ROUNDUP, Phase

Erste Phase der Gaza-Waffenruhe lÀuft ab

01.03.2025 - 07:20:03

Die erste Phase der mĂŒhsam ausgehandelten Waffenruhe im Gazastreifen lĂ€uft heute aus.

Was als NĂ€chstes passiert, hĂ€ngt von weiteren Verhandlungen ab. Die sollen laut israelischen Medienberichten heute zu Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan fortgesetzt werden. "Die Waffenruhe und die Vereinbarung ĂŒber die Freilassung der Geiseln mĂŒssen halten. Die kommenden Tage sind kritisch", sagte UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres. "Die Parteien dĂŒrfen keine MĂŒhe scheuen, um ein Scheitern dieses Deals zu verhindern", sagte Guterres laut einer UN-Mitteilung in New York.

Das Abkommen zwischen Israel und der islamistischen Hamas sieht vor, dass die Waffenruhe fortgesetzt werden kann, solange GesprĂ€che ĂŒber die nĂ€chste Phase gefĂŒhrt werden. So mĂŒhsam die Verhandlungen ĂŒber die erste Phase waren - die nĂ€chsten Schritte dĂŒrften jedoch noch viel schwieriger werden. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen der Hamas erfuhr, beabsichtigt die Islamistenorganisation, der VerlĂ€ngerung der ersten Phase nicht zuzustimmen. Sie pocht darauf, mit der zweiten Phase des Abkommens weiterzumachen.

Brechen die KĂ€mpfe wieder aus?

In dieser zweiten Phase soll der Krieg fĂŒr beendet erklĂ€rt werden. "Das wird nicht passieren - niemals", zitierte der US-Fernsehsender CNN eine israelische Quelle. Israel will Medienberichten zufolge eine VerlĂ€ngerung der ersten Phase um 42 Tage erreichen. Demnach könnte Israel versuchen, einen zusĂ€tzlichen Austausch lebender oder toter israelischer Geiseln gegen weitere palĂ€stinensische HĂ€ftlinge zu erzielen - und dann alles in der Schwebe lassen. "Sie werden es so vage wie möglich halten", sagte die israelische Quelle CNN.

Die rechtsextremen Koalitionspartner von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu fordern, dass der Krieg so lange fortgesetzt wird, bis die Hamas vollstĂ€ndig zerstört ist. Netanjahu beriet sich Medienberichten zufolge am spĂ€ten Abend mit Ministern und Verteidigungsbeamten ĂŒber das weitere Vorgehen. Sein Verhandlungsteam war zuvor nach indirekten GesprĂ€chen mit den Vermittlern Katar, Ägypten und den USA aus Kairo zurĂŒckgekehrt. Die Verhandlungen sollen den Berichten nach jedoch heute fortgesetzt werden.

Verhandlungen sollen weitergehen

Sollten bei den Verhandlungen Fortschritte erzielt werden und sie sich einer Einigung nĂ€hern, könnte der US-Sondergesandte Steve Witkoff laut der US-Nachrichtenseite "Axios" möglicherweise schon an diesem Sonntag in die Region reisen, um zu versuchen, die Verhandlungen zum Abschluss zu bringen. Witkoff sagte zu CNN, er hoffe, eine VerlĂ€ngerung der ersten Phase zu erreichen, um ĂŒber die zweite Phase des Abkommens verhandeln zu können.

Guterres reist nach Kairo

UN-GeneralsekretĂ€r Guterres kĂŒndigte unterdessen an, in der kommenden Woche nach Kairo zu einem Sondergipfel der Arabischen Liga zu reisen, bei dem der Wiederaufbau des vom Krieg verwĂŒsteten Gazastreifens erörtert werden soll. Der Gipfel am Dienstag in der Ă€gyptischen Hauptstadt biete den Staats- und Regierungschefs aus der ganzen arabischen Welt die Gelegenheit, "zusammenzukommen und die Elemente zu erörtern, die fĂŒr die Schaffung von Frieden und StabilitĂ€t" erforderlich seien, sagte Guterres laut UN-Mitteilung.

Die GesprĂ€che ĂŒber die zweite Phase der seit dem 19. Januar in Gaza geltenden Waffenruhe hĂ€tten eigentlich schon Anfang Februar beginnen sollen. Der Deal sieht vor, dass in der Phase die restlichen lebenden Geiseln im Austausch gegen weitere palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freikommen. Israels Truppen sollen aus Gaza abziehen und der Krieg dauerhaft beendet werden.

Eigentlich sollten Israels StreitkrĂ€fte heute schon mit dem schrittweisen Abzug aus einem Korridor entlang der Grenze des Gazastreifens zu Ägypten beginnen und rund eine Woche spĂ€ter abschließen. Israels Verteidigungsminister Israel Katz machte jedoch bereits deutlich, dass die Soldaten im sogenannten Philadelphi-Korridor stationiert bleiben. Israel will verhindern, dass die Hamas wieder Waffen durch Tunnel unter der Grenze hindurch nach Gaza schmuggelt.

Ramadan beginnt

Die Islamistenorganisation rief derweil ihre AnhĂ€nger dazu auf, wĂ€hrend des heute beginnenden Fastenmonats Ramadans eine starke PrĂ€senz an der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem zu zeigen. Die Moschee ist ein wichtiges Heiligtum des Islams und das zentrale Symbol fĂŒr den von der Hamas gefĂŒhrten Kampf gegen den Staat Israel und die Besatzung der PalĂ€stinensergebiete.

Das Massaker vom 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen in Israel ermordet und mehr als 250 weitere in den Gazastreifen verschleppt wurden, wird von der Hamas als "Al-Aksa-Flut" bezeichnet. Die Moschee steht auf dem Tempelberg in Jerusalem, wo in der Antike einst der jĂŒdische Tempel stand. Die als Klagemauer bezeichneten Reste des Tempels gelten als heiligster Ort des Judentums. Der Ramadan gilt insbesondere in den besetzten PalĂ€stinensergebieten und in Jerusalem als anfĂ€llig fĂŒr erhöhte Spannungen.

@ dpa.de