Generalbundesanwalt: Nord-Stream-Ermittlungen kommen voran
01.12.2024 - 12:51:02"Es ist uns gelungen, zwei Beschuldigte zu identifizieren. Das ist aus meiner Sicht ein Erfolg, mit dem anfangs nicht unbedingt zu rechnen war", sagte Rommel dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Es bleibe allerdings noch viel zu tun. "Die IdentitÀt weiterer Beteiligter, die Tatmotivation und insbesondere die Frage nach einer etwaigen staatlichen Steuerung der Operation sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen."
Auf eine mögliche ukrainische Verwicklung und die Absichten der Sabotage angesprochen, sagte Rommel, dass sich die Ermittlungen daraus begrĂŒnden, dass Gasleitungen beschĂ€digt worden seien, die einen wichtigen Teil der deutschen Gasversorgung gewĂ€hrleisten sollten. "Damit hat ein erheblicher Angriff auf die Energieversorgung unseres Landes stattgefunden, der geeignet war, die hiesige Wirtschaft und Gesellschaft zu destabilisieren - unabhĂ€ngig von jeder politischen Einordnung."
Ende September 2022 waren die beiden Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 durch mehrere Sprengungen beschÀdigt und unterbrochen worden. Die Explosionen wurden in der NÀhe der dÀnischen Ostsee-Insel Bornholm registriert. Wenig spÀter wurden vier Lecks an drei der vier Leitungen der Nord-Stream-Pipelines entdeckt. Durch Nord Stream 1 floss zuvor russisches Erdgas nach Deutschland. Nord Stream 2 war wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der folgenden politischen Streitigkeiten noch nicht in Betrieb.
Zu den TĂ€tern und den Drahtziehern kursierten lange unterschiedliche Spekulationen. Mitte August war bekanntgeworden, dass der Generalbundesanwalt in dem Fall einen Ukrainer sucht, der sich von Polen in sein Heimatland abgesetzt haben soll. Bisher ist er nicht gefasst.
Rommel: Gefahren fĂŒr Deutschland sind vielfĂ€ltig
Die Bedrohungslage in Deutschland ist Rommel zufolge ernst: "Wir leben in unruhigen Zeiten. Die Gefahren fĂŒr unsere freiheitlich demokratische Grundordnung sind vielfĂ€ltig, sie kommen von innen, von auĂen und reichen bis in den Alltag der Gesellschaft", sagte er. Die AnschlĂ€ge durch mutmaĂliche Terroristen in Mannheim und Solingen hĂ€tten jeden treffen können, der zufĂ€llig vor Ort gewesen sei.
Es gebe keinen Grund zur Entwarnung, aber man sei auch nicht vollkommen schutzlos. "Die Sicherheitsbehörden unternehmen erhebliche Anstrengungen, diese Gefahren abzuwehren", sagte Rommel. Ihm zufolge hat die politisch motivierte KriminalitÀt zuletzt in allen Bereichen zugenommen: "Sie ist rechts deutlich stÀrker gestiegen als links, aber noch deutlicher beim islamistischen Terrorismus. Ich tue mich daher schwer, da eine Rangfolge festzulegen."

