Deutschland, Industrie

Gewerkschaft: Folgen des Iran-Kriegs werden unterschätzt

13.03.2026 - 12:53:50 | dpa.de

Die Industrie hat schwere Jahre hinter sich. 2026 sollte es eigentlich bergauf gehen. Nun könnte aber der Iran-Krieg ins Kontor schlagen. Gewerkschaftschef Vassiliadis warnt mit deutlichen Worten.

IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis warnt vor einem Kahlschlag, etwa in der Chemieindustrie (Archivbild) - Foto: Michael Matthey/dpa
IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis warnt vor einem Kahlschlag, etwa in der Chemieindustrie (Archivbild) - Foto: Michael Matthey/dpa

Die Industriegewerkschaft IG BCE warnt vor schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges und fordert mehr Anstrengung zum Erhalt energieintensiver Unternehmen. Der Vorsitzende Michael Vassiliadis sagte am Donnerstagabend vor Journalisten, er glaube, dass die Auswirkungen des Iran-Kriegs für die Energieversorgung sowie mit steigenden Öl- und Gaspreisen noch weitgehend unterschätzt werde. Falls der Iran-Krieg länger dauere, könne dies massive Folgen haben.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer langen Schwächephase. Forschungsinstitute wie das Ifo erwarten, dass der Iran-Krieg die Erholung dämpft. Je länger der Krieg andauert, desto schwerwiegender werden nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher die Auswirkungen. Zudem erwarten die Ökonomen einen zumindest vorübergehenden Anstieg der Inflation. 

Warnung vor «Flächenbrand»

Zudem warnte die IG BCE vor einem «unkontrollierten Flächenbrand» vor allem in der chemischen Grundstoffproduktion. Es drohe der Verlust kompletter Industriecluster. Vassiliadis forderte einen politisch moderierten Prozess für eine konzertierte Konsolidierung der Grundstoffchemie in Europa. Die Produktion von Grundstoffen in energieintensiven Großanlagen bilde das Herz nahezu jedes chemischen Verbundstandorts. «Werden sie abgeschaltet, fehlen den meist direkt angebundenen Anlagen und Betrieben in der weiteren Wertschöpfungskette Vorprodukte, auf die sie zwingend angewiesen sind.» Dies könne Tausende Arbeitsplätze gefährden. 

Vassiliadis verwies als Beispiel auf das ostdeutsche Chemiedreieck, wo der US-Konzern Dow Anlagen in Sachsen und Sachsen-Anhalt bis 2027 schließen will. Nach Beobachtung der IG BCE erwägten viele Grundstoffhersteller in Europa solche Schritte, weil sich am Weltmarkt Überkapazitäten bei Grundchemikalien von geschätzt gut 20 Prozent gebildet haben. Grund ist eine schwache Nachfrage und eine Schwemme von Importen, vor allem aus China. Das Überangebot führt zu Preisdruck in der Chemiebranche. Grundchemikalien dienen dort als Ausgangsstoff für viele Folgeprodukte wie Kunststoffe, Ammoniak, Medikamente und Farbstoffe.

Vassiliadis mahnte schnelle Fortschritte bei den Energie- und Emissionskosten an. Im Emissionshandel müssten kostenlose CO2-Zertifikate an energieintensive Firmen länger möglich gemacht werden. Ansonsten würden die Kosten etwa in der kriselnden Chemieindustrie weiter nach oben getrieben. 

Tarifrunde

Der Iran-Krieg kommt mitten in der Tarifrunde für rund 585.000 Beschäftigte in der Chemie- und Pharmaindustrie, bei der es bisher kein Ergebnis gibt. Die Arbeitgeber fordern angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage Lohnzurückhaltung. «Das geht mit uns nicht», sagte Vassiliadis. Die Gewerkschaft will mit höheren Entgelten die Kaufkraft stärken. Vassiliadis sagte mit Blick auf die hohen Inflationsraten nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 2022, bis heute seien die Reallohnverluste nicht ausgeglichen. Jetzt drohten infolge des Iran-Krieges neue Inflationsschübe.

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