommenden Jahren «zukunftsfest» seien.

@ dpa.de