Warburg Bank mit weiteren Steuernachforderungen konfrontiert
09.06.2023 - 16:04:44Die in den Cum-Ex-Skandal verwickelte Hamburger Warburg Bank ist mit weiteren Steuernachforderungen in Höhe von fast 100 Millionen Euro konfrontiert. Diesmal geht es jedoch nicht um Cum-Ex-, sondern um sogenannte Cum-Cum-GeschĂ€fte. Dabei wurden von auslĂ€ndischen Anlegern gehaltene Aktien kurz vor dem Dividendenstichtag an inlĂ€ndische Anteilseigner ĂŒbertragen, etwa Banken. Diese konnten sich dann die Kapitalertragssteuer anrechnen beziehungsweise erstatten lassen. Danach wurden die Aktien samt Dividende zurĂŒckgereicht. Experten gehen davon aus, dass der Steuerschaden durch diese GeschĂ€fte noch höher ist als bei den Cum-Ex-Deals, die mit zehn Milliarden Euro taxiert werden.
Die Warburg Bank bestĂ€tigte einen «Spiegel»-Bericht, wonach der Hamburger Fiskus von der Privatbank 98,6 Millionen Euro fordert. «Es ist (...) korrekt, dass es diese Steuernachforderung gibt, siehe auch unseren Jahresabschluss 2021 im Bundesanzeiger», sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Gegen den Nachforderungsbescheid fĂŒr die Jahre 2011 bis 2014 sei jedoch Einspruch eingelegt und der Bescheid damit auĂer Vollzug gesetzt.
«Wir gehen derzeit nicht von weiteren signifikanten Belastungen fĂŒr die Warburg Bank im Zusammenhang mit sogenannten Cum/Cum-Transaktionen aus», sagte die Sprecherin. Die Warburg Bank und die Warburg Invest hĂ€tten keine steuerlichen Vorteile durch die GeschĂ€fte gehabt. Die Bank habe nur als Verwahrstelle gedient. «Die steuerlichen Vorteile kamen vielmehr den Inhabern der Aktien bzw. Anlegern der Sondervermögen zugute», betonte die Sprecherin.
Bundesweit mehr als 170 Cum-Cum-FĂ€lle
Die Hamburger Finanzbehörde wollte sich nicht zum konkreten Fall Ă€uĂern und verwies auf das Steuergeheimnis. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) sagte aber der dpa: «Wir verfolgen Cum-Cum-Gestaltungen konsequent und fordern zurĂŒck, sobald wir rechtlich die Chance dazu haben.» Nach dpa vorliegenden Zahlen bearbeiten die Finanzbehörden der LĂ€nder bundesweit derzeit mehr als 170 Cum-Cum-FĂ€lle mit einem Steuerschaden von mehr als fĂŒnf Milliarden Euro. Bislang zurĂŒckverlangt worden seien davon etwa 275 Millionen Euro.
Dressel betonte: «Die Tatsache, dass wir bei der RĂŒckforderungsquote im LĂ€ndervergleich auf Platz 2 liegen, zeigt, dass Hamburg hier kein Vollzugsdefizit hat.» Genau das wurde den Hamburger Behörden im Zusammenhang mit den Cum-Ex-GeschĂ€ften der Warburg Bank vorgeworfen. Unter anderem der damalige Hamburger BĂŒrgermeister und heutige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) soll nach Treffen mit den Bankern Max Warburg und Christian Olearius möglicherweise politisch Einfluss genommen haben, so dass das Finanzamt zunĂ€chst von RĂŒckforderungen in Millionenhöhe Abstand genommen hatte.
Ein Untersuchungsausschuss der Hamburgischen BĂŒrgerschaft versucht seit mehr als zweieinhalb Jahren, den Anschuldigungen auf den Grund zu gehen. Scholz weist jegliche Einflussnahme zurĂŒck. In Berlin streiten sich Union und SPD um einen weiteren Untersuchungsausschuss im Bundestag. Die Warburg Bank selbst musste schlieĂlich aufgrund eines Gerichtsbeschlusses insgesamt mehr als 176 Millionen Euro zu Unrecht erstatteter Steuern zurĂŒckzahlen, versucht aber weiter auf juristischem Weg, gegen die geĂ€nderten Steuerbescheide vorzugehen.


