ROUNDUPWeniger, AsylantrÀge

Faeser zufrieden

01.04.2025 - 13:38:56

Die geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundesinnenministerin Nancy Faeser ist zufrieden mit ihrer Bilanz.

"Unser Ziel war es, die Zuwanderung von Arbeits- und FachkrĂ€ften zu stĂ€rken, die irregulĂ€re Migration wirksam zu begrenzen und die SchleusungskriminalitĂ€t wirksam zu bekĂ€mpfen. In allen drei Bereichen sind wir stark vorangekommen", sagte sie in Berlin im RĂŒckblick auf ihre Amtszeit. Zudem habe Deutschland mehr als 1,2 Millionen KriegsflĂŒchtlingen aus der Ukraine Schutz geboten, darunter fast ein Drittel Kinder und Jugendliche.

AsylantrÀge

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, ist seit 2021 gestiegen, 2024 dann aber wieder gesunken. Die Zahl der ErstantrĂ€ge ging im Vergleich zum Vorjahr um 30,2 Prozent zurĂŒck. Noch deutlicher fiel der RĂŒckgang bei der Gesamtzahl der AntrĂ€ge aus. Faeser sieht das als Erfolg ihrer Politik: "Wir haben Asylverfahren beschleunigt und digitalisiert, und wir haben das Bundesamt fĂŒr FlĂŒchtlinge und Migration personell weiter gestĂ€rkt." Vor allem sei die Zahl der unerlaubten Einreisen gesunken, auch dank Grenzkontrollen und einem hĂ€rteren Vorgehen gegen Schleuser.

Allerdings gibt es auch Faktoren außerhalb Deutschlands. Eine Hauptursache ist nach EinschĂ€tzung des Chefs des Bundesamts fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf), Hans-Eckhard Sommer, dass Serbien im November 2023 die FlĂŒchtlingsroute nach Ungarn faktisch gesperrt habe. Ob dies dauerhaft so bleiben werde, sei offen. Faeser sagte dazu, sie selbst habe sich fĂŒr eine bessere Zusammenarbeit mit Serbien eingesetzt, das nun die SchleuserkriminalitĂ€t entschiedener bekĂ€mpfe.

Grenzkontrollen

In der Ausweitung der Grenzkontrollen sieht Faeser einen wichtigen Grund fĂŒr den RĂŒckgang der irregulĂ€ren Migration. Im Oktober 2023 hatte sie feste Kontrollen, die es zuvor nur an der Landgrenze zu Österreich gab, auch fĂŒr die Grenzen zur Schweiz sowie zu Polen und Tschechien angeordnet. Inzwischen wird an allen deutschen Landgrenzen kontrolliert.

Seit Oktober 2023 habe die Bundespolizei im Rahmen der Kontrollen etwa 86.000 unerlaubte Einreisen festgestellt und etwa 50.000 Mal Menschen zurĂŒckgewiesen, so Faeser. Unklar ist allerdings, wie viele dieser Menschen spĂ€ter oder an anderer Stelle doch eingereist sind. Wer an der Grenze Asyl beantragt, dessen Antrag auf Schutz wird geprĂŒft.

Wenn es nach der Union geht, wird es unter einer wahrscheinlichen kĂŒnftigen schwarz-roten Bundesregierung mehr ZurĂŒckweisungen geben. Die SPD will das allerdings dabei nur im Einvernehmen mit deutschen NachbarlĂ€ndern tun.

SchleuserkriminalitÀt

Bei den Kontrollen hat die Bundespolizei nach Faesers Angaben ab Oktober 2023 mehr als 2000 Schleuser festgenommen. "2024 hat die Bundespolizei 10.000 geschleuste Menschen festgestellt. 2023 waren es noch 40.000", sagte sie. Laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezahlen mehr als 90 Prozent der irregulÀren Migrantinnen und Migranten Schleuser beim Versuch, Europa zu erreichen. Es brauche mehr Ermittlungsbefugnisse, Geld und Personal, um relevante Geldströme zu verfolgen, verlangt die GdP.

Dauer von Asylverfahren

Faeser lobte, Asylverfahren seien "beschleunigt und digitalisiert" und das Bamf personell gestÀrkt worden. Doch tatsÀchlich ist die Dauer der Asylverfahren gestiegen. Wer in Deutschland einen Asylantrag stellt, wartet auf eine Entscheidung im Schnitt 8,7 Monate. Die Bearbeitung beim Bamf dauerte im vergangenen Jahr so lange wie seit 2017 nicht mehr. Damals vergingen von der Antragstellung bis zum Bescheid 10,7 Monate. Das mag teilweise damit zusammenhÀngen, dass komplizierte AltfÀlle 2024 bearbeitet wurden.

Abschiebungen

Die Zahl der Abschiebungen ist wĂ€hrend der Ampel-Zeit erheblich gestiegen, von knapp 12.000 im Jahr 2021 auf mehr als 20.000 im vergangenen Jahr. Dazu dĂŒrften VerschĂ€rfungen beigetragen haben. So wurde die gesetzliche Höchstdauer des Ausreisegewahrsams von bislang 10 Tagen auf 28 Tage verlĂ€ngert. Außerdem dĂŒrfen Behördenvertreter in GemeinschaftsunterkĂŒnften nun auch andere RĂ€ume betreten als nur das Zimmer des Abzuschiebenden.

FachkrÀftezuwanderung

Die Zahl der FachkrĂ€fte, die nach Deutschland kommen, um hier zu arbeiten, ist inzwischen deutlich höher - seit 2021 um 77 Prozent. Faeser fĂŒhrt das auf die Reform des FachkrĂ€fteeinwanderungsgesetzes zurĂŒck, die seit November 2023 schrittweise in Kraft getreten ist. "Wer gute Qualifikationen, Erfahrungen und Potenziale mitbringt, kann jetzt wesentlich leichter in Deutschland arbeiten", sagte Faeser. Auch die GrĂŒnen-Innenpolitikerin Misbah Khan sieht Fortschritte, mahnt aber: "Gravierende Defizite bestehen weiterhin, insbesondere in der Digitalisierung der Migrationsverwaltung und bei der Anerkennung auslĂ€ndischer Qualifikationen."

StaatsbĂŒrgerschaft und Integration

Die Zahl der Teilnehmer an Integrationskursen ist gestiegen, laut Innenministerium um das 2,5-Fache seit 2021 - parallel unter anderem zur Zahl der GeflĂŒchteten aus der Ukraine. An Integrationskursen, wo Menschen Deutsch lernen und in das Leben hierzulande eingefĂŒhrt werden, können nun auch jene teilnehmen, deren Asylverfahren noch lĂ€uft.

Der Weg zu einem dauerhaften Aufenthaltsrecht ist fĂŒr Migranten ĂŒber das sogenannte Chancenaufenthaltsrecht der Ampel leichter geworden. Zudem können Zuwanderer nach einer Reform des StaatsbĂŒrgerschaftsrechts schon nach fĂŒnf statt bisher acht Jahren deutsche StaatsbĂŒrger werden, vorausgesetzt sie können ihren Lebensunterhalt ohne staatliche Hilfe bestreiten. Die doppelte StaatsbĂŒrgerschaft ist auch fĂŒr Nicht-EU-BĂŒrger möglich geworden.

Kritik von der Linken

Kritik kam von der Linken-Abgeordneten Clara BĂŒnger. "Wer Abschiebung und ZurĂŒckweisung als politische Erfolge feiert, entwertet den Anspruch auf Schutz und stellt Menschenrechte zur Disposition. Wir brauchen dringend eine Kehrtwende in der Migrationspolitik - weg von Abwehr, hin zu SolidaritĂ€t und MenschenwĂŒrde", verlangte sie.

Dass die scheidende Innenministerin auch die kĂŒnftige sein wird, gilt als unwahrscheinlich: In einer neuen Bundesregierung unter einem Kanzler Friedrich Merz (CDU) dĂŒrfte die Union das Innenministerium beanspruchen.

@ dpa.de