Energiepolitik, Gaskraftwerke

EU-Kommission genehmigt deutsche Milliardenbeihilfe fĂŒr neue Gaskraftwerke

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 11:57 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die EU-Kommission hat eine milliardenschwere deutsche Beihilfe zur Förderung neuer Gaskraftwerke und weiterer KapazitĂ€ten im Stromsystem genehmigt. Der neue KapazitĂ€tsmechanismus soll ab 2031 die Versorgungssicherheit in Deutschland absichern und ist fĂŒr verschiedene Technologien offen.

EU genehmigt deutsche Milliarden-Beihilfe fĂŒr Gaskraftwerke
EU-Fahnen (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die EU-Kommission hat die milliardenschwere Förderung fĂŒr den Bau neuer Gaskraftwerke und weiterer KapazitĂ€ten in Deutschland genehmigt. Die BrĂŒsseler Behörde gab am Mittwoch grĂŒnes Licht fĂŒr den entsprechenden KapazitĂ€tsmechanismus, den die Bundesregierung zur Sicherung der Stromversorgung angemeldet hatte.

KapazitÀtsmechanismus ab 2031 mit Milliardenvolumen

Der neue KapazitĂ€tsmechanismus soll ab 2031 zur VerfĂŒgung stehen und die Stromversorgung auch bei hoher Nachfrage oder schwankender Einspeisung aus erneuerbaren Energien absichern. Die Kosten der Maßnahme werden auf 15,6 Milliarden bis 35,2 Milliarden Euro geschĂ€tzt. Ziel ist, ausreichende KapazitĂ€ten fĂŒr Erzeugung, Speicherung und flexiblen Verbrauch von Strom zu sichern, damit die Stromproduktion die erwartete Nachfrage kontinuierlich decken kann.

Deutschland hatte die Maßnahme zur GewĂ€hrleistung der Versorgungssicherheit bei der EU-Kommission notifiziert. Die Kommission prĂŒfte sie nach den EU-Beihilfevorschriften und stufte sie als erforderlich und geeignet ein, um das angestrebte Ziel im Einklang mit der EU-ElektrizitĂ€tsverordnung zu erreichen.

VergĂŒtung fĂŒr bereitgestellte KapazitĂ€ten

Der Mechanismus sieht vor, dass der Übertragungsnetzbetreiber die KapazitĂ€ten vergĂŒtet, die zur Einhaltung eines festgelegten ZuverlĂ€ssigkeitsstandards nötig sind. Dieser Standard wurde auf Basis einer europaweiten AbschĂ€tzung der Ressourcenangemessenheit festgelegt und soll sicherstellen, dass genĂŒgend flexible Leistung zur VerfĂŒgung steht, um EngpĂ€sse zu vermeiden.

Die UnterstĂŒtzung wird nicht automatisch gewĂ€hrt, sondern nur fĂŒr Projekte, die in einem transparenten und diskriminierungsfreien Ausschreibungsverfahren ausgewĂ€hlt werden. So soll gewĂ€hrleistet werden, dass die Beihilfen wettbewerblich vergeben werden und die Auswirkungen auf Wettbewerb und Handel zwischen den Mitgliedstaaten begrenzt bleiben.

Offen fĂŒr verschiedene Technologien

Der KapazitĂ€tsmechanismus steht allen Technologien offen und umfasst sowohl bestehende als auch neue KapazitĂ€ten sowie grenzĂŒberschreitende BeitrĂ€ge. Neben Gaskraftwerken können damit auch Speicherlösungen oder nachfrageorientierte Maßnahmen berĂŒcksichtigt werden, sofern sie zur Sicherung der Stromversorgung beitragen.

Die Maßnahme ist ausdrĂŒcklich darauf angelegt, sowohl nationale als auch im Ausland verortete KapazitĂ€ten einzubinden. Dadurch sollen Synergien im europĂ€ischen Strommarkt genutzt und Doppelstrukturen vermieden werden.

WasserstofffĂ€higkeit als Vorgabe fĂŒr neue Gaskraftwerke

FĂŒr neue Gaskraftwerke, die einen KapazitĂ€tsvertrag mit einer Laufzeit von 15 Jahren anstreben, gilt die Vorgabe, dass sie wasserstofffĂ€hig sein mĂŒssen. Sie sollen zu einem spĂ€teren Zeitpunkt auf Wasserstoff oder andere treibhausgasĂ€rmere Brennstoffe umgestellt werden können.

Mit dieser Bedingung soll verhindert werden, dass langfristige AbhÀngigkeiten von fossilem Erdgas entstehen, wÀhrend gleichzeitig kurzfristig flexible KapazitÀten aufgebaut werden. Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Beihilferegelung nur begrenzte Auswirkungen auf den Wettbewerb haben wird und dennoch einen wichtigen Beitrag zur Stromversorgungssicherheit leisten kann.

Mit der Genehmigung des neuen KapazitĂ€tsmechanismus durch die EU-Kommission erhĂ€lt Deutschland ein weiteres zentrales Instrument, um die Stromversorgung in einem zunehmend erneuerbaren Energiesystem abzusichern. Der Mechanismus zielt darauf, zuverlĂ€ssige ReservekapazitĂ€ten zu vergĂŒten, die einspringen, wenn Wind- und Solarstrom nicht ausreichen oder der Verbrauch besonders hoch ist.

Hintergrund: Versorgungssicherheit im erneuerbaren Energiesystem

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche konventionelle Kraftwerke vom Netz genommen oder haben Abschaltperspektiven erhalten, wĂ€hrend der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix deutlich gestiegen ist. Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie und dem geplanten RĂŒckgang der Kohleverstromung steigt die Bedeutung von flexiblen KapazitĂ€ten, die kurzfristig einspringen können, um Lastspitzen abzudecken und NetzstabilitĂ€t zu gewĂ€hrleisten. Der KapazitĂ€tsmechanismus setzt genau hier an und vergĂŒtet nicht nur tatsĂ€chlich erzeugten Strom, sondern das Bereithalten von Leistung.

Die Öffnung fĂŒr unterschiedliche Technologien – von klassischen Gaskraftwerken ĂŒber Speicher bis hin zu Nachfragesteuerung – soll sicherstellen, dass nicht nur eine einzelne Lösung gefördert wird. Gleichzeitig wird durch die Pflicht zur WasserstofffĂ€higkeit bei neuen Gaskraftwerken ein BrĂŒckenschlag zur langfristigen Klimapolitik angelegt: Die Anlagen sollen perspektivisch von fossilem Erdgas auf klimafreundlichere Brennstoffe umgestellt werden können, ohne dass neue Investitionen in komplett andere Infrastrukturen nötig werden.

Bedeutung fĂŒr Energiewirtschaft und Verbraucher

FĂŒr die Energiewirtschaft schafft der KapazitĂ€tsmechanismus zusĂ€tzliche Erlöspfade neben dem Strommarkt, was insbesondere fĂŒr Investitionen in neue flexible Kraftwerke entscheidend sein kann. Unternehmen erhalten durch lĂ€ngerfristige KapazitĂ€tsvertrĂ€ge mehr Planungssicherheit in einem volatilen Marktumfeld. FĂŒr Netzbetreiber und Politik bietet der Mechanismus die Möglichkeit, einen klar definierten ZuverlĂ€ssigkeitsstandard zu etablieren und ĂŒber Ausschreibungen gezielt die benötigte KapazitĂ€t zu sichern.

FĂŒr Verbraucherinnen und Verbraucher könnte der Mechanismus langfristig sowohl Chancen als auch Risiken bergen. Einerseits soll er StromausfĂ€lle und extreme Preisspitzen verhindern, indem ausreichend Reserven zur VerfĂŒgung stehen. Andererseits entstehen Kosten im zweistelligen Milliardenbereich, die – je nach Ausgestaltung der Netzentgelte und Umlagen – mittelbar auf Strompreise durchschlagen können. Die Ausgestaltung der Ausschreibungen und die Integration von NachfrageflexibilitĂ€t werden daher entscheidend dafĂŒr sein, wie kosteneffizient die Versorgungssicherheit erreicht wird.

Ausblick: Rolle im europÀischen Strommarkt

Die europĂ€ische Dimension ist ein wesentlicher Bestandteil des Mechanismus. Durch die BerĂŒcksichtigung grenzĂŒberschreitender KapazitĂ€ten und die Orientierung an einer EU-weiten Angemessenheitsbewertung soll verhindert werden, dass nationale AlleingĂ€nge zu Marktverzerrungen fĂŒhren. Deutschland positioniert sich damit als großer Markt, der Versorgungssicherheit nicht nur national, sondern in enger Abstimmung mit den NachbarlĂ€ndern organisiert.

In den kommenden Jahren wird sich zeigen, wie erfolgreich der Mechanismus in der Praxis funktioniert und ob er die gewĂŒnschten Investitionen anzieht. Anpassungen sind möglich, wenn sich Marktbedingungen oder europĂ€ische Rahmenbedingungen Ă€ndern. Klar ist bereits jetzt, dass der KapazitĂ€tsmechanismus ein zentraler Baustein der deutschen und europĂ€ischen Energie- und Klimapolitik werden dĂŒrfte, weil er die Balance zwischen Versorgungssicherheit, Klimazielen und Kosteneffizienz neu justiert.

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