ROUNDUPKindergrundsicherung, Beamtenstellen

Tausende Beamtenstellen sorgen weiter fĂŒr Streit

08.04.2024 - 16:21:56 | dpa.de

Die geplante Kindergrundsicherung sorgt weiter fĂŒr Ärger in der Koalition.

Hauptstreitpunkt sind seit Tagen die 5000 neuen Behördenstellen, die Bundesfamilienministerin Lisa Paus (GrĂŒne) als Bedarf fĂŒr das große Sozialvorhaben angemeldet hatte. Daran ĂŒbt die FDP weiterhin scharfe Kritik - auch wenn Paus ihre Forderung am Wochenende bereits abgeschwĂ€cht und angedeutet hatte, dass perspektivisch auch weniger Stellen zur Umsetzung der Kindergrundsicherung denkbar wĂ€ren. Regierungssprecher Steffen Hebestreit trat am Montag dem Eindruck entgegen, mit der Reform solle ein BĂŒrokratiemonster geschaffen werden. "Die komplette Bundesregierung strebt eine möglichst effiziente Lösung an", erklĂ€rte Hebestreit. Es baue keiner "aus Jux und Dollerei einen großen Beamtenapparat auf".

Gleichzeitig bekrĂ€ftigte er, dass die nötigen Stellen fĂŒr die Kindergrundsicherung nicht dem Ziel der Bundesregierung widersprĂ€chen, BĂŒrokratie abzubauen. Es sei "schwierig", einen Zusammenhang zwischen den beiden Zielen herzustellen, da es der Bundesregierung bei der Kindergrundsicherung um nichts Geringeres als um die BekĂ€mpfung von Kinderarmut gehe. Zur Dimension der 5000 neuen Stellen verwies der Regierungssprecher auf die Berechnung der Bundesagentur fĂŒr Arbeit, an die sich die Bundesregierung halten mĂŒsse, und die eine "ZielgrĂ¶ĂŸe" sei. Die offenen Fragen zur konkreten Ausgestaltung wĂŒrden derzeit im parlamentarischen Verfahren geklĂ€rt.

Mit der Kindergrundsicherung will die Bundesregierung bisherige Leistungen wie das Kindergeld, Leistungen aus dem BĂŒrgergeld fĂŒr Kinder oder den Kinderzuschlag in einer einzigen Leistung bĂŒndeln. Damit soll erreicht werden, dass kĂŒnftig alle Familien, denen entsprechende Leistungen zustehen, diese auch vollumfĂ€nglich erhalten. Bislang ist das laut Familienministerium nur bei einem Bruchteil der Fall. Die Kindergrundsicherung gilt als das sozialpolitische Prestigeprojekt der GrĂŒnen. Derzeit berĂ€t das Parlament ĂŒber das umstrittene Projekt, das noch im kommenden Jahr in Kraft treten soll.

Auf Nachfrage konnte das Familienministerium am Montag zunĂ€chst keine nĂ€heren Angaben dazu machen, welches Einsparpotenzial Ministerin Paus bei der Schaffung neuer Stellen ganz konkret fĂŒr möglich hĂ€lt. Die GrĂŒnen-Vorsitzende Ricarda Lang bekrĂ€ftigte am Montag, dass die bisherige Stellendimension aus ihrer Sicht ĂŒberholt sei. "Diese 5000 Stellen wird`s so nicht geben." Die Frage danach, wie viele Stellen stattdessen nötig seien, sei Gegenstand der parlamentarischen Beratungen in dieser Woche, erklĂ€rte sie weiter.

Offen blieb zunĂ€chst, ob die Bundesagentur fĂŒr Arbeit (BA) zum voraussichtlichen Stellenbedarf nun eine neue EinschĂ€tzung vornehmen wird. In der Stellungnahme zum Gesetzentwurf hatte die BA im November 2023 von zusĂ€tzlichen "5355 VollzeitĂ€quivalenten" gesprochen, die fĂŒr die Umsetzung der Kindergrundsicherung nötig seien. Das ergĂ€be doppelt so viel Personal wie in der heutigen Familienkasse, heißt es dort außerdem. Auf dpa-Anfrage teilt die BA zudem mit, dass rund 5800 BeschĂ€ftigte aktuell fĂŒr die Berechnung und Auszahlung von Kindergeld und Kindergeldzuschlag zustĂ€ndig seien. Insgesamt gehe das Kindergeld an 17, 2 Millionen Kinder - eine Million erhalte zusĂ€tzlich den Kinderzuschlag.

Familienministerin Paus betonte am Wochenende, dass sie nicht vorhabe, eine neue Behörde zu schaffen. "Wir ertĂŒchtigen die Familienkasse", sagte sie. "Wir ermöglichen durch Digitalisierung, dass Familien aktiv angesprochen werden, wenn sie eben Anspruch haben auf zusĂ€tzliche Leistungen."

FDP-GeneralsekretĂ€r Bijan Djir-Sarai warnte dagegen davor, mit der Kindergrundsicherung falsche Signale an die Familien zu senden. Anders als Paus sehe er bei Sozialleistungen keine "Bringschuld" des Staates. "Meine Vorstellung ist, dass wir auf Eigenverantwortung setzen und die Eigenverantwortung an der Stelle stĂ€rken", betonte Djir-Sarai. Kern von Kinderarmut in Deutschland sei in der Regel die Erwerbslosigkeit der Eltern. "Da mĂŒssen wir ran und die Anreize schaffen, damit die Menschen zurĂŒckkehren können zum Arbeitsmarkt."

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