ROUNDUP, Inflation

Inflation sinkt im August auf 1,9 Prozent

29.08.2024 - 14:27:36

Die Inflation in Deutschland sinkt deutlich. Im August lagen die Verbraucherpreise um 1,9 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilt.

Vor allem Energie war nach den Auswertungen der Statistischen LandesĂ€mter billiger als vor einem Jahr, wĂ€hrend die Preise fĂŒr Dienstleistungen ĂŒberdurchschnittlich gestiegen sind.

Im Juli hatten die Statistiker noch einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,3 Prozent verzeichnet nach 2,2 Prozent im Juni und 2,4 Prozent im Mai. Im August waren die Preise insgesamt 0,1 Prozent niedriger als im Juli. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel ging um 0,1 Punkte auf 2,8 Prozent zurĂŒck.

Bei den fĂŒr europĂ€ische Vergleichszwecke ermittelten Preisdaten (HVPI) ging die Teuerung ebenfalls deutlich zurĂŒck. Hier betrug die Jahresrate 2,0 Prozent.

Ökonomen hatten bereits mit einem Trend zu stabilen Preisen im Sommer gerechnet. So erwartet das MĂŒnchner Ifo-Institut fĂŒr die kommenden Monate eine Inflationsrate unter zwei Prozent in Deutschland. Basis ist eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage unter Unternehmen zu ihren PreisplĂ€nen.

Konsum der Verbraucher springt nicht an

Die Inflation lastet bislang auf der Kauflaune der Verbraucher. Trotz gestiegener Löhne halten viele Menschen ihr Geld weiter zusammen. Im zweiten Quartal gab der private Konsum nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 0,2 Prozent zum Vorquartal nach. Zudem trĂŒbte sich im August die Stimmung der Verbraucher ein, wie die Konsumklimastudie der NĂŒrnberger Institute GfK und NIM zeigt. Die Erwartungen zu Einkommen und Konjunktur sind demnach gefallen, genauso wie die Anschaffungsneigung - die Sparneigung ist dagegen gestiegen.

Auf lÀngere Sicht ist die Kaufkraft der Verbraucher wÀhrend der Inflationswelle gesunken. Zwar wuchs das mittlere Haushaltseinkommen nach Angaben des Statistischen Bundesamts von 2022 auf 2023 um 5,1 Prozent - die Teuerungsrate lag aber bei 5,9 Prozent. Die Inflation hatte sich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Anfang 2022 rasant beschleunigt, weil vor allem Energie viel teurer wurde.

Doch Deutschlands Arbeitnehmer haben die Kaufkraftverluste aus den Hochinflationszeiten zunehmend wettgemacht. Im zweiten Quartal ĂŒbertrafen die Steigerungen der Bruttolöhne das fĂŒnfte Mal in Folge die Entwicklung der Verbraucherpreise. Die Reallohnsteigerung fĂŒr das zweite Quartal beziffert das Statistische Bundesamt auf 3,1 Prozent.

Angesichts der krĂ€ftigen GehaltszuwĂ€chse bleibt der private Konsum die wichtigste Hoffnung fĂŒr die deutsche Wirtschaft, die im zweiten Quartal um 0,1 Prozent schrumpfte. FĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte erwarten Ökonomen nur wenig Besserung. Die Deutsche Bundesbank erwartet fĂŒr das laufende Jahr nur ein Mini-Wachstum von 0,3 Prozent.

Inflationswelle hat Spuren hinterlassen

Zwar sind die extrem hohen Inflationsraten der vergangenen beiden Jahre Geschichte. Im Jahresschnitt erwarteten fĂŒhrende Wirtschaftsforschungsinstitute eine deutliche AbschwĂ€chung der Inflation in Deutschland auf 2,3 Prozent - nach 5,9 Prozent 2023.

Doch Verbraucher spĂŒren beim Einkaufen oder im Restaurant die krĂ€ftig gestiegenen Preise. Nahrungsmittel haben sich in den vergangenen Jahren im Schnitt um mehr als 30 Prozent verteuert, ergab eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamts fĂŒr den Zeitraum von Januar 2020 bis Mai 2024.

Der Bundesverband der Verbraucherzentrale ist sogar der Meinung, dass die Lebensmittelpreise einer Blackbox glichen, wie es die Verbandschefin Ramona Pop sagt. Sie verlangt eine neuartige Beobachtungsstelle bei der Bundesanstalt fĂŒr Landwirtschaft und ErnĂ€hrung vor, die Preise und Kosten von Lebensmitteln auf den jeweiligen Herstellungs- und Handelsstufen analysieren soll.

Sinkende Inflation gibt EZB Spielraum

Sollte die Inflation im Jahresverlauf in Deutschland und im Euroraum insgesamt sinken, gĂ€be das der EuropĂ€ischen Zentralbank Spielraum fĂŒr Leitzinssenkungen. Sie hat im Juni erstmals seit der Inflationswelle die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Im Juli hielt die EZB die Leitzinsen stabil und ließ die TĂŒr fĂŒr eine Zinssenkung bei der Ratssitzung am 12. September offen. An den FinanzmĂ€rkten wird im September mit einer Zinssenkung der EZB gerechnet. Allerdings hielt sich auch im Euroraum die Inflation hartnĂ€ckig: Im Juli stieg die Rate leicht auf 2,6 Prozent.

GrundsĂ€tzlich sieht die EZB bei einer Inflationsrate von 2,0 Prozent PreisstabilitĂ€t gewahrt. Geringere Raten oder gar sinkende Verbraucherpreise (Deflation) bergen die Gefahr, dass Unternehmen wie Konsumenten ihre Investitionen und Anschaffungen verschieben, weil sie noch niedrigere Preise erwarten. Das hĂ€tte negative Folgen fĂŒr das Wirtschaftswachstum.

@ dpa.de