Ăkonomen-Stimmen zur Zinssenkung durch die EZB
05.06.2025 - 16:39:54Der Einlagensatz wird um 0,25 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent verringert, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Dies war von Ăkonomen erwartet worden. EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde signalisierte jedoch ein vorlĂ€ufiges Ende der Zinssenkungen. Man sei mit dem aktuellen Leitzins gut positioniert.
EinschĂ€tzungen von Ăkonomen zu den geldpolitischen Entscheidungen im Ăberblick:
Jörg KrÀmer, Chefvolkswirt Commerzbank
"Auf der heutigen Pressekonferenz betonte EZB-PrĂ€sidentin Lagarde, dass die EZB zum Ende des Zinssenkungszyklus komme. Trotzdem ĂŒberwiegen noch die Argumente fĂŒr einen weiteren, letzten Zinsschritt nach der Sommerpause. Die Kerninflation sollte wegen des gefallenen Ălpreises und der Euro-Aufwertung zunĂ€chst weiter sinken. Dieses Argument fĂŒr eine weitere Zinssenkung werden sich die vielen Tauben im EZB-Rat wohl nicht entgehen lassen."
Ulrich Kater, Chefvolkswirt Dekabank
"Wir sind langsam am Ende der Zinstreppe nach unten angekommen. Ein oder maximal zwei Schritte könnten noch folgen, dann hat die EZB ein neues Gleichgewicht erreicht. Damit kann auch vorlĂ€ufig ein Haken an den Inflationsschock von vor zwei Jahren gemacht werden. Zwar sind immer noch nicht alle Inflationsviren ausgeschwitzt, denn insbesondere bei Dienstleistungen steigen die Preise noch zu schnell. Aber in den kommenden Monaten sollten vor allem die Energiepreise fĂŒr weitere Entlastung bei der Inflationsentwicklung sorgen. Die Geldpolitik unterstĂŒtzt mit ihren niedrigen Leitzinsen nun auch die Konjunktur im Euroraum, wo gegenwĂ€rtig erste Aufschwungshoffnungen aufkommen."
Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust
"Mit der achten Zinssenkung seit Juni 2024 hat die EZB eine neutrale Ausrichtung der Geldpolitik erreicht: Konjunktur und Inflation im Euroraum werden weder gefördert noch gebremst. Richtig so, kann man sagen, nachdem die Inflationsrate im Euroraum unter zwei Prozent gesunken ist. Zudem bringt der ungelöste Handelsstreit mit den USA nach wie vor erhebliche Konjunkturrisiken mit sich. Da der Zinsschritt weithin erwartet wurde, werden sich die Konditionen fĂŒr Sparer und Kreditnehmer kaum Ă€ndern. Auch im Wechselkurs des US-Dollar dĂŒrfte der Schritt bereits berĂŒcksichtigt sein. Ohnehin wird der Dollar derzeit weit stĂ€rker von den politischen Entwicklungen in den USA als von der Zinsdifferenz zum Euro geprĂ€gt."
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank
"Daher könnte die EZB zunĂ€chst eine Pause im Zinssenkungszyklus einlegen und die weitere Inflationsentwicklung abwarten. Auch die Notenbank selbst signalisiert ZurĂŒckhaltung: Die meisten Indikatoren fĂŒr die zugrunde liegende Inflation deuten darauf hin, dass sich die Teuerung nachhaltig im Bereich des mittelfristigen Zielwerts von 2 Prozent stabilisieren dĂŒrfte. Eine Inflationsrate von 2 Prozent spricht somit gegen weitere deutliche Zinssenkungen."
Jens-Oliver Niklasch, Analyst Landesbank Baden-WĂŒrttemberg
"Das war das erwartete Ergebnis. Die EZB ist mitten im neutralen Bereich ihrer Geldpolitik - da wollte sie offenbar hin. ZunĂ€chst wird sie daher eine Pause einlegen. Der Zeitpunkt dĂŒrfte geschickt gewĂ€hlt sein. Niemand weiĂ, ob die US-Zollpolitik noch zu tieferen Verwerfungen fĂŒr Realwirtschaft und Inflation fĂŒhrt, oder ob am Ende gilt: TACO - Trump always chickens out! Vermutlich nach der Sommerpause wird dieser Punkt klarer sein. Deutliche Schrammen wird die US-Politik aber schon nach heutigem Wissen im Konjunkturbild des Euroraums hinterlassen. Wir rechnen daher damit, dass die EZB noch einmal um 25 Basispunkte senken wird. Dann hĂ€tte sie wohl den maximalen Spielraum der Geldpolitik ausgelotet. FĂŒr weitergehende Schritte brĂ€uchte es einen hĂ€rteren Einbruch der Konjunktur."

