Gas-, Gasvorkommen

Deutsche Gas- und Ölförderung sinkt weiter

16.04.2024 - 14:22:25 | dpa.de

Die heimischen Öl- und Gasvorkommen gehen zur Neige. Die Branche will die Förderung aber so lange wie möglich fortsetzen. Einen Widerspruch zum Klimaschutz sehen Firmen darin nicht - im Gegenteil.

Der Erdgas-Föderplatz Goldenstedt in Niedersachsen. - Foto: Sina Schuldt/dpa
Der Erdgas-Föderplatz Goldenstedt in Niedersachsen. - Foto: Sina Schuldt/dpa

Die heimische Öl- und Gasförderung in Deutschland ist 2023 weiter gesunken. Dennoch leisteten die vor allem in Niedersachsen gewonnenen EnergietrĂ€ger nach Angaben des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) weiter einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland. «Es ist daher klug, die einheimische Produktion aufrechtzuerhalten, solange dies möglich ist», sagte BVEG-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Ludwig Möhring bei der Vorlage des Jahresberichts in Hannover.

Im vergangenen Jahr wurden im Inland noch 4,3 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus dem Boden geholt, rund zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Die heimische Ölförderung sank von 1,7 auf 1,6 Millionen Tonnen. Das entsprach nach Angaben des Verbandes beim Gas rund 5,7 Prozent der heimischen Nachfrage und damit sogar etwas mehr als 2022, beim Erdöl unverĂ€ndert rund zwei Prozent.

FrĂŒher waren es in der Bundesrepublik bis zu 20 Milliarden Kubikmeter Gas oder mehr pro Jahr, die Reserven in konventionellen LagerstĂ€tten erschöpfen sich jedoch zunehmend. Nach Angaben des BVEG liegen die noch förderbaren Erdgasreserven in Deutschland bei 34,3 Milliarden Kubikmetern, beim Erdöl seien es noch 22,8 Millionen Tonnen.

Wasserstoff und ErdwÀrme als neue GeschÀftsfelder

Angesichts der seit Jahren rĂŒcklĂ€ufigen Produktion setzt die Erdgas- und Erdölindustrie verstĂ€rkt auf die Erschließung neuer GeschĂ€ftsfelder im Rahmen der Energiewende. Gaskavernen und Pipelines ließen sich etwa fĂŒr «grĂŒnen» Wasserstoff umrĂŒsten oder als GaslagerstĂ€tten fĂŒr die Einlagerung von abgeschiedenem CO? etwa aus der Zementindustrie nutzen, sagte Möhring. Und die Bohrtechnik lasse sich fĂŒr die Erschließung von Tiefengeothermie nutzen. Neue Partner brauche man hier jedoch fĂŒr die Vermarktung der ErdwĂ€rme, die sich deutlich vom Öl- und GasgeschĂ€ft unterscheide.

Nach Ansicht Möhrings lĂ€sst sich auch die Gasproduktion steigern. Große SprĂŒnge seien angesichts schwindender Vorkommen zwar nicht möglich. Wenn es aber politisch gewollt sei, «wĂŒrden wir uns in der konventionellen Gasförderung zutrauen, nachhaltig zehn bis zwanzig Prozent mehr zu produzieren als heute». Und das ohne den Einsatz der umstrittenen Fracking-Technik. Bisher schreckten Unternehmen vor Investitionen aber zurĂŒck, weil es vor Ort oft Widerstand gegen Bohrungen gebe und aus der Politik wenig UnterstĂŒtzung komme.

Bessere CO2-Bilanz als LNG

Nach den Erfahrungen der Energiekrise durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine appellierte Möhring an die Politik, sich klar zur Fortsetzung der Öl- und Gasförderung in Deutschland zu bekennen. «Dabei geht es nicht um eine VerlĂ€ngerung des fossilen Zeitalters, sondern darum, die Transformation erfolgreich zu gestalten.» Gas werde auf absehbare Zeit als EnergietrĂ€ger gebraucht. Und Erdgas aus Deutschland schneide in der CO?-Bilanz bis zu 30 Prozent besser ab als das aus den USA importierte FlĂŒssiggas (LNG).

Noch stĂ€rker ließe sich die Förderung steigern, wenn man auch in Deutschland die Fracking-Technik einsetzen könnte, bei der Gestein mit chemischen ZusĂ€tzen aufgebrochen wird, um gebundenes Gas aus dem Boden zu holen. Große Hoffnungen, dass die umstrittene Technologie hierzulande zugelassen werde, habe er aber nicht mehr, sagte Möhring. Vor allem Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) hat sich dagegen ausgesprochen. «Es gibt da ein klares VorverstĂ€ndnis, dass das nicht gewollt ist», stellte Möhring fest.

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