EU-Kommission lockert Umweltauflage fĂŒr Bauern
13.02.2024 - 15:29:41Die EU-Kommission lockert eine Umweltauflage fĂŒr europĂ€ische Bauern, obwohl sie dabei keine Mehrheit der EU-Staaten unterstĂŒtzt. RĂŒckwirkend zum 1. Januar wird die Vorgabe ausgesetzt, vier Prozent des Ackerlandes brachliegen zu lassen oder unproduktiv zu nutzen, wie die BrĂŒsseler-Behörde am Dienstag mitteilte. Durch die Auflage, FlĂ€chen etwa brachliegen zu lassen, soll eigentlich die Umwelt geschĂŒtzt werden.Â
Bundesumweltministerin Steffi Lemke (GrĂŒne) kritisierte: «Mit dieser Verpflichtung sollte das anhaltende Artenaussterben in unseren Agrarlandschaften gebremst werden.» Sie setze sich dafĂŒr ein, dass die Ausnahmen in Deutschland nicht umgesetzt wĂŒrden.  Der Deutsche Bauernverband fordert hingegen, dass die Ausnahme zĂŒgig und vollstĂ€ndig auf den Weg gebracht wird. Deutschland könne der Kommission bis spĂ€testens 29. Februar mitteilen, ob von der Option Gebrauch gemacht werde.
Die Proteste der Bauern zeigen Wirkung
Voraussetzung, die Ausnahme in Anspruch nehmen zu können, ist den Angaben der Kommission zufolge, dass Bauern im Gegenzug auf vier Prozent ihrer AckerflĂ€chen stickstoffbindende Pflanzen wie Linsen oder Erbsen beziehungsweise ZwischenfrĂŒchte anbauen.  In einem ersten Vorschlag war noch von sieben Prozent AckerflĂ€che fĂŒr stickstoffbindende Pflanzen die Rede. Wie ein Sprecher der EU-Kommission auf Nachfrage erklĂ€rte, habe man diese Vorgabe nach RĂŒcksprache mit EU-Staaten abgesenkt, um Landwirten mehr FlexibilitĂ€t zu ermöglichen.  Â
Noch am Freitag hatte es nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums allerdings keine Mehrheit unter den EU-Staaten fĂŒr das Vorhaben gegeben. «Das Abstimmungsergebnis ist die Quittung fĂŒr den aktuellen Zickzackkurs der Kommission», sagte Ressortchef Cem Ăzdemir (GrĂŒne) laut Mitteilung. Da im zustĂ€ndigen Ausschuss weder eine ausreichende Mehrheit der EU-Staaten fĂŒr noch gegen das Vorhaben gefunden wurde, konnte die EU-Kommission die Ausnahmen eigenstĂ€ndig in Kraft setzen.
Mit den Ausnahmen kommt die EU-Kommission unter der Leitung von Ursula von der Leyen Forderungen protestierender Landwirt entgegen. In mehreren EU-LĂ€ndern hatten Bauern - teils gewaltsam - in den vergangenen Wochen ihren Unmut unter anderem gegen Umweltauflagen aus BrĂŒssel kundgetan.Â
Ob deutsche BĂ€uerinnen und Bauern von der Ausnahme Gebrauch machen können, liegt nun in den HĂ€nden der Bundesregierung. Der Vorsitzende des Agrarausschusses des EU-Parlaments, Norbert Lins, fordert von Ăzdemir, die Ausnahmen zeitnah umzusetzen. Der CDU-Politiker sieht in der Ausnahmeregel ein gutes Zeichen fĂŒr die europĂ€ische Landwirtschaft.Â
Die Entscheidung mache es möglich, dass letzte verbliebene RĂŒckzugsrĂ€ume vieler Arten in der Agrarlandschaft geschreddert werden können, kritisierte die Umweltorganisation Greenpeace. «Bundesminister Ăzdemir muss jetzt standhaft bleiben und darf diesen Unsinn nicht auch noch in Deutschland mitmachen», teilte Greenpeace mit.


