Lufthansa-Piloten: Schlichtung endet ohne Ergebnis
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 15:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWSOffene Mediation bestimmt Lufthansa-Konflikt
- Die Schlichter Roland Koch und Bodo Ramelow legten keine eigenen LösungsvorschlÀge vor.
- Die Mediation behandelt auch die strategische Entwicklung der Lufthansa-Kerngesellschaft.
- Im Tarifstreit geht es um Altersversorgung, GehĂ€lter und einen Sozialplan fĂŒr Lufthansa Cityline.
Lufthansa und Piloten setzen auf weitere Mediation
Die Schlichtung zwischen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ist ohne Ergebnis beendet worden. Neue Streiks der Piloten drohen zunÀchst nicht, weil parallel eine umfassendere Mediation zwischen dem Unternehmen und den Crews weiterlÀuft.
Schlichter verzichten auf VorschlÀge
Die beiden Schlichter, die frĂŒheren MinisterprĂ€sidenten Roland Koch und Bodo Ramelow, legten zunĂ€chst keine eigenen LösungsvorschlĂ€ge vor. Nach dem Ende der Schlichtung kann bei einem Scheitern der Mediation nicht mehr auf deren Ergebnisse zurĂŒckgegriffen werden.
Strategie der Kerngesellschaft im Mittelpunkt
Die GesprĂ€che hinter verschlossenen TĂŒren umfassen neben tarifpolitischen Fragen auch strategische Themen. Dazu zĂ€hlt die mögliche Entwicklung der Lufthansa-Kerngesellschaft. Davon hĂ€ngen nach den internen Verlautbarungen auch die Karrierechancen der Piloten und der separat verhandelnden Flugbegleiter ab.
Streit um Gehalt und Altersversorgung
In den Tarifverhandlungen geht es um GehĂ€lter und die Altersversorgung in mehreren deutschen Flugbetrieben des Lufthansa-Konzerns. FĂŒr die bereits im April geschlossene Lufthansa Cityline verlangt die Vereinigung Cockpit zudem einen Sozialplan.
Hinter dem Streit ĂŒber die hohen Produktionskosten der Stammgesellschaft steht die Strategie des Vorstands, Flugzeuge und Crews in Betriebe mit niedrigeren Tarifbestimmungen zu verlagern. Die Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder im laufenden Jahr bereits an sieben Tagen zu Streiks aufgerufen. Auch beim Festakt zum 100. Jahrestag der GrĂŒndung der ersten Lufthansa im April fielen hunderte FlĂŒge aus.
Die gescheiterte Schlichtung beendet den Konflikt zwischen Lufthansa und der Vereinigung Cockpit nicht. Entscheidend ist, dass parallel eine weiter gefasste Mediation fortgesetzt wird, in der neben Tariffragen auch die kĂŒnftige Struktur der Lufthansa-Kerngesellschaft zur Debatte steht.
Im Zentrum stehen die Kosten der Stammgesellschaft und die Frage, in welchen Konzerngesellschaften Flugzeuge und Crews eingesetzt werden. Niedrigere Tarifbedingungen in anderen Flugbetrieben können die Kosten senken, verschĂ€rfen aber zugleich den Wettbewerb zwischen den BeschĂ€ftigtengruppen. FĂŒr Piloten und Flugbegleiter geht es damit nicht nur um Gehalt und Altersversorgung, sondern auch um langfristige Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten.
Der Konflikt reicht ĂŒber Tariffragen hinaus
Die bereits geschlossenen Vereinbarungen und die offenen Forderungen bei Lufthansa Cityline zeigen, dass der Streit mehrere Gesellschaften des Konzerns betrifft. Ein Gesamtergebnis mĂŒsste deshalb unterschiedliche Interessen von Cockpit- und Kabinenpersonal sowie die wirtschaftliche Strategie des Unternehmens zusammenfĂŒhren.
FĂŒr Passagiere ist kurzfristig vor allem relevant, dass trotz des Endes der Schlichtung zunĂ€chst keine neuen Pilotenstreiks angekĂŒndigt sind. Sollte auch die Mediation scheitern, könnte der tarifpolitische Konflikt jedoch wieder in den Vordergrund rĂŒcken. Die sieben Streiktage im laufenden Jahr und die FlugausfĂ€lle im April verdeutlichen, welche Auswirkungen eine erneute Eskalation haben könnte.
