EZB-Zinssenkung lÀsst noch auf sich warten
11.04.2024 - 14:25:49Die EuropĂ€ische Zentralbank lĂ€sst die Leitzinsen im Euroraum trotz der rĂŒcklĂ€ufigen Inflation zum fĂŒnften Mal in Folge unverĂ€ndert.
Der Zins, zu dem sich Banken frisches Geld bei der Notenbank besorgen können, liegt weiter bei 4,5 Prozent. Das entschied der EZB-Rat. Der Einlagenzins, den Banken fĂŒr geparkte Gelder erhalten, betrĂ€gt unverĂ€ndert 4,0 Prozent. Volkswirte rechnen allgemein im Juni mit einer von Wirtschaft und privaten Kreditnehmern ersehnten Zinssenkung.
Die jĂŒngste Entwicklung der Teuerungsrate mache die WĂ€hrungshĂŒter zuversichtlicher, aber «nicht hinreichend zuversichtlich», hatte EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde Anfang MĂ€rz gesagt. «Wir brauchen eindeutig mehr Beweise und mehr Daten. Wir werden im April ein wenig mehr wissen. Wir werden im Juni viel mehr wissen.» Im Juni legen die EZB-Experten neue Konjunktur- und Inflationsprognosen vor.
Um die nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine auf Rekordhöhe gestiegene Inflation in den Griff zu bekommen, hatte die EZB seit Juli 2022 zehnmal in Folge die Zinsen nach oben geschraubt. Kredite werden damit teurer. Das kann die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken. Teurere Finanzierungen sind zugleich eine Last fĂŒr die Wirtschaft und Privatleute, die sich Geld leihen wollen.
Wirtschaft schwÀchelt
Zuletzt hatte sich die Inflation im Euroraum stĂ€rker als erwartet abgeschwĂ€cht. Im MĂ€rz stiegen die Verbraucherpreise gegenĂŒber dem Vorjahresmonat nach einer ersten SchĂ€tzung um 2,4 Prozent. Volkswirte hatten mit 2,5 Prozent gerechnet. Im Februar hatte die Teuerung 2,6 Prozent betragen und im Januar 2,8 Prozent. Im MĂ€rz 2023 lag die Inflation noch bei 6,9 Prozent.
Die Preisentwicklung nĂ€hert sich damit dem Ziel der EZB an, die mittelfristig eine jĂ€hrliche Inflationsrate von zwei Prozent anstrebt. Bei diesem Wert sehen die WĂ€hrungshĂŒter PreisstabilitĂ€t gewĂ€hrleistet. Höhere Teuerungsraten schmĂ€lern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Sie können sich dann fĂŒr einen Euro weniger leisten.
Ein schneller RĂŒckgang der Inflation könnte SpielrĂ€ume fĂŒr Zinssenkungen eröffnen. DafĂŒr spricht auch, dass sich die Aussichten fĂŒr die Wirtschaft im Euroraum verschlechtert haben. Die EZB erwartete zuletzt nur noch 0,6 Prozent Wachstum in diesem Jahr. Im Dezember waren noch 0,8 Prozent vorhergesagt worden.


