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Deutschland, Einzelhandel

Heiße Theken und Imbisse in GeschĂ€ften boomen

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 04:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die klassische Gastronomie steckt vielerorts in der Krise und verliert GĂ€ste. Gegessen wird trotzdem. Viele Menschen kaufen sich ihre Mahlzeiten zunehmend woanders, etwa beim Wocheneinkauf.

  • Kunden können sich bei Ikea ihren eigenen Hotdog kreieren. - Bild: Christian Knieps/dpa
    Kunden können sich bei Ikea ihren eigenen Hotdog kreieren. - Bild: Christian Knieps/dpa
  • In einigen Rewe-Filialen gibt es ein Deli, in dem sich Kunden mit frischen Speisen eindecken können. - Bild: Thomas Banneyer/dpa
    In einigen Rewe-Filialen gibt es ein Deli, in dem sich Kunden mit frischen Speisen eindecken können. - Bild: Thomas Banneyer/dpa
Kunden können sich bei Ikea ihren eigenen Hotdog kreieren. - Bild: Christian Knieps/dpa In einigen Rewe-Filialen gibt es ein Deli, in dem sich Kunden mit frischen Speisen eindecken können. - Bild: Thomas Banneyer/dpa

Fertige HÀhnchenschenkel aus dem Supermarkt, Hotdogs im Möbelhaus oder Currywurst-Pommes auf dem Baumarktparkplatz: Auch wegen vergleichsweise niedriger Preise werden solche Angebote bei Kunden immer beliebter. Die Handelsgastronomie eilt von Rekord zu Rekord, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt.

HĂ€ndler in Deutschland setzten 2025 so rund 13,3 Milliarden Euro um. Das war 7,1 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie nie zuvor. Seit 2019 stiegen die Erlöse um fast 33 Prozent. Der starke Umsatzanstieg geht laut EHI auf höhere Kundenfrequenzen und gestiegene Preise zurĂŒck. FĂŒr 2026 erwartet das Institut ein weiteres Plus. Grundlage ist eine Befragung unter 29 Handelsunternehmen mit knapp 6.100 Filialen. Die Ergebnisse wurden auf die Gesamtbranche hochgerechnet. 

Zur Handelsgastronomie zĂ€hlen verzehrfertig zubereitete Speisen, Snacks und GetrĂ€nke im Einzelhandelsumfeld. Zu den verbreiteten Formaten gehören BĂ€ckereien, CafĂ©s, Imbisse, heiße Theken, Restaurants und Delis in SupermĂ€rkten, Einkaufszentren, Tankstellen, Möbel- oder BaumĂ€rkten. 

Was sind die beliebtesten Gerichte?

Die meistverkauften Speisen sind laut EHI-Umfrage Frikadellen, Currywurst, belegte Brötchen und Schnitzel. Das Mittagessen ist demnach das KerngeschÀft. Die Angebote sind meist zum Mitnehmen. Gut drei Viertel der HÀndler betreiben ihre GastronomieflÀchen selbst.

Der MöbelhĂ€ndler Ikea setzt neben seinen Restaurants auf Hotdogs, die in KassennĂ€he angeboten werden. Rund 20 Millionen StĂŒck wurden nach eigenen Angaben in den vergangenen 12 Monaten in den deutschen Ikea-Filialen zubereitet und verkauft. In vielen SupermĂ€rkten finden Kunden unter anderem Salatbars und Asia-Food-Shops. In 100 Rewe-Filialen gibt es inzwischen eine Selbstbedienungstheke fĂŒr warme Speisen. Andere Kaufleute haben Foodtrucks, erste HĂ€ndler testen zudem Kochroboter. 

Die Supermarktkette Globus verkauft an ihren heißen Theken FleischkĂ€sebrötchen fĂŒr einen Euro – nach Unternehmensangaben 30 Millionen StĂŒck pro Jahr. «Wir beobachten seit Ende der Corona-Pandemie ein deutliches Wachstum in unserer Gastronomie. Heute verkaufen wir in unseren 57 Restaurants rund 60.000 Mittagessen pro Tag», sagt Gastronomieleiter Michael Christmann. 

Deutliche Preisvorteile

Die Branche profitiert laut EHI von einem sogenannten «Trading-Down-Effekt». Wegen der hohen Preissteigerungen in den vergangenen Jahren, auch in der Gastronomie, greifen Konsumenten auf gĂŒnstigere Angebote zurĂŒck. Die Handelsgastronomie profitiere von deutlichen Preisvorteilen, sagt Studienautorin Paulina Ullrich.

Das zeigen auch Daten des Marktforschungsunternehmens YouGov: Kunden zahlten im ersten Halbjahr 2026 in der Handelsgastronomie demnach fĂŒr Steak- und Fleischgerichte im Schnitt 9,17 Euro, im ĂŒbrigen Außer-Haus-Markt – also etwa in Restaurants – hingegen 13,16 Euro. Bei Pastagerichten waren es 5,87 beziehungsweise 10,60 Euro. Auch bei anderen Hauptgerichten gab es große Preisunterschiede. 

Das GaststĂ€ttengewerbe – also, Restaurants, Kneipen und CafĂ©s – steht derzeit unter großem Druck. Die Branche setzte im ersten Halbjahr nach Angaben des Branchenverbandes Dehoga zwar fast 15 Prozent mehr um als 2019. Real, also preisbereinigt, waren die Erlöse allerdings gut 23 Prozent niedriger.

Restaurantbesuch fĂŒr viele zu teuer

Die Konsumenten wĂ€gten genauer ab, wofĂŒr sie ihr Geld ausgeben und ob ein Restaurantbesuch nötig sei, sagt YouGov-Marktforscher Sebastian Walter. FĂŒr 72 Prozent der Verbraucher ist der Restaurantbesuch zu teuer, 38 Prozent gingen zu Jahresbeginn seltener essen als im Vorjahr. Das ergab eine im MĂ€rz durchgefĂŒhrte reprĂ€sentative YouGov-Umfrage. Die Handelsgastronomie biete ein attraktives Angebot, vor allem fĂŒr Menschen, die sich den klassischen Restaurantbesuch nicht leisten könnten, so Walter.

Die steigende Nachfrage ist laut EHI auch darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass viele HĂ€ndler ihre Gastronomieangebote ausgebaut haben. Damit wollen sie laut Umfrage nicht nur die Kundenfrequenzen steigern und Kunden binden, sondern diese auch lĂ€nger in GeschĂ€ften zu halten.

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