IG Metall Proteste: Automobil-Beschäftigte setzen bundesweit Zeichen gegen Kahlschlag
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 03:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die IG Metall hat Beschäftigte der deutschen Automobilindustrie für diesen Montag bundesweit zu Protestaktionen gegen Einschnitte bei Arbeit und Standorten aufgerufen.
Bundesweite Aktionen in allen Automobil-Regionen
In allen Bundesländern sollen Beschäftigte von Autoherstellern und Zulieferern ein Zeichen setzen, darunter Standorte in Wolfsburg, Zwickau, Stuttgart, Saarbrücken und im Ruhrgebiet. Die Gewerkschaft setzt den Aktionstag unter das Motto „Zukunft statt Kahlschlag - Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke“. Geplant sind nach Gewerkschaftsangaben verschiedene Aktionen an mehr als 200 Orten.
Mehr als 280 Aktionen und über 100.000 Teilnehmende erwartet
Zu den angekündigten Formen des Protests gehören interne Betriebsversammlungen in Unternehmen, aktive Mittagspausen, Sternmärsche und öffentliche Kundgebungen. Die IG Metall rechnet damit, dass sich mehr als 100.000 Menschen beteiligen. Hintergrund ist die Krise der Branche mit Überkapazitäten, Jobabbau und wachsender Konkurrenz aus China, durch die ganze Autofabriken mit Tausenden Arbeitsplätzen vor einer ungewissen Zukunft stehen.
Gewerkschaft kritisiert „beispiellosen Angriff“
Die IG Metall beklagt, dass vor allem die Beschäftigten die Folgen des Strukturwandels tragen müssten. IG-Metall-Chefin Christiane Benner hatte mit Blick auf den Aktionstag erklärt, man erlebe derzeit einen „beispiellosen Angriff auf die Beschäftigten in der Automobilindustrie“ und dies müsse aufhören. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass Autohersteller und Zulieferer bereits Tausende Jobs abgebaut haben und sie weitere Einschnitte befürchtet.
Forderungen: Schutz der 35-Stunden-Woche und mehr Investitionen
Im Zentrum der Forderungen steht der Erhalt der 35-Stunden-Woche, von der sich die Gewerkschaft nicht abrücken lassen will. Mit dem Slogan „Finger weg von der 35-Stunden-Woche!“ unterstreicht die IG Metall, dass Arbeitszeitverkürzung aus ihrer Sicht ein wichtiger Bestandteil der Tarifstandards ist. Zugleich verlangt sie von den Unternehmen, wieder stärker in deutsche Standorte zu investieren.
Schwerpunkt auf Zukunftstechnologien und Modellpolitik
Als Beispiele nennt die Gewerkschaft Investitionen in Batteriefertigung, autonomes Fahren und moderne Produktionsanlagen. Außerdem fordert sie mehr Fahrzeugmodelle, die hohe Stückzahlen erreichen und damit für eine bessere Auslastung der Werke sorgen. Unter dem Slogan „Investitionen in Standorte statt Geldregen für Aktionäre!“ kritisiert die IG Metall, dass aus ihrer Sicht zu viel Kapital an Anteilseigner ausgeschüttet werde, statt es in die Zukunft der Produktionsstandorte zu stecken.
Politik soll Energiepreise senken und Zölle ausweiten
Neben den Unternehmen sieht die IG Metall auch die Politik in der Pflicht. Die Gewerkschaft fordert niedrigere Stromkosten und weniger Bürokratie, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie zu stärken. Zudem verlangt sie eine Ausweitung der Zölle auf Autos aus China sowie Finanzhilfen für Zulieferer, die ihre Produktion im Zuge der Transformation umbauen müssen.
IG Metall reagiert auf Strukturwandel in der Autoindustrie
Die bundesweiten Proteste der IG Metall richten sich gegen einen tiefgreifenden Wandel der deutschen Automobilbranche. Der Übergang zur Elektromobilität, die Digitalisierung von Produktion und Fahrzeugen sowie der steigende Wettbewerb aus China setzen traditionelle Geschäftsmodelle unter Druck. Viele Hersteller prüfen ihre Kapazitäten und Standorte, was sich direkt auf Beschäftigung, Arbeitszeiten und Tarifstandards auswirkt. Die Gewerkschaft versucht, diese Umbrüche aktiv zu begleiten und gleichzeitig bestehende Errungenschaften wie die 35-Stunden-Woche zu verteidigen.
Arbeitszeit, Investitionen und Standortpolitik im Fokus
Mit der klaren Forderung nach dem Erhalt der 35-Stunden-Woche signalisiert die IG Metall, dass Produktivitätssteigerung und Kostensenkung aus ihrer Sicht nicht einseitig zulasten der Belegschaften gehen sollen. Zugleich macht sie die Unternehmen für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Werke verantwortlich: Investitionen in Batteriefertigung, autonomes Fahren und moderne Produktionsanlagen sollen sicherstellen, dass Wertschöpfung und qualifizierte Arbeitsplätze im Land erhalten bleiben. Der Ruf nach volumenstarken Modellen zielt darauf, die Auslastung der Fabriken zu erhöhen und Werksschließungen oder Stellenabbau zu vermeiden.
Politische Dimension und Bedeutung für Beschäftigte
Indem die IG Metall niedrigere Stromkosten, weniger Bürokratie und eine Ausweitung von Zöllen auf Autos aus China fordert, rückt sie die industriepolitische Verantwortung der Regierung in den Mittelpunkt. Unterstützungsmaßnahmen für Zulieferer im Umbau sollen verhindern, dass kleinere und mittlere Betriebe in der Transformation zurückbleiben. Für Beschäftigte in Werken der großen Hersteller und bei Zulieferern ist der Aktionstag ein Instrument, um Druck aufzubauen und Sorgen über Arbeitsplatzsicherheit, Arbeitsbedingungen und Zukunftsperspektiven sichtbar zu machen. Die hohe Zahl geplanter Aktionen deutet darauf hin, dass diese Themen weit über einzelne Standorte hinausreichen und die gesamte Branche betreffen.
