FrĂŒhere OberstaatsanwĂ€ltin Brorhilker: 'Cum-Ex lĂ€uft weiter'
02.01.2025 - 05:43:32"Cum-Ex lĂ€uft weiter - auch lange nach der GesetzesĂ€nderung von 2012", sagte die ehemalige OberstaatsanwĂ€ltin und heutige GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der BĂŒrgerbewegung Finanzwende der Deutschen Presse-Agentur.
Cum-Ex-Deals, die ihre Hochphase zwischen 2006 und 2011 hatten, gelten als gröĂter Steuerraub in der Geschichte der Bundesrepublik. Dabei inszenierten Banken und andere Investoren ein Verwirrspiel mit Aktien rund um den Dividendenstichtag. Am Ende bekamen sie von FinanzĂ€mtern Steuern erstattet, die sie gar nicht gezahlt hatten. Der Staat bĂŒĂte geschĂ€tzt mindestens zehn Milliarden Euro ein, 2012 reagierte die Politik mit einer GesetzĂ€nderung.
"Die Deals sind definitiv immer noch möglich"
Doch nach Darstellung von Brorhilker ging der Steuerraub danach weiter. Als Beispiel nennt sie eine von mutmaĂlichen Kriminellen aufgesetzte Stiftung, die 2016 fĂŒr Cum-Ex-Deals genutzt worden sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass Cum-Ex-GeschĂ€fte und artverwandte Cum-Cum-Deals noch heute durchgefĂŒhrt werden, ist nach ihrer EinschĂ€tzung hoch.
"Es heiĂt immer, die GeschĂ€fte seien technisch inzwischen unmöglich, weil die Regelungen geĂ€ndert wurden", sagte Brorhilker, die von 2013 bis FrĂŒhjahr 2024 bei der Kölner Staatsanwaltschaft fĂŒr Cum-Ex-FĂ€lle zustĂ€ndig war. Aber die TĂ€ter hĂ€tten Cum-Ex-Deals europaweit durchgefĂŒhrt und damit auch in LĂ€ndern mit anderen Regelungen und Systemen als in Deutschland. "Die TĂ€ter mĂŒssen die Deals vielleicht etwas anders abwickeln, möglich sind sie aber definitiv immer noch."
Nach wie vor sei das Risiko fĂŒr Banken, bei kriminellen Machenschaften entdeckt zu werden, sehr gering, sagte Brorhilker. "Die Banken wissen: Keiner kann es uns beweisen. Wir haben ein Kontrolldefizit, egal, welche Regeln wir aufstellen."

