Postbank, DWS

Postbank und DWS: IT-Probleme quÀlen die Deutsche Bank

25.10.2023 - 13:31:46

Die IT-Misere bei der Postbank verÀrgert nicht nur viele Kunden, sondern kostet die Deutsche Bank auch viel Geld. Bei der Fondstochter DWS wird eine IT-Umstellung ebenfalls teurer. Dennoch wÀchst die Zuversicht des Dax-Konzerns.

Beschwerden von Postbankkunden, Kosten in Millionenhöhe und Probleme bei der Fondstochter DWS: Die Umstellung von Computersystemen belastet die Deutsche Bank. Die zusÀtzlichen Kosten im Zusammenhang mit der Postbank schÀtzte Finanzchef James von Moltke am Mittwoch auf etwa 30 bis 35 Millionen Euro im vierten Quartal.

Im dritten Quartal seien es weniger als 10 Millionen Euro gewesen, sagte von Moltke bei der Vorstellung der Quartalsbilanz. Zugleich lÀuft bei der Fondstochter DWS die Umstellung der IT-Systeme aus dem Ruder.

Dennoch zeigte sich Konzern-Chef Christian Sewing in einem Brief an die BeschĂ€ftigten zuversichtlich, die fĂŒr 2025 gesetzten strategischen Ziele nicht nur zu erreichen, sondern sogar ĂŒbertreffen zu können.

In den vergangenen Monaten hatte es erhebliche Beschwerden von Postbank-Kundinnen und -Kunden vor allem im Zusammenhang mit der IT-Umstellung gegeben, bei der schrittweise zwölf Millionen Kunden der Postbank mit sieben Millionen Deutsche-Bank-Kunden in Deutschland auf einer Plattform zusammengefĂŒhrt wurden. Sie beklagten sich nach Angaben von VerbraucherschĂŒtzern zum Beispiel ĂŒber gesperrte Konten und verzögerte Anschlussfinanzierungen. Ein Sonderbeauftragter im Auftrag der Finanzaufsicht Bafin ĂŒberwacht inzwischen, dass die Deutsche Bank die Probleme in den Griff bekommt.

Sewing: Zwei Drittel der RĂŒckstĂ€nde abgearbeitet

Sewing zufolge sind inzwischen zwei Drittel der RĂŒckstĂ€nde abgearbeitet. «Das gibt uns große Zuversicht, dass wir unseren Kunden wie geplant bis Ende des Jahres wieder das Serviceniveau bieten können, das sie zu Recht von uns erwarten», schrieb der Vorstandschef in einem Brief an die BeschĂ€ftigten. Große Fortschritte machte das Institut nach eigenen Angaben vor allem bei PfĂ€ndungsschutzkonten, auf denen verschuldete Menschen Guthaben vor der PfĂ€ndung schĂŒtzen können, und Auszahlungen von Baufinanzierungen bei der DSL-Bank.

Die Deutsche Bank stellte im Zusammenhang mit den Postbank-Problemen 25 Millionen Euro als Risikovorsorge fĂŒr mögliche KreditausfĂ€lle zurĂŒck. Im vierten Quartal könne eine Ă€hnliche Summe anfallen, sagte Finanzchef von Moltke.

Schwierigkeiten gibt es auch bei der Umstellung der Computersysteme der Fondstochter DWS. Die ursprĂŒnglichen PlĂ€ne seien mit Blick auf Zeit und Kosten zu optimistisch gewesen, sagte DWS-Chef Stefan Hoops. «Zum jetzigen Zeitpunkt ist klar, dass wir ein weiteres Jahr mit erheblichen IT-Aufbaukosten haben werden, entsprechend 2023, was zu weiteren Transformationskosten im Jahr 2024 fĂŒhren wird.» Dabei geht es um jeweils etwa 100 Millionen Euro. Zudem dĂŒrften die erhofften Einsparungen erst spĂ€ter eintreten, sagte Hoops.

Im Gegensatz zur IT-Umstellung bei der Postbank geht es bei der DWS aber nicht um Systeme mit Kundenbezug. Die Fondsgesellschaft will sich bei vielen VerwaltungsablÀufen von ihrem Mutterkonzern lösen - sofern sie es selbst und billiger hinbekommt.

Starke GeschÀfte in der Unternehmensbank

Im dritten Quartal musste die Deutsche Bank wegen höherer Steuern einen GewinnrĂŒckgang hinnehmen. WĂ€hrend der Vorsteuergewinn um sieben Prozent auf 1,7 Milliarden Euro stieg, entfiel auf AktionĂ€re ein Überschuss von gut einer Milliarde Euro und damit acht Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Analysten hatten jedoch einen stĂ€rkeren RĂŒckgang erwartet. So legte das Geldhaus insgesamt lediglich 245 Millionen Euro fĂŒr mögliche KreditausfĂ€lle zurĂŒck, rund 100 Millionen weniger als ein Jahr zuvor.

Die gesamten ErtrĂ€ge des Dax-Konzerns wuchsen trotz der stark gestiegenen Zinsen lediglich um drei Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. WĂ€hrend es in der Unternehmensbank deutlich und der Privatkundenbank leicht aufwĂ€rts ging, musste der Konzern in der Investmentbank und bei der Fondstochter DWS RĂŒckgĂ€nge hinnehmen. In beiden Segmenten bremste das schwierigere Marktumfeld das GeschĂ€ft.

Dass Deutschlands grĂ¶ĂŸtes Geldhaus vor Steuern ĂŒberhaupt mehr verdiente als im Vorjahr, verdankte sie der hauseigenen Unternehmensbank. Die Sparte verdoppelte ihr Vorsteuerergebnis auf 805 Millionen Euro, wĂ€hrend die anderen Bereiche vor Steuern weniger Gewinn erzielten als im dritten Quartal 2022.

FĂŒr das Gesamtjahr rechnet Vorstandschef Sewing jetzt mit höheren ErtrĂ€gen fĂŒr den Konzern: Sie sollen rund 29 Milliarden Euro erreichen und damit etwa das obere Ende der bisherigen Zielspanne.

@ dpa.de